Freitag, 2. Oktober 2026

in lieu of flowers

is there a soul beyond the words
at the place that always hurts
scratch the walls until they bleed
then cover them in foreign meat

foreign colours passing by
at the funeral of I
can you will them all away?
fuck them fading, i won't stay

'cause i'm a person without you
and i was fooled by dreams untrue
paint the room in gold instead
but keep you hidden in my head

keep you hidden in my heart
'til the time has come to start
say goodbye to reverie
you and i can't see to see

Samstag, 26. September 2026

sarah's gone in the afternoons

does the staircase have to end
why can't i just be your friend
instead of sneaking through the door
like a thousand times before

a thousand times, I trusted you
a thousand times, the sky in view
but paradise does not exist,
the way is lost, lost in the mist

the mist that's seeping from your eyes
tell me, please, i'd pay the price
for a time that's marked - a thousand and one
but if she finds out, then we are done

Donnerstag, 24. September 2026

of lock and key

I am the warden, I am the key
The prison is inside of me
My inner voice still calls your name
I took the fall, but you're to blame

The world's ablaze behind the door
With honey-light; I'm on the floor
'Cause it's so lovely when I drown
You told me, then removed your crown

To eat all the silver, eat all the gold
Devour the secrets that I sold
For a taste of freedom, but never to last
Because violet now only exists in my past

The future looks blurry and I can't see
The lock that's supposed to set me free
So I remain inside of your garden
Still I am the key, still I am the warden

Mittwoch, 23. September 2026

L'Adieu

 I. Die Ausstellung ist [...] Zeitverschwendung.

Wirklich. Man muss das schon erklärt bekommen, sonst versteht man nichts davon. Da sind nicht einfach Bilder drin, oder Skulpturen, und man denkt sich: ah, hübsch. Oder wahlweise: das hätte ja meine Katze besser malen können. 

Natürlich gibt's nen Audioguide, den müssen Sie nicht mal bezahlen, der ist gratis. Der ist allerdings auch verfasst von einer Person, die nicht bekannt ist mit Kohärenz. Also: nicht hilfreich.

(Die Snacks sind auch gratis. Ich meine: der Snack. Es gibt Popcorn - das ist süß UND salzig, gleichzeitig, gemischt, und wenn Sie möchten, kann das gerne eine Metapher sein für das Leben. Es ist aber eigentlich nur, wie ich Popcorn esse.)

An der Garderobe ist kein Platz. Da hängt genau eine Jacke. Hunderte Haken sind noch frei. Aber nein, Sie können Ihre Jacke nicht mit dazu hängen - diese Jacke dort hat die Farbe von Sonnenblumen und ist ein bisschen flauschig; es ist eine Drinnen-Jacke, keine Draußen-Jacke. [...] (Außerdem ist da keiner, der Ihre Jacke entgegennehmen würde. Aber irgendjemand m u s s dort gewesen sein; da steht ein Teller mit Kuchen, Kirschkuchen, genauer gesagt, der ist halb aufgegessen - ganz bestimmt ist das auch eine Metapher, darüber, wie ich Dinge nie zu Ende bringen kann.) Ach ja, daneben haben wir ein Geschenk, das eingepackt ist in dunkelblaues Papier. 

Die Garderobe ist Ausstellungsstück A; ich nenne es: Komplementärkontrast. Gehen Sie durch die Tür daneben, hängen in dem Raum überall diese Tauben, die Picasso gemalt hat, und da sind Personen, die diese ganz andächtig betrachten, so mit auf den Rücken verschränkten Armen. Jede dieser Personen hat eine Maske auf. Es ist ein bisschen creepy, aber Sie müssen da leider durch, durch die nächste Tür, dahinter ist's ein bisschen wie im Planetarium, suchen Sie sich nen Sessel aus, lehnen Sie sich zurück, Sie sehen: das Regengestirn, den Aldebaran, die Plejaden - der ganze Himmel ist voll davon, Sie sehen nichts anderes. Sie hören: Constellations von Enter Shikari. Sie möchten nie wieder raus gehen. 

