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Donnerstag, 29. Februar 2024

rattenschwanz (oder: as if the world wasn't ending)

- forget the world for now, my love
and live these days with me 
as if the world wasn't ending -

nur ein seltsamer text, den ich über eine situation geschrieben habe, in der rell und ich gewesen sind, zu einer zeit im letzten jahr, als es warm war. ich war sehr nüchtern damals, und ich bin es jetzt nicht so sehr; bin aber auch nicht wirklich betrunken - ich arbeite noch daran. mir geht's nicht so gut. ich möchte nicht darüber reden. und ich möchte darüber reden, aber ich weiß nicht mit wem und noch weniger weiß ich, was ich sagen soll, weil ich nicht verstehe was mit mir los ist. der therapeut redet von irgendeiner "erkrankung" - so als sei das selbsterklärend, und ich hab keine peilung, was er meint. rede ich mir zumindest ein. oder: versuche ich mir einzureden.

er nennt es mittelschwere depressionen, und ich weiß nicht was das soll; das hier ist mein normalzustand, ich weiß schon gar nicht mehr wie es sich anfühlt, sich nicht so zu fühlen. dann, am letzten wochenende, klinge ich wohl wie eine schallplatte mit einem sprung: ich kann nicht mehr sage ich zu meinem someone. ich kann das alles nicht mehr. und dann weine ich mir sämtliche flüssigkeit aus dem körper, bis auf den letzten tropfen. insgesamt ein eher unschönes ereignis, und in mir wächst die überzeugung, dass er (also mein someone, nicht mein therapeut) mich irgendwann nicht mehr will, sondern sich jemanden sucht, mit dem er es einfacher hat. jemanden ohne dieses ganze kram: gender-kram, grace-kram, trauma-kram, they-hat-seit-anderthalb-tagen-nicht-mehr-auf-meine-nachrichten-reagiert-soll-ich-da-jetzt-vorbeifahren?-kram. ich meine, ich bin letztens in seinem bett aufgewacht, mitten in der nacht, und hatte von ihr geträumt, und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sogar ihren verdammten namen gesagt habe. ich meine, wassolldenndas? (ich leere meinen zweiten drink gerade in unangemessener geschwindigkeit, und würde gerne irgendwas kaputt machen; am liebsten mich selbst.)

und: ich war der festen überzeugung, dass ich gar nichts zu sagen habe - dafür nimmt das hier ganz schön große ausmaße an; alternativer titel sollte vielleicht sein: wie ich mich selbst gaslighte bis ich kurz davor bin schluss zu machen, weil ich mich für beziehungsunfähig halte. (würde ich aber nie. weil ich so verdammt selbstsüchtig bin. mir geht's so viel besser mit ihm. aber ich kann halt nicht sehen, dass es ihm besser geht mit mir - nein: ich erlaube mir nicht, das zu glauben, mein selbstwert lässt das gar nicht zu. er ist absolut verliebt in mich. er weiß nur noch nicht, dass das ein fehler ist.)

was ich jetzt tun werde? also: außer noch eine stunde angenehm angetrunken* zu sonata zu viben und nutella biscuits zu essen? keine ahnung. vielleicht sollte ich an irgendeinem punkt mit ihm (also mit meinem someone, aber wahrscheinlich auch mit meinem therapeuten) darüber reden - ich möchte bloß nicht dass er weiß, dass ich so furchtbare gedanken habe. ich möchte ihm das alles nicht zumuten. ich kann nämlich ganz gut damit umgehen (minus den part, an dem ich mich gezielt alkoholisiere an einem donnerstagabend, weil ich nicht mit meinen gefühlen zurecht komme) - was bleibt mir denn auch anderes übrig? mein kopf will mich tot sehen, phasenweise, mein halbes leben lang - aber er ist zu sensibel für den ganzen scheiß. andererseits: er kann inzwischen auch erstaunlich gut umgehen mit dem ganzen trauma-kram, also vielleicht wird das mit der zeit?

* bitte nicht zuhause nachmachen bla bla, ich wollte das nicht mehr tun bla bla bla - ja natürlich weiß ich es besser, aber mein wissen hilft mir nicht. so langsam sollte ich wohl auch zusehen, dass ich ein bisschen runterkomme, bevor das hier wirklich ausartet, dabei möchte ich nur laufen: sehr schnell sehr weit weg von allem. cheers, oder so.

- take me where i cannot hear
the people calling me
pour whisky, brandy, vodka
come and live this night with me
as if the world wasn't ending -
sonata arctica - as if the world wasn't ending

Samstag, 15. Juli 2023

the silence where i stood

ich mache das nicht mit absicht. und ich mache das mit absicht. und es funktioniert, und es funktioniert nicht; es funktioniert ganz eindeutig nicht, sonst würde ich hier nicht sitzen, alleine mit einer flasche wein. aus angst, zu weit zu gehen, gehe ich lieber. das darf ich sie bloß nicht wissen lassen, sonst wirft sie mir wieder vor, dass ich ihr nicht genug vertrauen würde. dabei hat das mit vertrauen nichts zu tun. ich kenne sie. aber
m i c h kenne ich auch. und streng genommen weiß ich, dass ich's mir nicht erlauben dürfte, sie zu brauchen. aber ich tu's doch. vielleicht geht's ja gut aus dieses mal? sie sieht auch das problem überhaupt nicht; völlig mitleidslos ist sie der meinung, ich müsse das jetzt eben lernen. dass jemand [also: sie] gut ist zu mir. und dass nichts schlimmes passiert. [ich kann hier nicht weiter schreiben. ich bin viel zu verwirrt. sie sagt all diese dinge zu mir; vor ein paar tagen sagte sie, sie sei stolz auf mich, und ich wusste absolut nicht, wie ich darauf reagieren sollte. ich weiß auch nicht, ob das überhaupt schonmal jemand zu mir gesagt hat. scheiße, ist das nicht traurig? ja, doch, vielleicht mache ich das mit absicht; irgendwie muss ich ja sicherstellen, dass sie mir nicht auch noch abhanden kommt. das könnte ich nicht ertragen.]

In my whole life
There's silence where I stood
I found you in the lone light
Never knew it felt this good
Won't you teach me how to see
The way you see me
Talos - See Me

Sonntag, 4. Juni 2023

the path to decay

[TW bzgl. Depressionen/Suizidalität]

Ich habe es aufgegeben, diesen Zustand jeden Tag dokumentieren zu wollen, solange bis ich es überstanden habe. Dazu habe ich gar keine Energie mehr. Es ist Tag 11, mein Kopf will mich noch immer tot sehen. Das Ereignis, das wohl als Ursache anzusehen ist, ist mittlerweile längst wieder zur Bedeutungslosigkeit verkommen. (Naja. Fast. Ein bisschen muss ich mich noch damit herumschlagen. Aber auch nur, weil Rell es nicht gut sein lassen kann.)

Bloß sind die Gedanken immer noch da. Und nagen an mir. Zwischendurch war es immer wieder einen Tag lang fast in Ordnung - letzte Woche Montag und gestern zum Beispiel - und danach jedes Mal schlimmer als vorher. Ich hab versucht, mich vergessen zu lassen und meinem Kopf nicht zuzuhören - lies: mich betrunken und/oder Bedarf genommen, was bloß nicht immer die ... praktikabelste Idee ist, wenn man jeden Tag noch zur Arbeit geht. (Ehrlich, ich weiß nicht, wie d a s funktioniert. Der Plan dahinter war wohl, dass Ablenkung vielleicht ganz gut tut, aber in der Praxis bin ich auch am Durchdrehen.)

Und dann hat's sich nicht so angefühlt, als könnte ich diesen Zustand noch länger aussitzen. Also habe ich in meinem Kopf das Gästezimmer für diese Gedanken hergerichtet. Und mich mit ihnen zum Tee hingesetzt. Und mir den Vorschlag mal angehört. Und fing selbst an zu denken: Hey, gar keine so üble Idee. An dem Punkt hab ich kurz in Erwägung gezogen, mich einweisen zu lassen, weil ich mehr und mehr Angst vor mir selbst hatte. Aber wenn die Akutstationen in dieser Stadt genauso ein Witz sind wie in der Heimatstadt, bin ich alleine echt besser zurecht.

Das war am Donnerstag. Nun bin ich immer noch hier. Alleine mit der ganzen Scheiße. Auf dem besten Wege rückfällig zu werden, bei dem Versuch die Gedanken und Gefühle auszuhungern. Hab mich dreimal davon abgehalten, Rell anzurufen, wie ich es eigentlich tun sollte in solchen Situationen. Aber. Wohin würde das schon führen? Außer dazu, dass sie sich Sorgen macht. Und zu dem Ergebnis kommt, dass ich ne Therapie machen sollte. Ansonsten weiß nur Neeko, dass es mir im Moment nicht gut geht. Natürlich hat sie Hilfe angeboten, bloß finde ich es ein bisschen zu ... krass, Freunden davon zu erzählen. Wohin würde das schon führen? Außer dazu, dass die sich Sorgen machen. Und zu dem Ergebnis kommen, dass ich Therapie machen sollte.

Also klammere ich mich an die banalsten Pläne. (Sleep Token irgendwann nochmal live sehen. Der Besuch von meinem Bruder in ein paar Monaten. Mit Fuchs zocken, wenn der neue Laptop da ist. In der nächsten Wohnung eine Katze besitzen.) Egal was; es muss nur reichen für einen weiteren Tag. Und dann noch einen. Und noch einen. Und. Ich kann das; ich habe das schon ein paar Mal geschafft. Trotzdem bleibt die Angst, dass es dieses Mal nicht gelingen könnte.