Sie können gerne noch bleiben. Aber nicht länger als 18 Uhr. Sie verlassen den Raum durch einen Windfang, der vorher nicht da war, und - hey, wie gut, dass Sie Ihre Jacke noch
tragen - ein kleines Stückchen geht's draußen durch den Garten. Der Garten ist wunderschön. Der Garten stirbt, schließlich ist es Dezember. Sie schauen trotzdem hin. Aber nur, weil Sie es nicht ertragen, [Cheza] anzuschauen. (Sie ist noch schöner. Als der Garten. Und alles, was da blühen würde, wäre es Frühling, oder Sommer, oder meinetwegen auch Herbst - da blühen dann Dahlien, und das sind meine Lieblingsblumen, und ich mag [ausgeklammert weil wegen Internet] nicht mal besonders gerne, aber -

Aber wie soll ich das in Worte fassen? Wie ich an [Cheza] denke, und an ihre Haare, ihre Augen, ihre Hände - ganz so, als sei ich, ja, vollkommen übergeschnappt, aber keine Angst, das müssen Sie nicht verbalisieren. Es reicht, wenn Sie sich eine Notiz dazu machen. Notieren Sie sich: Gehirnwäsche, denn wie könnte ich sonst? [...]

Wohin möchten Sie als Nächstes? Oh, d i e Tür da? Die siehst so anders auch, nicht wahr? Da gehen Sie durch, und dann noch durch sechs weitere, aber eigentlich können Sie sich den Weg sparen. Die letzte Tür wird verschlossen sein. Auf dem Schild daneben steht lediglich: Freitag. Ja, ich meine, Sie könnten durchs Schlüsselloch schauen. Aber ich weiß nicht so genau, was Sie dann sehen würden. Vermutlich steht die Welt dahinter in Flammen. Vermutlich ist das besser.

Also, machen Sie sich die Mühe besser gar nicht. Wir könnten hinauf gehen, in den ersten Stock. In den Raum, in dem immer die Sonne untergeht. Dort könnten Sie sich dann setzen, und eine Tasse Tee trinken. Dabei gibt es nur eine Regel: Sie müssen den Henkel so fest umklammern, dass Ihre Fingerknöchel weiß hervortreten - kriegen Sie das hin? Besser noch, wenn Sie die Zähne aufeinander beißen, sodass Sie's im ganzen Kiefer spüren, denn auf gar keinen Fall dürfen Sie den Mund öffnen, denn dann würden Sie etwas sagen, dass Sie garantiert bereuen werden. Nein, Sie haben Recht, Sie werden diesen Tee nicht wirklich trinken, der ist eher eine Art Requisite - ich hoffe, Sie sind nicht allzu sehr enttäuscht. Um unbefangen eine Tasse Tee zu trinken, braucht es ein Paralleluniversum - nach den ersten Schlucken gestehen Sie [Cheza] dann aber auch Ihre Gefühle, und wahrscheinlich ist es dann schon vorbei mit der Unbefangenheit. 

Wir gehen besser wieder, was? Schauen Sie, hier, in diesem Zimmer, hängen die Wände voll mit Buchseiten. Im Nachbarraum sind die Bilder untergebracht, die ich für [Cheza] gemalt habe. Im Zimmer daneben - ja, das sieht verdächtig nach einigen meiner Tattoos aus, das haben Sie gut erkannt. Hier sehen Sie Sterne, und noch mehr Sterne, einen Dolch, eine Briefmarke, und über dem Ausgang steht: et souviens-toi que je t'attends. Nein, das kann ich Ihnen nicht übersetzen, das wäre völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Ich glaube, für französische Gedichte, die vor mehr als 100 Jahren entstanden sind, gibt es hier irgendwo auch einen eigenen Raum. 

Lassen Sie mich gerade einmal auf den Plan schauen? Ah, wie habe ich d a s vergessen können: kommen Sie mal mit um die Ecke, hier finden Sie eines meiner Lieblings-Ausstellungsstücke. Ja, ich weiß, das ist ein Beet; Sie müssen die Osterglocken noch pflücken und dann in die kleine blaue Tasse da stellen, dann ist es fertig. Wenn Sie möchten, nehmen Sie danach einen von den Blaubeer-Muffins - da sind allerdings Mandeln drin; sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. 