Seems like I'm falling deeper
Deeper inside myself
Seems like I'm growing weaker
Much weaker each day 
Along the path to decay
Sirenia - The Path To Decay

Freitag, 19. Mai 2023

hell raised me

I thought you were dreaming / Eyes rolled to the stars
Sinking slowly in muddy waters / Set beneath the tar
You left me in the dark
We grew up scared / Bruised and battered
Youth torn and tattered
As long as you were sky high / Nothing fucking mattered
Hotel homes in the cross / Under the bridge and lost
With your heads in the clouds above
You call this love

manchmal, wenn ich nicht mehr genau weiß wer sie ist, erinnere ich mich daran, dass ich

manchmal weiß ich nicht mehr genau, wer sie eigentlich ist. es scheint so, als würden

ich kann ihr gar keinen vorwurf machen, oder? ich tue das auch. ich zeige ihr eine seite von mir, die aber keinen platz mehr hat, wenn wir

ich kann das nicht. das schreiben ist so mühselig. ich will schon seit etwa vier wochen von meinem gespräch mit rell erzählen und von dem, was danach passiert ist, dass ich nämlich -

aber ich kann nicht.

ich verstehe sie nicht. das möchte ich sagen. ich verstehe sie nicht, und mich verstehe ich noch viel weniger, auch wenn ich vor ein paar tagen zumindet geblickt habe, dass mein verhalten in den immer gleichen phasen verläuft:
(1) ich erzähle ihr etwas über mich
(2) ich komme fälschlicherweise zu dem ergebnis, dass ich sie zu nah an mich ran gelassen habe
(3) ich mache komplett dicht aus angst, dass sie mir irgendwann weh tut
(4) und (so wie heute*) die phase in der ich dann versuche, das alles zu überspielen, indem ich mich - aber das kann ich nicht ins internet schreiben, weil ich mich so abgrundtief dafür verachte. 

sie würde das wahrscheinlich verstehen. dass das so ist. und wo das her kommt. sie ist schließlich auch in der hölle groß geworden. ist aber keine entschuldigung. für mein verhalten, meine ich. ich bin mir nicht ganz sicher, wie viel davon sie so mitbekommt. ob sie tatsächlich denkt, dass es mir gut geht. weil danach fragt sie oft gar nicht. (muss sie auch nicht rede ich mir ein. sie verlässt sich einfach darauf, dass ich sie anspreche, wenn ich schwierigkeiten habe. und außerdem: was sollte ich schon sagen? die wahrheit?)

ich weiß im moment gar nicht wie die aussieht, die wahrheit. wie geht's mir? nicht mal i c h will mich das fragen. müde bin ich. aber das ist nichts neues. frustriert bin ich auch, aus verschiedenen gründen. aber die zu erläutern würde diesen post sprengen.

/ / / / /

* "heute" meinte ursprünglich dienstag; es ist freitag mittlerweile, und ich sehe mich erst jetzt in der lage dazu, das hier fortzusetzen. mir ist auch gestern erst der richtige satz eingefallen, um das ganze zu beschreiben: sie ist schwer fassbar. sie ist total da, aber irgendwie könnte das auch eine beliebige version von ihr sein. [und ich, ich kann die worte schwer fassen, die sie mir sagte beim letzten mal. ich konnte gar nicht eher darüber schreiben.  über ihr: "du bist einer der wenigen menschen, die mich überhaupt nie enttäuschen könnten." ich meine - wie?! ich, ria, bin doch wohl die enttäuschung in person. sonst hätten meine eltern mich schließlich gewollt. 

naja, und ein paar tage später war alles in mir so: du hast ihr WAS erzählt?! und da hab ich mich halt eingemauert. und hab mich zurückgezogen. und hab ihr übel genommen, als sie mich nicht rausholen kam. das soll doch mal jemand verstehen. inzwischen ist es wohl wieder ... okay-ish, denke ich. sie hat bald wieder mehr zeit. für mich, gegebenenfalls. falls ich mal wieder den mund nicht halten kann. 

ich sollte froh sein, dass das so passiert ist. so muss ich mich nicht krampfhaft bemühen. ich kann auch auseinanderfallen. sie hilft mir beim aufsammeln. und das ist in ordnung für sie. sie könnte ja auch sagen, dass sie damit nichts zu tun haben will. würde ich voll verstehen. aber. sie weiß nur zu gut, wie das ist. denn: hell. raised. us.

I was raised in hell / I made it out by myself
I was raised to bleed / Bad blood runs wild and free
Northlane - Bloodline

Samstag, 15. April 2023

zutiefst...

[TW bzgl. Alkohol/SVV. Man kennts.]

Diese Worte sind nicht neu. Der Zustand auch nicht. Ich bin schon oft Hier™ gewesen und schreibe das auch nicht zum ersten Mal ins Internet. Dass ich (zu lange) im Bett liege und Musik höre, die mir nicht gut tut, zum Beispiel. Dass ich Psychopharmaka mit einem alkoholischen Getränk runterspüle. (Immer mit dem ersten. Nach dem dritten tue ich dann irgendwas Unvernünftiges.) Dass ich beim Spazierengehen fast zusammenklappe, weil ich den Tag über so gut wie nichts gegessen habe. Dass ich tatsächlich zusammenklappe, aus eben diesem Grund. Dass meine Gedanken um Selbstverletzung kreisen. - brb, ich brauche noch nen Drink - So, wo war ich stehengeblieben? (...) Will denn wirklich jemand wissen, dass ich mir echt gerne Nudeln kochen würde, aber jegliche Aktivität, die kochendes Wasser beinhaltet, im Moment tunlichst vermeide, weil ich mir selbst nicht traue? Da kann ich mir nur vor den Kopf schlagen; was ist denn das für ein Leben? Wie, zum Teufel, bin ich an diesen Punkt gelangt? An welcher Stelle bin ich falsch abgebogen? Und, viel wichtiger: wie finde ich bloß in die Spur zurück? Sollte ich sie tatsächlich anrufen, um statt Stille Worte sprechen zu lassen?

(Vor ein paar Abenden: das erste ASP Konzert seit der Corona Zwangspause. In einem Song singt er Einzig die Stille sprach noch Bände und ich denke, d a s kann ja nicht unser Dauerzustand bleiben. Vielleicht sollte ich ihr einen Brief schreiben. Aber seit ich die nicht mehr unterzeichnen kann mit "Zutiefst ergeben, immer noch" ... ist das keine Option mehr.) Also ein Anruf - um das Ende zu verkünden, um den Fuß aus der Tür zu kriegen - wo ich doch nichts mehr will als das Gegenteil, und wie, bitte, soll ich das über die Bühne bringen? Ich kann auch nicht - sie lässt mich hängen im Moment, ich kann auch nicht darauf vertrauen, dass sie mir hilft, so wie die Male zuvor. Das ist es, was mich so schockiert. Wie sie einfach da sitzt. Und zusieht. Dabei wäre sie in der Lage dazu - aber sie will einfach nicht mehr. Sie will mich nicht mehr, und wie könnte ich ihr da einen Vorwurf machen? Wenn ich könnte, würde ich mich auch verlassen. Wirklich, am liebsten würde ich mich an irgendeiner Straßenecke aussetzen.

[Interessanterweise denke ich an Rell, und an ihr Gesicht, sollte ich ihr gegenüber diesen Satz mal äußern, und d a s bringt mich in die Spur zurück. Ja, eigentlich weiß ich es besser.] - brb, muss mir mal Nahrung suchen - (Ich kann gerade noch so verantworten, mich in die Küche zu stellen und dort mit irgendwelchen Utensilien - Messern, ja - zu hantieren, wenn der Alkoholpegel nur noch minimal höher wäre, würde ich mir wahrscheinlich aus Versehen weh tun. Ich vertippe mich außerdem absurd oft. Ich schreibe das hier wohl später fertig.)

Nach dem Essen, nüchterner jetzt. Mir gefällt nicht, wie es sich anfühlt. Mir gefällt nicht, dass ich zwar weiß, was ich tun sollte - aber ich nicht weiß, wie ich das in die Tat umsetzen soll; ich.weiß.nicht.wie. Ich kann einfach nicht loslassen. Nicht das. Nicht s i e. Es erscheint mir so aussichtslos. (Auch ASP. Und alles scheint mir hoffnungslos und kommt mir so vergeblich vor.) Ich will einfach nur, dass es vorbei ist. Und gleichzeitig wüsste ich nicht, wie ich das Ende ertragen sollte. (Ich bin so wütend geworden wegen ihrer Widersprüchlichkeit. Meine eigene ertrage ich aber auch nicht länger. Ich bin es so müde. Alles.)

Zutiefst verstört, und un-erhört
Zutiefst ergeben, immer noch
ASP - zutiefst...

Montag, 10. April 2023

i wanna be free, but can't let go*

Februar 2023

Montag
Ich halte die Gefühle keine 5 Minuten aus. Dann greife ich zum Telefon, wieder. Um mit einer Person zu sprechen, die mir vielleicht nicht das Herz aus der Brust reißt. Jalta? Mailbox. Reya? Mailbox. May? May nimmt den Anruf entgegen. Wir unterhalten uns eine Stunde über Gott und die Welt; ich kann unmöglich über sie sprechen. Dann verabschiede ich mich und meine, dass ich mir jetzt Abendessen machen sollte. Stattdessen sitze ich nun hier und spüle Tabletten mit einem Schluck Wodka herunter. Und ich weiß, ich werde weiter trinken, bis ich die Kälte in ihren Worten vergesse. Oder ich werd's auf jeden Fall versuchen. (Noch nie. Noch nie hat sie sich angehört wie an diesem Nachmittag. Schon ab "Ich hatte nie geplant, dass wir." weiß ich nicht mehr, wie das mit dem Atmen funktioniert. Und ich versteh's nicht. Wie kann sie denn nicht auch wollen, dass? Wie kann sie sagen, dass sich für sie nichts verändert hat, und trotzdem von Abschied sprechen? Wie? Wie geht das? Und wie, wie kann ich mich so getäuscht haben? Wie geht d a s?)