Zum krönenden Abschluss präsentiere ich Ihnen: mein Wohnzimmer. Bleiben Sie bitte einmal genau h i e r stehen - Sie müssen bloß aufpassen, dass Sie nicht gegen die Bücherstapel stoßen, und ich setze mich schnell da rüber und lese Ihnen folgenden Text vor: [...]

xxxxx

II. Auszug aus einem Textgebilde, das fast eine Mail an meinen Therapeuten geworden wäre, haha. Ich würde euch viel Spaß wünschen, aber ihr seid mit dem Lesen ja schon fertig, also wünsche ich viel Spaß gehabt zu haben, falls Syntax es mir erlaubt. (Ich hab das noch kommentieren wollen, das ganze Gebilde, aber das lief dezent aus dem Ruder, jetzt bin ich zu müde, und überhaupt machen es mehr Worte an der Stelle wahrscheinlich auch nicht besser, also bleibt das jetzt so. Falls ihr wider Erwarten noch mehr wissen möchtet, müsst ihr euch doch den Audioguide runterladen. Ich verbleibe: mit vielen Grüßen aus meinem Museum.)

Dienstag, 15. September 2026

alveola

lungs full of colour, still breathing
you hide inside the capillaries
teeth sharp as diamonds, eyes like tourmaline,
clutching your own strings

oh, it's beautiful you're so aware
too bad i can't have a dance with you
not as long as your dress is
still stained with blood

yes, and this firebrand will leave a mark, too
please hand over your licence and vacate the perimeter
don't worry, we will meet again just outside
this time, i have brought my carving knife

i heard someone is in need of a spine.

Montag, 14. September 2026

pleiades

i abandoned control somewhere between ice-cold clouds
came back just to disappear without a trace
afraid that silver-eyed demons might have spoken the truth:
there's nothing left underneath the violence - the only beauty lies in decay

for years, i answered in blood, til i forgot the question
i created an image, ate all my feelings, a slave of a love-infected heart
tried to drown out the voices, still sharing a bed with ghosts of the past

walked with selene hand in hand, but never in daylight;
the vampiric assassin of my own better life
crumbled city walls between the tips of my fingers
fought a knight in fcking shining armor,
then stepped outside, the destruction

to choose the moon instead of a brain,
cause where the hell had thinking ever led me
chose the stars for eyes, so i could see her in heaven
never found a cure for love, never will

Freitag, 11. September 2026

anti/gravity

I. Der Atlantik ist mitternachtsblau und bricht sich in türkisen Wellen an den Klippen. Weiße Gischt sitzt wie eine Krone auf den dunklen Kämmen. Ich denke (trotzdem) an Deine (grünen) Augen. Paradox ist meine Normalität.

Und ich habe aufgehört, die Strichliste zu führen - schon bevor ich überhaupt angefangen hatte. Im Kopf bin ich bis fünf gekommen, vielleicht, dann dachte ich nur: fck my life. Und hab es akzeptiert; fühle mich deswegen nicht schuldig. Ich wünschte niemanden weg. Ich würde auch nicht tauschen wollen. Ein Zuhause habe ich in einem anderen Leben. In diesem bin ich ohne Dich glücklich, irgendwann.

II. (Aber das stimmt nicht. Ich würde, wenn ich könnte. Immer. Nur manchmal zögere ich.)

III. "Ich bin wegen Dir hier" denke ich. Hier, irgendwo auf dem Atlantik, bin in Morro Jable auf ein Boot gestiegen. Hier: überhaupt noch irgendwo auf dieser Welt. Bin ich nur noch wegen Dir. Und Du? Bist nicht mehr da, und ich kann's Dir nicht erzählen: dass ich gar nicht seekrank geworden bin, heute schon weiße Dünen, tiefblauen Ozean, und darin sogar Delfine gesehen habe. Kurz danach war ich kurz davor zu beschließen, dass Du tot bist. Weil die Geschichte sich so einfacher erzählen ließe; ich nichts für das Ende könnte. Aber ich will nichts mehr, als dass es Dir gut geht. Also hoffe ich, dass das so in Ordnung ist für Dich. Falls nicht: you know where. *