Dienstag
Von "Wodka direkt aus der Flasche trinken" zu "Wein direkt aus der Flasche trinken" in 24 Stunden. Weiß nicht, ob das ein Fortschritt ist. Heute auch schon wieder fast nichts gegessen; ich kann nicht, ich kann einfach nicht. Und dann saß ich vor meiner letzten Patientin und dachte: Nächste Woche um diese Zeit möchte ich wieder hier sitzen. Möglichst unversehrt. Aber ich weiß noch nicht genau, wie. (Ich kann's ja wieder fixen, richtig? Bloß heute nicht, morgen nicht, die ganzen nächsten Wochen nicht, wenn sie jetzt erstmal eine Zeit wütend sein muss, und distanziert. Aber i c h habe beschlossen, dass wir nicht so enden; in Scherben, als Trümmerhaufen, kilometerweit voneinander entfernt. Das ist n i c h t unser Ende.)

Mittwoch
Ich hab mir die Hand aufgeschürft, und das Knie, und bin mir ziemlich sicher, dass ich an den Rippen in den nächsten Tagen einen großen blauen Fleck bekomme - da ist eine Heizung im Weg, als der Körper beschließt, dass selbst dieses "Stehen" die aktuellen Kräfte übersteigt. Ich kann eine Weile nicht aufstehen, also setzt Rell sich zu mir auf den Fußboden. Ich erzähle ihr alles, was in den letzten Tagen passiert ist - verliere dabei nur halb die Fassung. Sie versteht das Wichtigste; es ist eine Wohltat. Nach dem Gespräch fühle ich mich endlich fast wieder wie ein Mensch, und nicht mehr wie ein Wrack. (Ich möchte noch mehr schreiben. Aber ich kann nicht. Es reicht mit dem Fühlen für heute auch wieder.)

Donnerstag
Ich hatte meine Lektion gelernt. Für zwei Tage. Wie kriege ich das zurück? Ich kann so nicht weitermachen; die Hoffnung ist wie Gift. Mir gefällt nicht, worauf es hinauszulaufen scheint am Ende. I wanna be free, but can't let go.

Jetzt

Da sind keine Scherben; wir sind auch kein Trümmerhaufen. Wir sind einfach gar nicht(s) mehr. Und das ist in Ordnung. Das ist ein Zustand, den i c h gewählt habe. Ein Zustand, den ich verändern könnte, aber ich muss mich mal für eine Weile von ihr fernhalten. Nur "für eine Weile", so als sei das hier temporär. Und nicht endgültig. Denn: ich habe meine Lektion gelernt. Ich habe zurückgelesen; ich weiß es besser. (Sie fehlt mir trotzdem. Aber auf eine Art, die auszuhalten ist.)

And now I have nothing more to say
I said too much now anyway
Lead me out into the night
Empathy Test - Last Night On Earth

*Dieser Post hatte lange keinen Titel, und ich wollte mich nicht ewig mit der Suche nach einem aufhalten, also habe ich diese Zeile gewählt, weil sie ganz gut zum Inhalt des Eintrags passt. Ich möchte hier nur einmal zu Protokoll geben, dass I feel so tired I could die tatsächlich mehr meiner momentanen Stimmung entspricht. (Im Grunde ist das seit Wochen/Monaten fast schon Dauerzustand. Aber das ist ein anderes Thema.)

Sonntag, 5. März 2023

// there is no one left to see me //

[TW bzgl. Alkohol/SVV]

there is blood on the horizon
and the flood comes in from the sea
and the storm behind your eyes and
there is no one left to see me 
asp - me


nein. ich war schon damals nicht bezaubernd und ich bin es auch jetzt nicht; mit ungewaschenen haaren und einem glas wein in der hand. wie es denn sein könnte, dass mir nie jemand böse sein kann? was?! wer kann denn einer person etwas nachtragen, die so augenscheinlich k r a n k ist? wie ich auf eine art und weise um einen gefallen bitten könnte, die es unmöglich macht, mir diesen zu verwehren. nun, ich glaube, das kann ich noch immer. vielleicht sollte ich von dieser fähigkeit gebrauch machen? und wenn ich dann nicht nur bitten, sondern sogar flehen würde? dann könnte sie ja gar nicht anders, als. aber.

szenario a) ich weiß, ich bin zu stolz. ich kann - ich werde - nicht bitten; nicht darum, nicht sie. die option fällt also flach. zurück bleibt zwang, aber ich rede mir schön weiter ein, i c h hätte diese entscheidung getroffen. schließlich bekomme ich immer, was ich will.

szenario b) ich weiß, es gibt keine worte. nein: es gibt worte, aber die verraten zu viel. und das darf nicht sein. wirklich, das sollte nicht sein; das würde nun endgültig zu weit gehen - als hätten wir diesen punkt in einem gefährlich rasanten tempo in der vergangenheit nicht schon überschritten. (oder vielleicht führt sie alle ihre beziehungen so? bestimmt führt sie alle ihre beziehungen so. nein, ich bin es. es liegt doch an mir. das tut es doch immer. schließlich bin ich die einzige person, die in beiden von diesen situationen auftritt.)

so, und um mal zum punkt zurück zu kommen: was nützt denn bitten, flehen, wenn ich die antwort schon kenne? ich kann gut darauf verzichten, mich vor ihr lächerlich zu machen. und überhaupt, was stelle ich mich so an? (wie ich gerade noch wütend war auf sie, aber innerhalb von sekunden dazu übergegangen bin, mich selbst zu geißeln, haha.) die zeit ist doch begrenzt; es gibt nun wirklich keinen grund für das ganze drama. (die zeit in der regenrinne meine ich - so, nun nehme ich doch bezug auf meinen letzten post.)

das problem ist: auch wenn ich da raus krabble, einen weg zurück ins haus finde, und wir alle gemeinsam eine fröhliche party im wohnzimmer veranstalten - ich bin und bleibe unter ihrem glas gefangen. das bin ich seit monaten. das war ich von anfang an; signed, sealed, delivered. aber so funktioniert das; sie kann sich bewundern, während ich sie bewundere. (nein, nein, auf gar keinen fall; sie hat es unversehrt aus der hölle geschafft, sowas hat sie gar nicht nötig. sie muss sich nicht bewundern lassen. es ist auch nicht riskant, ihr zu widersprechen. (gott, wie kalt kalt kalt sie geworden ist als ich es gewagt habe, eine ihrer entscheidungen anzuzweifeln - das war so nicht vorgesehen, es hätte anbetung sein sollen. hätte sie sich nicht denken können, wie ich zu geheimnissen stehe? hat sie nicht genug gesehen?!))

habe ich nicht genug gezeigt? (doch so viel hat es gar nicht sein müssen, schließlich hat sie auf eine art und weise lesen gelernt, die die meisten anderen menschen sich nie aneignen. und das ist nur gut, weil so viel leid dahinter steckt.) fakt ist: ich kann nicht aufhören. ich glaube, ich brauch das. um an dieser stelle nämlich mal mein "weirdes faible für leute in machtpositionen" aufzugreifen: natürlich ist das ein muster. (sie hatte recht, aber ich würde eher sterben, als das zuzugeben.) ich mache mich abhängig, hoffe auf zuneigung, und wenn ich diese dann endlich auch erhalten sollte, hätte ich auf magische art und weise meine kindheit repariert. es würde all die vernachlässigung wieder wett machen, natürlich, so funktioniert das. ich meine, es kann doch nicht schaden, es wenigstens zu versuchen? (bloß hat mich das an diesen punkt geführt: alleine, ganz gut betrunken angetrunken, an einem samstagabend. es ist großartig.)

(jetzt kickt der wein gerade so richtig. ich hör mal lieber auf mit schreiben, bis ich die mir-ist-alles-angenehm-scheißegal-phase überwunden habe.)

(ich will die mir-ist-alles-scheißegal-phase doch gar nicht überwinden. jetzt kann ich endlich mal vergessen. ich möchte doch nur vergessen dass es sich so anfühlte, als müsste ich mir die haut mit einem scharfen gegenstand öffnen, um endlich erleichterung zu verspüren.)

ich möchte gerne auch den mittwoch vergessen, bitte, danke. ginge das nicht? nein? dann lässt sich nur hoffen, dass sie d a s nicht gelesen hat, denn das wäre mir maximalst unangenehm. die art und weise, wie ich mich fast schon an sie - nein, ich kann diese worte hier nicht verwenden; ich kann vieles ins internet schreiben, aber das nicht. (aber das schon, auch wenn es gar nicht so gewesen ist und bestimmt nur einbildung war: dass sie - nein, doch nicht, entschuldigt das ganze hin und her, aber falls das tatsächlich so gewesen sein sollte, gehört es nur ihr und mir.
f a l l s das tatsächlich so gewesen sein wollte, wären das mindgames, oder nicht? sie hätte ja auch etwas sagen können; stattdessen hüllt sie sich in schweigen, sie auch.)

und bald ist da nur noch stille. zwangsweise. nur noch das rauschen des wassers in meinen ohren; den blutroten horizont vor augen, während ich versinke. the water is rising higher and higher // i can't get out of here ich schaff's einfach nie raus, hab immer nur die wahl zwischen glas und regenrinne, was? während ich mir einrede, entscheidungsfreiheit würde existieren für jemanden wie mich. für jemanden wie mich; eine, die sich nur lebendig fühlt, während sie vor jemandes augen stirbt. und bald ... bald ist da niemand mehr, der sie sieht.

Sonntag, 27. November 2022

grace and lies locked the door from the other side

[Triggerwarnung bzgl. Alkohol, I guess?]