IV. Das Meer ist irgendwo unter einer Wolkendecke verschwunden. Ich starre auf die Innenverkleidung des Flugzeuges, die in einem lebensbejahenden Grau gestaltet ist, und denke trotzdem an Dich. Ich werde in meinem Leben wohl nie in ein Flugzeug steigen können, ohne daran zu denken, wie Du mir erzählt hast, dass Du überlegt hattest, Stewardess zu werden. Also sitze ich da, umgeben von Grau und Fremdheit, und stelle mir vor, wie Du wohl aussehen würdest in weißer Bluse und schwarzem Blazer, mit Zopf und Halstuch. 

V. Was tue ich denn eigentlich hier. FCK. 

VI. Und ich bin wegen Dir hier; auch wenn ich hier bin mit nem Kopf voller Gedanken, die vielleicht falsch sind, weil ich sitze hier neben Kätzchen, und wtf am I doing. Wenn Trauer bloß Liebe ist, die nirgendwo mehr hingehen kann, werde ich niemals aufhören damit. Ich wüsste nicht, wie - und ich wüsste nicht, ob ich wollte. Vielleicht, wenn ich Dich irgendwann aus mir heraus gesprochen habe, in winzig kleinen Stückchen, dann. Vielleicht höre ich dann auf mich so zu fühlen, als sei ich auf der Suche nach etwas, von dem ich weiß, dass ich es sowieso nie finden kann, weil es nur in meiner Vergangenheit existiert. 

* If you wanna break free, you know where to find me
If you wanna break free, you know where, you know where
Starset - Antigravity

Donnerstag, 27. August 2026

re: double feature

she is not the architect; she's the architecture
she's in the walls, the ceiling, the basement - and she is not alone
you are there - not the architect, either;
this is not a place to create, you are but allowed to admire

you are there, frozen, you can't get any closer -
try to leave, but you won't be able to open all these doors
that's what she does - she likes you best when you're like a ghost:
transparent, only she can see you,
and every time she looks away, you just cease to exist
your future. is viole(n)t. or nothing at all.

and you don't know it yet -
even if you did, it wouldn't make a fucking difference,
cause you don't get to choose -
but nothing would be better than rotting away in this prison, forever.

Montag, 17. August 2026

Nimmersatt

Indigo - Arcane Roots
Broken - The Haunted Youth
Rescue Me - Thirty Seconds To Mars
Rain - Sleep Token
It's All So Incredibly Loud - Glass Animals
Au Revoir - One Republic
More Than You Know - Axwell /\ Ingrosso
Exoskeleton - VANT

Wir haben nie wieder über das Buch gesprochen. Weil ich den Teil so gerne vergessen wollte. Und vielleicht kann man die Entscheidung rückgängig machen - ganz gewiss kann man das, aber das heißt nicht, dass ich auch meine Gefühle ungefühlt machen kann. Miserabel habe ich mich gefühlt. Und dann dachte ich, dass das wieder in Ordnung kommt. Und jetzt?

Ich hänge an Dir. Aber ich häng' an nem seidenen Faden. Mit Händen, geschickt genug, sich nen Strick draus zu drehen. Aber das realisierst Du auch nicht. Wie auch. Du realisierst ja auch nicht, wen Du da eigentlich an Deiner Seite hast. Oder es ist Dir schlichtweg egal? Oder. Soll das so sein? Wasauchimmer: es frisst meine Energie wie eine nimmersatte Raupe. Könnten wir aufhören, bitte? Vielleicht kriegen wir's nicht ungefühlt, aber für den Anfang trennen wir die Seite mit den Songs einfach raus, und wenn wir dann auch noch mein Herz flicken, damit es nicht mehr so viele Löcher hat, musst Du niemals wieder zuhören. Oder ist es das, was noch helfen kann an diesem Punkt: Worte? Ich weiß es nicht. Denn was weiß ich schon?