Montag, 14.11.22
Hör mal auf mit dem Trinken sagt Cheza. Und leg dich ins Bett. Also, zum Schlafen. Sehr spezifisch, der letzte Satz. Zu dem Zeitpunkt des Anrufs liege ich nämlich auch im Bett, neben mir auf dem Nachttisch der dritte Wodka Lemon des Nachmittags, und alles dreht sich. Sie hat nicht viel Zeit, ich habe eine Lücke gefunden zwischen Arbeit und ... Ichweißnichtgenauwas. Jedenfalls fehlt mir aufgrund des Alkoholpegels irgendeine Art Filter, und ich rede wie ein Wasserfall. Versuche ihre Antworten festzuhalten, in dem Wissen, dass ich mich an dieses Gespräch nicht mehr gut werde erinnern können. (Schreibpause, um das erste Mal an diesem Tag etwas Richtiges zu essen. Es ist kurz nach 18 Uhr. Ich möchte das unkommentiert lassen.) Aber weiter im Text: als wir dann auflegen sehe ich auf meinem Handy die Benachrichtigung über das nächste Konzert von Antimatter - Ende nächster Woche, wie ein Zeichen. Denn zum Zeitpunkt des letzten Konzerts war ich in einer ähnlichen Verfassung; in einem ähnlichen Loch, und wenn ich im April da raus klettern konnte, dann kann ich nun auch. (Also höre ich mit dem Trinken für heute auf. Und lege mich ins Bett.)

Mittwoch, 16.11.22
Ich höre mit dem Trinken auf, klar, kein Ding, so als sei das das Einfachste auf der Welt. So als hätte ich den kompletten Dienstag über nicht das überwältigende Verlangen nach Alkohol verspürt. Ich bin eigentlich nicht so. So als wäre ich nicht den ganzen Tag über unterwegs gewesen und nach der Arbeit noch zu einer Freundin gefahren, bloß um nicht alleine in meiner Wohnung zu sein. Eigentlich bin ich nicht so, echt nicht. Heute dann das Gespräch mit Rell - sie scheint nicht sonderlich erfreut angesichts meiner ... fehlenden Initiative, mir Hilfe zu holen, würde ich mal sagen. Noch weniger erfreut sein wird sie nächste Woche, wenn sie erfährt, dass unser angedachter Plan nicht funktionieren wird. (Ein wenig hoffe ich, dass sie mich dann in Ruhe lässt. Schließlich geht's mir schon wieder besser. Ich brauche gar keine Hilfe.)

Freitag, 18.11.22
Ich hab mit dem Trinken aufgehört. Für drei Tage. Aber heute ist ja Freitag, und gegen einen Drink nach Feierabend gibt's doch eigentlich nichts einzuwenden? Außer wenn Feierabend halt um 12 Uhr ist, aber naja, es muss ja nicht wieder so sehr aus dem Ruder laufen wie Anfang der Woche. Also halte ich mich zurück; und ein paar Stunden später signalisiert mein Körper mir deutlich: Lass mal gut sein mit dem Wodka. Ja. Okay. Ich bin sowieso zu erschöpft um nochmal aufzustehen und in die Küche zu gehen glaube ich, genauso wie am Mittwochabend, als ich eingeschlafen bin um 21:30 Uhr und es vorher nicht mal mehr geschafft habe, die Lichterketten auszuschalten. Ein klein wenig habe ich Angst vor den nächsten beiden Tagen, wenn am Wochenende die Struktur fehlt; ich habe mich vor ein paar Wochen erst aus so einem Sumpf raus gearbeitet, ich möchte nicht schon wieder in die nächste Krise rutschen. Ob das die Winterdepressionen sind, die langsam anklopfen? Auf die könnte ich gut verzichten dieses Jahr.

Sonntag, 20.11.22
Es ist 14 Uhr, ich liege noch immer im Bett. Ich wollte schon vor Stunden aufstehen, Yoga machen und frühstücken zu Mittag essen. Ich gehe fest davon aus, dass das im Laufe des Tages auch noch geschieht - nur halt im Moment nicht. Im Moment bin ich zu sehr mit Vermissen beschäftigt, voller Naivität, so als hätte sich seit September nichts verändert. (Aber darüber kann ich nicht schreiben. Ich kann einfach nicht.) Drei Stunden später schütte ich mir Wodka mit Blutorangensaft in den Hals, um den Schrei zu ertränken, der in meiner Kehle sitzt. Noch knapp 2 Wochen bis zum (zweit? dritt?) schwierigsten Tag im Jahr, und ich bin jetzt schon mit Zusammenbrechen beschäftigt. Selbst danach bleibt immer noch das Problem, das in der Heimatstadt auf mich wartet. Die nächsten 6 Wochen werden wahrscheinlich ein verdammter Struggle. Großartig, ich hab echt richtig Bock.

Dienstag, 22.11.22
Ich prügele mich so durch die Tage. Morgen spreche ich nochmal mit Rell und muss irgendwie Worte finden - fck, ich kann nicht mal Worte dafür finden, wofür ich Worte finden muss?! Also, das wird spannend. Dann treffe ich nach Feierabend noch auf neue, unbekannte Menschen. Sehe ich mich nicht so ganz, aber ich wollte Deltas Einladung nicht ablehnen. Und eigentlich will ich ja auch wollen, und nicht immer nur alleine in meiner Wohnung vereinsamen. Leider hat mein Energielevel da auch noch ein Mitspracherecht. Naja, mal sehen.

Donnerstag, 24.11.22
But grace and lies locked the door from the other side
And now there's not much else there
Grace and lies in all
How long can you hide?
How long can you hide?
How long
Antimatter - Leaving Eden

Samstag, 26.11.22
Meine kurzzeitige Obsession mit Antimatter scheint überwunden zu sein; ich liege im Bett, ziehe mir die Decke über den Kopf und höre zum elften, zwölften, dreizehnten Mal Cities Of Asylum. Der Gedanke an all die Dinge, die erledigt werden wollen, überfordert mich massiv. Es sind streng genommen nur Kleinigkeiten, aber ich habe keine Energie, um auch nur die geringste Anforderung zu bewältigen. Gegen 15 Uhr ziehe ich dann vom Bett auf das Sofa um, um mich am Laptop zumindest um die Sachen zu kümmern, für die ich das Haus nicht verlassen muss. In der Theorie ein guter Gedanke, doch eine bleischwere Erschöpfung liegt über mir wie eine Decke. Die Aussicht darauf, nach dem E-Mails schreiben etc. vom Sofa wieder aufzustehen, um weißgottwas zu erledigen, bringt mich fast zum Weinen. Dabei will ich mir doch nur etwas zu essen machen und meine Haare kämmen. Und dann Zähne putzen, ein Paket zurückschicken, ins Einkaufscenter fahren, und und und. Ist das zu viel verlangt?

Es ist zu viel verlangt. Ich erstelle eine to-do-Liste mit knapp 15 Punkten, markiere mir davon 6, und schaffe 3 1/2. Mir geht's besser ab dem Moment, in dem ich anfange, die Umstände zu akzeptieren. Erneutes winterliches Energiedefizit? Ist jetzt eben so; und war ja auch zu erwarten, wenn man die letzten Jahren betrachtet. Und solange es nicht zu einem erneuten winterlichen vom-Balkon-springen-wollen kommt, kann ich mit meiner Lage (sehr) gut umgehen. Es ist so viel besser als die Jahre zuvor. Nun heißt es Daumen drücken, dass das in den nächsten Wochen auch so bleibt.

Montag, 14. November 2022

traced in constellations

Diese Einleitung schreibe ich montags, am Ende. Ja, ich werde diesen Post gleich ins Internet stellen. Das hier sollte eigentlich ein Versuch sein, mich an die positiven Dinge zu erinnern, die in den letzten zwei Tage auch passiert sind. In der Hoffnung, dass es mir dadurch weniger schlecht geht. Hat aber nicht funktioniert. Und nun bin ich wieder zuhause von meinem Wochenendtrip, sollte eigentlich auf der Arbeit sein, weil's mir aber so geht wie's mir geht im Moment, habe ich mich heute Morgen krank gemeldet. Und damit hier kein Blut fließt, fließt halt gerade Alkohol. Kann man so machen. Sollte man vielleicht nicht. Da bin ich einfach mal mit Anlauf direkt in den Abgrund. Mal sehen, wann ich dieses Mal unten ankomme.

Samstag
In der Zoohandlung voller Faszination die Kaninchen beobachten. Sich vorstellen, eines dieser weichen, flauschigen Wesen auf dem Arm zu halten, wie damals Fee. Fast eine Keksdose mit einem dämlichen lustigen Elch darauf kaufen. Sich über den Sonnenschein freuen. An sie denken. Erdnusseis essen, das einzige, das momentan vom Weinen abhält. Unter "Sternen" schlafen. Nicht an den traurigen Zwilling im Briefumschlag denken. An sie denken; an sie denken, sie erinnert sich. Es hilft nicht. Es hilft nicht, und das ist die Wahrheit. Das hätte nie passieren dürfen. Ich bin hier noch immer sicher. Aber es gehört nicht mehr mir. Man hat es mir weg genommen; wieso wird mir immer alles (an Sicherheit) genommen?

(Das hier ist eine Erdnusseis-Pause. Ich bin in der Stimmung dazu, ihr ein Gedicht zu schreiben. Ich bin in der Stimmung dazu, einen Ozean zu weinen. Nachdem ich dieses verdammte Haus dann auch angezündet habe.)

Noch ein neuer Versuch: einen Spaziergang machen. Sich gedanklich auf die Schaukel beim Spielplatz setzen. (Das letzte Mal schaukeln ist nur ein paar Wochen her. War aber nicht auf einem Spielplatz, sondern in der Praxis. Das ist ein völlig anderes Feeling.) Weitergehen und sich erinnern: sie auf einem Spaziergang treffen. Es sieht so aus, als sei sie direkt aus der untergehenden Sonne gestiegen. Wir kennen uns gerade 6 Monate. Und gehen dann für eine ähnlich lange Zeit erstmal wieder getrennte Wege. 

Abwege jetzt; die Stunden zählen: etwa 24 vergangen, knapp 28 stehen noch aus. Und danach endet die Panik nicht; die schreckliche Vorstellung vom nächsten Mal lässt mich jetzt schon nicht mehr los. Aber ich muss ja, es muss sich doch eine Lösung finden lassen, eine, bei der ich nicht durch die halbe Weltgeschichte dissoziiere. Aber Trauma existiert in diesem Haus nicht. Ich meine: ich muss so tun, als sei ich in Ordnung, weil es keine Alternative gibt. Ich will hier einfach nur weg. Ich würde mich am liebsten in den nächsten Zug setzen, und noch lieber möchte ich zu ihr, aber das ist keine reelle Möglichkeit im Moment. In 6, 7, 8 Wochen vielleicht. 5, frühstens. Das ist gar nicht mehr so lange hin. Aber der Zustand hier ... ist unveränderbar. Und ich finde keine klaren Worte dafür. Ich finde keine Worte, die ich äußern kann einer anderen Person gegenüber. 

Nochmal das Steuer herumreißen: Schätze in der "kleinen" Post Rock Playlist finden. Darkfield, Maybeshewill, sleepmakeswaves. Ihr gefällt der Name. Ihr würde bestimmt auch gefallen, wenn ich ihr bei der nächsten Gelegenheit erzähle, wie gut es mir ging, vor dieser ... Notfallsituation. (Das müsste mich gar nicht so sehr betreffen; bzw. verurteile ich mich dafür, dass es mir im Moment so schlecht geht. Aber sie versteht das. Sie versteht, was das bedeutet.) Jetzt gleich noch irgendeine Art von Kraft (?) zusammen sammeln für die Pflichtveranstaltung; fast schon vergessen, aus welchem Grund ich hier bin. Kosten/Nutzen vorher schon kririsch, aber jetzt? Ist es das noch wert? Stecke in dem Kleid, das ich getragen habe, als ich sie das letzte Mal gesehen habe, und das macht es nicht unbedingt besser. So viel zu Steuer herumreißen. 


Sonntag
Nächster Tag, weiter im Text, Goldfäden im Kleid. Overdressed as always. Ab einem gewissen Alkoholpegel geht auch die Pflichtveranstaltung klar. Zuhause reden wir dann noch über eine Stunde. Dabei reden wir sonst nie. Erzähl mir davon sagt er und zum ersten Mal seit Jahren habe ich wieder das Gefühl, dass er sich für mein Leben interessiert. Dass er nicht wütend auf mich ist aus irgendeinem mir nicht begreiflichen Grund. Es fühlt sich jetzt weniger weg genommen an, obwohl ein Gespräch ja nichts an diesen Umständen ändert.

(Die Fotos, ich habe die Fotos vergessen; dass ich schon das erste Bild gesehen habe und dachte: Ich packe das nicht. Tue ich auch nicht, diese Geschichte wird maximal verdrängt. Diese unglaubliche Angst davor, dass am Ende nichts mehr übrig bleibt von ihr. Dass jede auch noch so kleine Spur ihrer Existenz irgendwann ausgelöscht sein wird. Ich weiß nicht, wie ich das ertragen soll.)

Minuten jetzt nur noch. Eine Lösung findet sich dieses Wochenende sicher nicht mehr. Denke, dass ich sie morgen dringend nochmal anrufen muss, um all die Dinge zu sagen, die ich am Donnerstag nicht aussprechen konnte, plus die, die in den drei Tagen seitdem noch dazu gekommen sind. Diese Bilder. Alles weiß und auf Hochglanz poliert. Keine Spuren einer Seele. Keine Spur mehr von i h r; nur noch ein Stein mit ihrem Namen drauf. Ich will bloß nach Hause und weinen, aber ich weiß nicht länger, wo dieser Ort sich befindet. (Wo dieser Ort sich befindet, wenn sie es nicht (mehr) ist. Ich. Weiß. Es. Nicht. Länger. Und das tut unbeschreiblich weh. Alles tut weh seit letztem Freitag.

Sonntag, 18. September 2022

it won't stop (please slow down, make it all slow down)

Das ist keine gute Idee denke ich mit Blick auf die Uhr. Ich tue es dann doch. In die Küche gehen und mir einen Gin Tonic machen. Um 15:45 Uhr. Fairerweise: zu jeder anderen Uhrzeit wäre das wahrscheinlich auch problematisch. Weil es lediglich aus Verzweiflung geschieht. Ich will gar keinen Gin Tonic. Ich will bloß ... raus aus diesem Zustand; raus aus meinem Kopf, mit seinen Gedanken, die so erdrückend sind. Eine ganze Weile war das Mittel der Wahl: Verdrängung. Aber das geht nicht länger. Jetzt muss ich Kontakt aufnehmen mit Menschen, meinen Aufenthalt planen, Zugverbindungen raussuchen, die mich im besten Falle nicht finanziell ruinieren. Wäre ich nicht so zerfressen von (sozialen) Ängsten, würde ich mich wahrscheinlich sogar auf die nächste Woche freuen. Stattdessen liegt sie vor mir wie ein kilometerhoher Berg, den es zu überwinden gilt, ohne geeignete Ausrüstung. Nicht mal auf Cheza kann ich mich richtig freuen, weil ich so abgefuckt bin im Moment, und ich eigentlich nicht will, dass sie mich in diesem Zustand sieht. Denn ich will ihr keine Angst machen; will nicht, dass sie sich schon wieder - oder: immer noch? - Sorgen um mich machen muss. Aber ich krieg's einfach nicht in den Griff. Und ich hasse mich dafür.

Make me into more than a goner
Perhaps a little bit stronger
Thicker skin, less needy
And maybe to not bruise so damn easily
But you can't
And I won't
Chloe Moriondo - Waves

Sonntag, 17. Juli 2022

deny me no longer

Mai 2022

...und ich will's in eine metapher schreiben, so wie sie mir von einem pflaster erzählt - ich kann mich fast sehen, wie ich es in den händen halte - aber es gibt keine metapher für den moment in dem sie mich ansieht mit ihrem ria-wir-müssen-reden-blick; es gibt keine metapher für: die* haben sie mir weg genommen, und ich fasse diese ungerechtigkeit nicht: wie kann es keine worte geben für etwas, das so himmelschreiend ungerecht ist? das ist die vorgehensweise all.der.leute um mich herum; erst wiegen sie mich in sicherheit und dann fallen sie mir in den rücken: aphelios, mein vater, immer und immer und immer wieder, soundso, meine damalige therapeutin - man sollte doch meinen, dass therapeuten ihren klienten nicht in den rücken fallen dürften - ich würde so etwas niemals tun - und nein, das ist nicht nur mein subjektives empfinden, das ist ein fakt, okay? es ist ein fakt, genauso so wie es eine tatsache ist, dass ich sie seit september zwei mal gesehen habe; fakt ist auch, dass das nicht reicht, und ich will nicht sagen, dass es "schon in ordnung" ist; ich will sagen, dass ich weiß, dass es nie reichen wird. es reicht nicht mehr seit sie in meinen träumen unaussprechliche dinge tut und der tag noch viel mehr unaussprechliches verbirgt, doch selbst die sonne verrät mich - ja, ich bin wütend, so als könnte sie etwas dafür, dass es unter ihr keinen platz gibt für uns, so als sei das ihre schuld. 

Freitag, 15. Juli 2022

i'll burn it all just to light your eyes

Dezember 2021

Ich laufe auf Socken durchs Treppenhaus. Kalt. Kälter. Hoffnungslos. Der Blick auf die Uhr anschließend verrät mir nicht, ob es an der Zeit ist, aufzugeben. Soll? Ich? Jetzt? Aufgeben?

/ / / 

Aufgeben gar nicht so verkehrt, wenn es nie hätte Hoffnung geben dürfen. Wieso sollte ich für meinen Trotz auch noch belohnt werden?

/ / / 

They force it in and you swallow
Black words and cheap goodbyes
I'll burn it all just to light your eyes

Bisschen aus dem Zusammenhang jetzt, aber: der Trotz mal wieder völlig deplatziert. Als würden die* sie als Schutzschild benutzen, trifft es immer nur sie, aber nie die Verantwortlichen. I'll burn it all - wenn ich mich nur auflehnen könnte. Kann ich aber nicht. Die* haben nicht mal mehr Namen, ich bin wahrscheinlich bloß als der "Störfaktor" bekannt und ich bin denen* so scheißegal, dass es mir noch immer - oder: wieder? - die
Sprache verschlägt. Genauso macht es mich sprachlos, dass sie noch immer - oder: wieder? - Worte dafür findet. Kann nicht glauben, dass die mich in einem sonderlich guten Licht dastehen lassen. Aber das kümmert mich ebenso wenig, wie die* mein Wohlergehen kümmert.

/ / / 

Wenn wir uns bloß befreien könnten; wenn diese Freiheit nicht auch gleichzeitig unser Ende wäre - und ich bete um ein paar letzte Momente Monate Jahre, überrascht davon, dass sie my sweet little libertine [muss es doppelt und dreifach durchstreichen weil darf nicht] es überhaupt so lange an einem Ort ausgehalten hat. Letztendlich spielt es auch gar keine Rolle, dass ich überall hingehen würde mit ihr. Nirgendwo auf dieser Welt gibt es einen Platz für uns.