Mittwoch, 5. August 2026

devise: kleinholz

I. ich hab ein halbes jahr - gegeben, ohne zu zögern; ich meine, ich habe gewartet, und erstmal gar nichts beurteilt, weil sie das weiß gott verdient hatte nachdem da so viel eingestürzt ist, aber statt das zu reparieren, wird das andere stuhlbein auch noch angesägt, und an dem punkt dachte ich mir so, mit all der eloquenz, die ich aufbringen konnte: hä?

im märz hab ich der gesamtsituation dann ein gewand geschneidert aus euphemismen, aber hätte, hätte, hätte - ich das mal so dargestellt, wie's wirklich war, nämlich belastend, dann - ach komm, was soll das, glaubt doch keiner ernsthaft, dass das einen unterschied gemacht hätte. also hab ich die frist in die verlängerung geschickt. weil ich an etwas geglaubt habe.

besser: weil ich an jemanden geglaubt habe. tja, und dieser jemand hat jetzt nen beil in der hand, also, so rein gefühlsmäßig, und zertrümmert damit fröhlich den, ich weiß nicht, esstisch. es wird sich nicht mehr zufrieden gegeben mit stuhlbein-gesäge. ähm, ich dachte, wir wären gerade dabei, etwas aufzubauen? hab ich da was falsch verstanden? warum genau wird unser mobiliar gerade zu kleinholz zertrümmert? von d i r? was? soll? das?

kann ich dich nicht fragen, fck, weil du beschäftigt bist mit: keine zeit haben, für mich. ja, und nun. muss ich vielleicht langsam mal beurteilen. ob der zeitpunkt gekommen ist, meine zelte abzubrechen. 

II. ich schreib das. als würde ich die antwort nicht schon kennen. 

III. aber schreiben kann man viel. und gedanken mache ich mir noch mehr. bloß ist das nicht mein kopf, der die entscheidung trifft - der hat absolut kein mitspracherecht, zumindest nicht in diesem fall. mein herz entscheidet. sich zur not auch für ruinen.

Dienstag, 14. Juli 2026

brücke, schwarz/weiß

"Regen ist sanft" sagst Du, und sanft schaust Du mich an, und ich weiß, ich könnte Dir jedes Geheimnis der Welt offenbaren, und mich in sämtlichen Farben zeichnen, Du würdest mich immer erkennen. Ich brauche Dich. Ohne Dich finde ich mich nicht zurecht in dem hier: muss wohl mein Leben sein, aber viel öfter kommt es mir vor wie ein Theaterstück, für das ich den Text nicht gelernt habe, oder eine Veranstaltung in einem Zirkus - die gerade aus dem Ruder läuft, aber ganz gewaltig. Aber nicht jetzt, nicht hier. Nicht mit Dir: Du fragst mich, wie spät es gerade ist - Du trägst keine Armbanduhr, und Dein Handy liegt auf dem Küchentisch, so wie immer - weil Du wissen willst, ob die Zeit reicht, um noch eine zu rauchen. Ich sehe zu, wie Du Deine Zigarette aus einem silbernen Etui holst, und genieße es, einfach einen Moment länger neben Dir sitzen zu können, und nichts zu tun. Du bist die Brücke.

Ich zeichne sie in schwarz/weiß, zu Anfang, weil ich keine anderen Farben auf meiner Palette habe. Und Du sagst zwar immer, dass Du schlecht in Kunst bist, aber ich lerne trotzdem dann von Dir, was Gelb ist, und wie ich damit die Sonne malen kann. Der Rest des Himmels bleibt Grün; manches in meinem Universum ist unabänderlich.