I'll wet your dream of their ruin
My sweet little libertine
We'll fix it all with gasoline
Blue Stahli - Scrape (Acoustic)

Sonntag, 19. Juni 2022

you can try and help me // you could drown me gently

Azarion besteht darauf, mich Gd7H mitzunehmen, aber da ich dort eher Kanonenfutter bin als eine Unterstützung, ist es nicht weiter tragisch dass ich mich nach einer halben Stunde schon verabschiede. Ich schmeiße mich in die Klamotten, die es seit dem letzten Konzert irgendwie nicht zurück in den Kleiderschrank geschafft haben - ein Zeichen meiner Faulheit, der Auftritt von Russian Circles war schon vor vier Wochen - und dann drehe ich ein wenig durch, weil: mit der Kette und dem Lippenstift bin ich sicher overdressed, also Kette ab, trotzdem immer noch overdressed, Lippenstift wieder runter, irgendwas... fehlt; fünf Ketten später kommt auf dem Weg zur Bahn tatsächlich sowas wie Vorfreude auf. Die hält an bis zum Hauptbahnhof. Ich kann das nicht. Ich kann das einfach nicht. Ich rechne nach, dass das nun das siebte Mal ist, dass ich sowas tue und es folglich sehr wohl kann, aber ich.bin.alleine und muss will muss an einen Ort gehen, an dem sich viele Menschen aufhalten, ich -

Ich chille am Bahnhof, neben mir dreht sich ein wildfremder Typ einen Joint, in meiner Playlist noch 5 Songs, die höre ich jetzt, dann gehe ich weiter, ganz sicher, ich muss nur die Straße weiter runter, und dann auf der linken Seite -

Aber zuerst muss ich mir noch Vorwürfe machen: erst geht's mir nicht so gut weil... arbeiten ist anstrengend, I guess? und ich habe keine Energie, um in meiner Freizeit was zu unternehmen, dann macht die Arbeit mich nicht mehr ganz so fertig und ich gehe trotzdem nicht öfter raus, weil... Depressionen, I guess? und nun habe ich Pläne und stelle fest, dass die mein diffuses "Nicht gut gehen" natürlich nicht wegzaubern; stattdessen schlage ich mich mit diesen sozialen Ängsten Unsicherheiten herum, als sei ich keine Therapeutin und im Grunde sozial einigermaßen kompetent, sonst hätte man mich in der Ausbildung ausgesiebt, warum sitze ich jetzt also hier -

Ich sitze jetzt hier, neben mir raucht der wildfremde Typ seinen Joint, es ist keine Option, ihn zu fragen... vielleicht würde das ja meine Nerven beruhigen, sodass ich nicht mehr den überwältigenden Drang danach verspüre, zurück nach Hause zu flüchten fahren -

10 Minuten später hab ich's in die Location geschafft, innerlich panisch, trotzdem irgendwie dazu in der Lage, mit den Menschen an der Kartenkontrolle zu scherzen, von lauter Leuten umgeben, die gekleidet sind wie ich, von overdressed keine Spur. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Dann: Wartezeit dies das, Vorband undsoweiter, umbauen, Soundcheck, ihr kennt das. (Falls es euch bislang übrigens noch nicht klar geworden ist: bei diesem Eintrag handelt es sich um einen Post der Sorte "Qualitativ hochwertig" - nicht.) Die Band kommt auf die Bühne, die Leute rasten aus, ich ertrage den ersten Song mehr oder weniger schweigend, weil: keiner meiner Favoriten, und dann passiert das -

My heart is an empty vessel drifting out to sea
I try my best to be who you want me to be
You can try and help me 
You could drown me gently
You can tell me all of the things that I want you to say
Empathy Test - Empty Handed

You could drown me gently... Wahrscheinlich werde ich nie über diese Zeile hinweg kommen; wahrscheinlich werde ich immer (wieder) denken es sei besser gewesen, sie [Cheza] hätte mich sterben lassen. Verdammt, sie hätte mich einfach sterben lassen sollen... Hat sie aber nicht; genauso wie sie gehen könnte mit leeren Händen und es niemals tun wird, und der Gedanke daran macht mich so wütend, dass ich -

Aber das hier ist kein Ort um wütend zu sein, also reiße ich mich zusammen, zwei drei Songs Schonfrist vor krassen Gefühlen, und dann -

/ Everything, everything's twisted up and broken /

trifft -

/ Anything, anything - tell me you were joking /

Stop -

/ And I can't seem to look away /

mich -

/ I die a thousand times a day /

mit -

/ Let's analyse it all again /

voller -

/ Until we're ready to pretend we're fine /

Wucht. 

I'm not fcking f i n e. Deswegen Betonung auf "pretend" - aber das bin ich auch Leid; ich verstecke es immer und immer wieder, hinzu kommt dass ich so weit weg bin, und wenn ich sie dann anrufe, geht sie nicht ans Telefon; überhaupt liegt es an ihr, sie hat mich in diese Situation gebracht, vor 930 Tagen war ich das letzte Mal fine, wieso? hat? sie? mich? bloß? gehenlassen? (Das denke ich jetzt; gestern war ich zu gar keinem Gedanken mehr fähig, sondern wollte einfach nur schreien.) ... Ich will einfach nur schreien, vielleicht ist das hier doch ein Ort um wütend zu sein, ist es nicht gut wenn Musik Emotionen auslöst, wollen Künstler nicht genau das erreichen? Bloß gibt es keine Pause, um sich dieser Frage zu widmen; die ersten Töne von Bare My Soul werden gespielt, die Leute rasten komplett aus - "She's not feeling alone right now" sagt Isaac, der Sänger, verständnisvoll; die Zeit vergeht langsam und scheint doch rasend schnell zu verfliegen, bis er viele viele Songs später nach der zweiten Zugabe von der Bühne springt, über die Absperrung klettert, und die Frau vor mir in der ersten Reihe spontan in den Arm nimmt. Danach die Frau neben ihr, den Mann dahinter, und - mich, und alle anderen fühlen es, bei kaum einem anderen Konzert habe ich die Leute so eskalieren sehen, aber ich fühl's nicht. Irgendwas stimmt nicht mit mir, ich sollte es fühlen, aber -

Ich kann nicht. Ich fahre mit der Bahn zurück aufs "Dorf" und fühl's nicht, ich liege um 1 Uhr nachts auf dem Bett, die Ohren klingeln, die Füße tun vom Tanzen weh; d a s fühle ich, aber da müsste doch noch irgendetwas anderes sein, warum ist da nichts? Mir ist, als müsste ich einen Liter Gin trinken, dann würde ich immerhin... Aber das ist wohl eher weniger praktikabel. Ich mache das nie wieder; ich meine nicht auf Konzerte gehen, das tue ich in 10 Tagen wieder - ich meine das, was ich davon abgesehen das ganze fcking Wochenende getan habe. Wenn ich präsenter gewesen wäre, hätte dieses Gefühls...ding mich nie so aus dem Hinterhalt überfallen, weil es mir die übrige Woche von Migräne abgesehen doch gut ging? Keine Ahnung; wie kann ich jetzt kurz davor sein -

Aber ich kann unserer Treffen nicht absagen. Vielleicht ist es das, was mich so fertig macht: zu wissen, dass ich im Grunde keine Wahl habe. Denn es gibt nur zwei Gefühlseinstellungen - a) Es gegen nichts auf der Welt eintauschen zu wollen, und wenn das durch ist folgt b) "Mach dass es aufhört, bitte, ich will doch nur, dass es - "

If you only knew what you're doing to me 
Would you stop
Or would you just carry on
Empathy Test - Stop

Donnerstag, 14. April 2022

Telomeres [this is not goodbye V]

/ And we go beyond the farthest reaches... / Nur dass wir das nicht tun denke ich. Ich denke auch - und ich weiß nicht, woher dieser Gedanke kommt: wenn heute das letzte Mal wäre, das wir uns sehen, wäre das seltsam in Ordnung. Natürlich wäre das nicht s c h ö n; natürlich wäre das nicht das, was ich w i l l. Aber ich müsste nicht sterben, so wie ich es bislang geglaubt habe.

Ich brauche keinen Grund, um sie wiederzusehen, und trage doch einen in meiner Tasche. 

Welche Abzweigung auch immer wir genommen haben, um zu diesem Gesprächsthema zu gelangen - kann das bitte öfter passieren? Doch, jetzt wo ich nachdenke, weiß ich, dass ich es gewesen bin: mit einem "Ich glaube das schon" grätsche ich in ihre Erzählung, und schaffe es dann irgendwie, ihr wieder den Ball zuzuspielen, sodass ich meine Ansicht (erstmal) gar nicht erläutern muss, sondern ihr zuhören kann, wie sie mir von ihrem Glauben erzählt. Denn plötzlich habe ich ein wenig Angst, ihr davon zu berichten; es klingt schon absurd - aber wahrscheinlich klingen die meisten Antworten auf Fragen in Richtung Was kommt nach dem Tod? Haben wir mehr als ein Leben? Sind wir Teil von etwas Größerem? ein wenig... absurd. 

Sie beteuert, dass ich das Buch nicht zu Ende lesen muss, wenn es mir nicht gefällt. Aber um "gefallen" geht es mir gar nicht. Ich mag es, zu lesen, was sie gelesen hat. Mit meinen Augen über die selben Worte zu wandern, über die sie mit ihren Augen gewandert ist; mit meinen Fingern die selben Seiten umzublättern, die sie mit ihren Fingern umgeblättert hat.

Nach der "Was sie berührt, ist heilig" Devise müsste ich es auch sein.

Ich muss daran glauben. Auch daran, dass ein Stück Bewusstsein zurückbleibt. Wie sollen wir uns denn sonst wiederfinden? 

Within you is universal energy, the source of life, the unexplainable force that spins planets and fuels suns.

[Ich möchte über Dankbarkeit schreiben, aber es ist gerade so schwierig. Ich finde auch ihr gegenüber die richtigen Worte nicht, und überhaupt habe ich den Eindruck, dass "nur" Worte an dieser Stelle gar nicht ausreichen. Sie tut dann so, als sei das keine große Sache - als sei es keine große Sache, dass sie immer noch da ist für mich - und ich will doch nur, dass ihr bewusst ist, dass ich es zu schätzen weiß, dass sie bleibt. Weil mir klar ist, dass das nicht selbstverständlich ist; weil mir klar ist, dass sie jederzeit gehen könnte. Und je mehr Zeit vergeht, desto weniger nehme ich das Ganze als selbstverständlich an - man könnte ja auch meinen, dass so eine Art Gewöhnungseffekt eintritt - aber mit jedem Tag, jeder Woche, jedem Monat der vergeht erstaunt es mich mehr und mehr, sie immer noch an meiner Seite zu haben.]

Später. "Als ich vor einer Weile hier war, hast du erzählt, dass (...) und dann hast du gesagt: Die* waren nicht dabei. Die* wissen nicht, wie es sich anfühlt. Wie fühlt es sich an?" - "Richtig."

Vielleicht doch.

And we go beyond the farthest reaches
Where the light bends and wraps beneath us
And I know as you collapse into me
This is the start of something new
Sleep Token - Telomeres

Donnerstag, 10. März 2022

let me lay down in the earth and sleep, sleep // sleep it all away

[Triggerwarnung bzgl. Alkohol/Suizidalität]

"Eine meine besten Freundinnen ist eine der besten Psychologinnen, die ich kenne. Also nochmal: kann ich dir irgendwie helfen?" [Rell so.]

Ich möchte keine Hilfe. Ich möchte einfach bloß in Ruhe sterben, und ich bin wütend, weil das nicht geht. Rell lässt mich nicht. Cheza auch nicht. (Bei dem Gedanken an sie werde ich noch wütender. "Wenn es dir schlecht geht musst du mich anrufen" sagt sie. Und dann rufe ich sie tatsächlich an, weil ihre Stimme zu hören das einzige wäre, das mich davon abhalten würde, Gin direkt aus der Flasche zu trinken, und was passiert? Sie geht nicht ans Telefon.)

Ich entscheide mich dann doch dafür, Gin und Tonic Water aus einem Glas zu trinken. Als würde das einen Unterschied machen. Es darf bloß nicht wieder so eskalieren wie am Montag denke ich. Als könnte ich gerade noch irgendetwas in meinem Leben kontrollieren. Wobei ich mir einrede, dass das Trinken eine bewusste Entscheidung ist - ich will das tun; ich
b r a u c h e das. Ich muss mich vergessen lassen dass ich keine Sekunde länger hier sein möchte.

My feet won't carry me no more
My mind don't see reason to go on like this
I have a heart build for war
But I have never fought a fucking war like this

And right now I wanna die
When you put me in the ground go deep, deep, deep
If you aren't in my life
Let me lay down in the earth and sleep, sleep
Sleep it all away
King 810 - eyes

Sonntag, 6. März 2022

i'm still your favourite regret // you're still my weapon of choosing

Ich will über so viele Dinge schreiben. Ich will über Hände schreiben; will über meine Hände schreiben, die Fleur de Sel auf geschmolzene Zartbitterschokolade streuen. Und ich will über ihre Hände schreiben, über ihre Hände an meiner Taille. Ich will nicht gestehen wie oft ich daran denke. Keiner darf das wissen. Ich will darüber schreiben, dass ich noch immer die Farben auf meiner Zunge schmecken kann; himbeerrot, pistaziengrün - ich muss dazu nicht einmal die Augen schließen. Ich will beschreiben, wie aus rocky road die traurigste Schokolade der Welt wurde; meine Schuld ist das gewesen. Aber ich hab's einfach nicht über mich gebracht sie alleine zu essen. Ich will berichten - wenn auch widerwillig - dass ich Stunden brauche um mich aufzuraffen und dann doch die Wohnung aufräume; dass die Entscheidung, heute noch etwas "Vernünftiges" zu essen ein Kampf ist und ich will n i c h t berichten, sondern lieber verschweigen, dass ich am Ende fast in meinen Kartoffelbrei weine. (Im September ist mir das zuletzt passiert; damals war es Pflaumenkuchen und die Angst, in eine unbestimmte Zukunft aufzubrechen. Jetzt habe ich auch Angst, weil ich weiß, dass nichts von Dem Hier™ so schlimm ist wie's noch wird. Ich komme jetzt schon an meine Grenzen. Ich kann das einfach nicht.) Ich will erzählen, dass wahlweise Nothing But Thieves und/oder The Plot In You und/oder Sleep Token hier in einer Endlosschleife laufen, und Fleurie trotzdem in meinem Kopf singt. I loved, and I loved, and I lost you. (Dabei habe ich das gar nicht; ich weiß das, okay? Aber es hat sich so viel verändert, dass es sich doch so anfühlt.) Also Kopfhörer wieder aufsetzen, eine Playlist aussuchen und den musikalischen "Gegenangriff" starten. Ein paar Minuten später höre ich Vessel singen: I made loving you a blood sport I can't win. Ich weiß nicht ob das nun besser ist. 

And somewhere
Somewhere the atoms stopped fusing
I'm still your favourite regret
You're still my weapon of choosing
Sleep Token - Blood Sport

Sonntag, 27. Februar 2022

green light, red wine, and i don't feel fine

I crossed a line a life ago
I might be dead but I just don't know
I'm shutting down the Internet
Big shot hotel, I don't feel well
And I could use some healing soon
Before I lose all feeling soon
Nothing But Thieves - Phobia

"I'm better today" schreibe ich C. Dass das nicht der Fall ist, zeigt sich nur vier Minuten später, als ich wegen einer Kleinigkeit in Tränen ausbreche, und jetzt sitze ich hier mit einem Glas Wein. Dass es mir heute nicht besser geht, zeigt sich im Grunde schon vor zwei Stunden, als ich überlege, ihre Frage ehrlich zu beantworten.

"Let me tell you something. Today I went to the place that got me so exited whenever I was passing by on a train. So I drove fourty minutes, got off the subway and I just stood there, suddenly feeling extremely stupid; I felt like a goddamn fucking idiot. Because she's not here with me. Because I miss her so much. I finally went out by myself and I ended up hating every second of it. Sometimes I think I'm creating this feeling on purpose, but I just don't want to do this on my own. And yes, I'm lonely though I said I wouldn't be, because the only person in this city I know is doing drugs first thing in the morning and I can't deal with that. (Also he's sexist, but somehow I keep forgetting that, until he posts some picture in WhatsApp he thinks is funny, but it isn't, it's disgusting.) I can't meet someone new either - you know that I've tried, and you also know that I can't stop comparing them to her."

Aber. Nein. Anstelle der Wahrheit entscheide ich mich für "I'm better today, thanks. I just went for a little walk to clear my head." Ausgerechnet. Und sie hört.nicht.auf zu fragen; ich kann mit C. aber nicht über Cheza reden, weil sie nicht versteht. Weil i c h es nicht verständlich machen kann. Wie soll ich verständlich machen, was ich selbst nicht begreife? Ich will auch ihre Antworten nicht mehr hören; ich würde weder ein "You have to move on" noch ein "You know you should give up on her?" ertragen. Darauf kann ich nicht antworten "It's been almost a year since she told me (...) and I still can't imagine ending up with someone else."

Ich bin ein hoffnungsloser Fall. Aber da sind zwei Dinge so eng miteinander verflochten, dass ich sie nicht trennen kann. Ich will diese beiden Dinge, auch wenn ich weiß, dass nicht geht; auch wenn ich weiß, dass ich mich mit [Sache 1] zufrieden geben sollte. [Seit 20 Minuten starre ich nun auf den blinkenden Cursor. Ich weiß von hier nicht weiter; kenne den Weg nicht mehr, seit ich sie noch weiter zurückgelassen habe vor einem halben Jahr. Zwar tue ich so, als wüsste ich wohin, aber im Grunde mache ich mir etwas vor. Ich habe keinen blassen Schimmer.]

/ / / / /

Übrigens: diesen - und auch schon den letzten Beitrag - schreibe ich mit einem schlechten Gewissen. Meine Probleme erscheinen so unwesentlich angesichts dessen, was gerade in der Welt passiert. Natürlich befasse ich mich damit. Das hat hier aber keinen Platz. Ich will bloß nicht komplett darüber hinweg gehen, so als sei mir nicht bewusst, dass ich eine ganze Reihe von Privilegien genieße. Oh, und falls sich das jemand gefragt hat: am Dienstag werde ich meiner Chefin erzählen, dass ich nicht möchte, dass der Patient von Freitag auch nur einen Fuß in meinen Therapieraum setzt. Es gibt Grenzen.

Freitag, 25. Februar 2022

Is everybody going crazy?

I just wanna go blur the line
And leave our afflictions behind
The sky is coming down
I know it's strange
But heaven's a mindset away

Yeah, everybody's going crazy
Can't get through to you lately
We're so hopelessly faded
Is anyone else feeling lonely?
It just can't be me only
Losing our cool so slowly

Nach Wochen schaffe ich es, auf Kaisers Nachricht zu antworten. Möchtest du darüber reden was gerade bei dir los ist? Eigentlich nicht; eigentlich möchte ich nur schreien. Ich beantworte seine Frage dann doch mit Worten. Erst geht es um die Polizeigeschichte - ich bin minimal paranoid (?) und zweifle an der Menschheit seitdem, mehr noch als vorher - und nun, zwei Wochen später, zu einem Zeitpunkt, zu dem ich gerade wieder beginne klarzukommen, dreht der nächste Mensch durch: (m)ein Patient wird der Lieblingskollegin gegenüber auf dem Flur ausfallend, bezeichnet (ihrer Schilderung nach) den Krieg in der Ukraine als "ethnische Säuberung" und stürmt wutentbrannt aus der Praxis. Aus mehreren Gründen bewegt er sich sowieso schon auf dünnem Eis, aber die Aktion bringt das Fass zum Überlaufen. (Da er den xten Termin in Folge nicht wahrgenommen hat, darf er sich sowieso bald eine andere Praxis suchen. Da wir... Pläne haben, m u s s er sich sowieso bald eine andere Praxis suchen.)

Da wir... Pläne haben, überbringe ich derzeit haufenweise ungünstige Nachrichten. Ich habe ein schlechtes Gewissen deswegen. Ich übernehme Verantwortung für Dinge, die sich im Grunde meines Einflusses entziehen. Und auch das Gegenteil: ich sitze dann da, mir ist bewusst dass das die Gelegenheit wäre, etwas zu reißen, aber ich entscheide mich fürs Nichtstun; es ist mir so unendlich egal. Ich bin müde und Kilometer weit entfernt von allen Dingen, aber ohne die Abgestumpftheit würde ich den Verstand verlieren. Ich bin müde; selbst meine Augenringe haben Augenringe. Abends schneide ich dann mit einer Klinge aus Worten kleine Stückchen aus meinem Herzen. Ich wünschte, ich könnte mein Blut sehen. Ich wünschte, dieser Schmerz wäre nicht das einzig Echte in meinem Leben; ich wünschte, ich könnte ein wenig Zeit stehlen, aber es ist Freitag, 23:25 Uhr und sie hat noch nie weniger mir gehört als in diesem Augenblick.

It would feel so good to steal some time
It would feel so good to make you mine
Nothing But Thieves - Is everybody going crazy?

Samstag, 19. Februar 2022

i wanna live outside of all of this

I keep calling, keep hauling, keep calling them back
I can't stand, can't stand, can't stand this attack
This neuron buzz is on another level
I'm on thin ice, I'm dancing with the devil

"Ich habe jetzt schon Bauchschmerzen deswegen." ... "Das macht mich so traurig." ... "Ihr seht so glücklich aus." CC, die Katze ist im Haus. Da kann ich nicht mit einem Gesicht wie drei Tage Regenwetter durch die Gegend laufen. Das geht doch nicht. // Ich stehe mit der Tasse in meiner Hand in Rells Tür. "Dein Kaffee wird kalt." Sie sieht mich an als wollte sie sagen "Ria, du bist zu gut für diese Welt." Sie tut es nicht. Macht auch keinen Unterschied. Ich habe gelernt, kein Wort aus ihrem Mund zu glauben.  // "Wie viele [Tropfen] hast du genommen?" "Zwanzig." "Gut. Ich muss da ein Auge drauf haben." // "Ich will Ihnen das eigentlich nicht sagen. Ich würde es schade finden, wenn Sie mir abhanden kommen." ... "Das ist von hier nochmal eine halbe Stunde. Das wäre zeitökonomisch nicht... sinnvoll." ... "Ich laufe Ihnen überall hin nach." Hätte sie nicht sagen sollen; das hätte sie nicht sagen sollen. Wer sagt denn sowas? // Wir kommen zu dem Schluss, dass wir gar nicht mehr so lange brauchen. "Naja, vielleicht habe ich ja noch einen Unfall." Mir fällt keine passende Erwiderung ein; ich bin so müde. (Abgesehen davon kann man den Grund, aus dem sie bei mir ist, nicht als "Unfall" bezeichnen. Aber gut.) // "Fahrt ihr schon mal runter. Ich brauche noch ein bisschen." Ich möchte nicht, dass sie noch ein bisschen braucht. Wenn sie noch ein bisschen braucht, brauche ich auch noch ein bisschen. Gerade als ich beschließe, dass mir das doch zu blöd ist - // [Irgendein Satz aus ihrem Mund, der das Wort "Bindung" enthält.] Damit es dann meine Schuld ist, wenn nichts daraus wird, oder was? Ich bleibe dabei: k e i n e r tut so etwas, Bindung hin oder her. // "Ich laufe Ihnen überall hin nach." Ich frage mich, ob es bloß der Wortlaut ist, der mich stört, oder auch die Bedeutung dahinter. Ich frage mich, ob sie das zu [Name] auch sagen würde. Ich hoffe, dass sie das zu [Name] auch sagen würde. // Sie benutzt keine Worte, sondern wirft mir übertrieben-bedeutungsvolle Blicke zu. Ich sitze da und übe mich in Zurückhaltung. Nicht, dass es dazu nicht längst schon zu spät wäre. Es ist einfach viel zu schnell auf eine Bahn geraten, die für uns nicht... befahrbar ist. "Das ist absolut nicht mein Problem."  // Ich weiß nicht, wie. Ich weiß auch nicht genau, was ich meine, beenden zu müssen. Weiß bloß dass ich nicht zulassen kann, dass es unnötig weh tut am Ende. // (Habe mich übrigens mit Absicht dazu entschieden, keine Absätze zu verwenden. In meinem Kopf ist es schließlich auch ein unübersichtliches Durcheinander. Und nicht nur da drinnen - die Wohnung ist auch ein Chaos. Bloß bin ich müde, viel zu müde. Ich möchte doch nur für ein Weilchen außerhalb meines Kopfes leben. Ginge das?)

Patiently, madness waits in line
In the reception room of my mind
Waiting for the door to be left
Unattended and open for an unwanted guest
And it's so busy I'd be surprised if I even noticed
Enter Shikari - Live Outside

Sonntag, 13. Februar 2022

can you fix me? i've fallen into the palm of your hand

[working title: der throw des jahres / Post größtenteils gestern Nachmittag/Abend geschrieben und gerade in die Abschlussversion gebracht / Triggerwarnung bzgl. Alkohol]

Das hier wird kein geordneter Post. Dazu bin ich schon zu betrunken. Die meisten Menschen trinken hin und wieder Alkohol, nicht? Wahrscheinlich. Bloß tun es wohl die wenigsten an einem Samstag um 16:30 Uhr, haben den ganzen Tag lang nichts gegessen, und nehmen gleichzeitig Tabletten. Fair. 

Erst habe ich nicht gewusst, warum. Warum ich den Drang verspüre, mich zu betrinken. Ich habe versucht, dagegen zu lenken - ich bin 

Weiß nicht mehr wie ich diesen Satz beenden wollte. Wahrscheinlich mit einem Mimimi nach dem Motto Ich arbeite in einem Therapieberuf. Ich muss mein Leben im Griff haben. Aber guess what? Ich bin nicht n u r Therapeutin. Das bin ich vielleicht 30 Stunden in der Woche. Die restliche Zeit ist mein Leben ein Chaos. Immer noch. Noch immer. Dabei sah es so gut aus für mich. Selbst die Neuigkeiten Mitte der Woche haben es nicht geschafft, mir den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Dachte ich. Bis ich vorgestern weinend auf meiner Yogamatte saß und mit der Zukunftsperspektive nicht zurecht gekommen bin. 

Und nun will ich einfach bloß vergessen. Auch wenn mir bewusst ist, dass mein Verhalten gerade in die Kategorie "Emotionsflucht" fällt und ich das nicht mehr tun wollte. Ich meine - ich war sogar gut zu mir. 41 Tage lang. Aber nun kann ich (das) nicht mehr. Nicht, dass es sich falsch angefühlt hätte. Aber es ist fremd. Und ich brauche etwas, das vertraut ist; so weit weg von Zuhause. "Wenn es dir so schlecht geht musst du mich anrufen" sagt sie. Es gibt nur einen f*cking Fehler in diesem Plan.

Anyway. Ich möchte also vergessen. Möchte vergessen, dass ich solche Sehnsucht habe nach Schmerzen. Ich wünschte ich könnte mir weh tun. Ich wünschte... Ich wünschte sie würde... Möchte vergessen, dass ich an meine Essstörung zurückdenke, so als hätte sie mich nicht fast umgebracht. Möchte vergessen, dass mein Körper mir wie eine Last erscheint. Möchte die Vorstellung vom Fallen vergessen. Möchte Rell vergessen und die Tatsache, dass es bald keine Tanz-Tage mehr gibt. Möchte jeden ihrer Sätze vergessen in dem das Wort "Tochter" vorkommt. Möchte vergessen, dass ich niemals wissen werde wie es ist, eine Mutter zu haben. Eine, die sich kümmert. Eine, die da ist. Eine richtige Mutter.

Ich möchte die Eifersucht vergessen; möchte das F a l l e n vergessen und die Angst, dass es mit Absicht geschieht. (Can you fix me? I've fallen into the palm of your hand.) Möchte vergessen, dass ich eine neue Liste schreiben könnte mit Sätzen, die ich nicht aus meinem Kopf bekomme. Dieses Mal nicht aus Chezas, sondern aus Rells Mund. Möchte vergessen, dass es eine Patientin gibt, die meine Überzeugung stärkt, dass gerade Therapeuten einen Therapeuten brauchen. "Möchten Sie eine Geschichte aus meinem überaus leidvollen Leben hören?" - "Sehr gerne." Möchte vergessen; ich möchte all das vergessen. [Möchte auch vergessen, dass ich es wieder tun würde. A little... more... Fallen. Sätze sammeln. Vergessen. Fallen. Sätze sammeln. Vergessen. Fallen. Sätze sammeln. Verg- ]

Over again / (All we ever had is ashes now)
Tied to the end / (Like a ribbon that keeps turning round)
Full of regret / (For all the sentiments we never found)
Toes on the edge / Falling in outside your world
Arcane Roots - Solemn