So wie: steh ich im Scheinwerferlicht, nimmst Du mich zur Seite, kurz bevor das Auto mich erwischen kann. Du hältst mich auch nicht für dumm, weil ich nicht wusste, dass man nicht mitten auf der Straße steht. Sondern Du zeigst mir, wo ich mich stattdessen hinstellen kann, das nächste Mal. Dauert vielleicht eine Weile, bis ich kapiere, aber Du bist seltsam geduldig, auch wenn ich Dich mal wieder am Telefon voll heule. Dauert eine Weile, bis ich kapiere: Du möchtest nicht, dass ich als ein Stück plattgefahrenes Etwas auf dem Asphalt ende, und so nach fünf Jahren habe ich auch endlich aufgehört mich zu fragen Warum. 

Warum ich jetzt das Gefühl habe, ich würde Dich verlieren, möchte ich bloß wissen. Sag mir, wenn die Brücke einstürzt, bitte? Damit ich mich in Sicherheit bringen kann, vorher. Damit ich den Ort finden kann, der vielleicht nicht existiert: ohne Dich. 

Sonntag, 12. Juli 2026

zu spät für kirschen

ich hab ihr eine postkarte geschrieben, wieder, und ihr ein buch zum geburtstag geschenkt, das erste mal. ich würde ihr auch kirschen kaufen - sie liebt kirschen - dienstag vormittags, auf dem markt, wäre sie nicht in den urlaub gefahren. wenn sie zurück kommt, hat ihre liebste kirschensorte nicht mehr saison. dann müsste ich august-kirschen kaufen, und das, wo sie die mitte-juli-kirschen doch viel lieber mag. ob k e i n e kirschen dann besser wären als august-kirschen? ich weiß nicht genau. weiß nur, dass mein herz bisschen dumm ist. stehe unten vor dem fahrstuhl, als sie rein kommt, mache nen schritt auf sie zu, so als würde ich - was? sie nimmt mich in den arm, dann, als sei das die antwort auf meine frage, und ich bin verwirrt; hab mich verplappert. scheiße, dabei reden wir gar nicht mehr. sie hat keine zeit. das ist das einzige, das sie mir gerade sagt. ich nehm's persönlich, so als könnte sie, wenn sie wollte - ich weiß es doch einfach nicht besser. woher denn auch, wenn nicht von ihr.

also führe ich selbstgespräche; nein: lüge mir dann selbst ins gesicht - nein, auch nicht. mein verstand, ja, der soll meinem herz mal mitteilen, dass das nur eine ausnahmesituation ist, und keinesfalls das ende. das bleibt nicht für immer so. (natürlich nicht, meint der klumpen in meiner brust so, und ich schlag ihm auf die finger, sonst würde er zum skalpell greifen, um sie aus mir heraus zu schneiden.) mein herz hat taube ohren.* und sie hat keine zeit. sie kommt zu spät zurück für kirschen. und ich, ich hoffe: ich hab's dann verlernt. verlernt, sie zu brauchen. 

*mir ist, als hätte ich den satz schon mal gehört, irgendwo? der kam mir gerade so in den kopf, aber kommt mir seltsam bekannt vor. ich hoffe, ich hab den nicht geklaut, von jemandem. sorry, falls dem so sein sollte. ich weiß es gerade nicht besser. 

Dienstag, 30. Juni 2026

annihilate|d

| pride | self | freedom | love |
| possibilities | romance |
| breath | control | choices |
| touch | exploration | fun |
| worth | me | passion |
| sleep | dreams | myself |
and I -

Mittwoch, 24. Juni 2026

Sommer/Loch im Kopf

Ich stelle fest: ich nehme ihm den "Esstisch" übel, und das seit knapp einer Woche, obwohl ich weiß, dass das wohl kaum böse gemeint war. Seine Gedanken haben sicher einfach nur nach dem nächstbesten Möbelstück gegriffen. Der Satz hat mir im Endergebnis dann leider gar nicht gefallen; hat es denn unbedingt der Esstisch sein müssen? Das ist so unpersönlich, dass ich es fast schon als Kränkung empfinde. Ich hab also die Gedanken weitergeführt: welcher Begriff hätte sich an der Stelle passender für mich angefühlt? Ja, und dann hab ich nachgedacht über Möbel - was man eben so tut, wenn die Hitze einem das Gehirn weich kocht.

Natürlich waren das nicht irgendwelche Möbelstücke - nur welche, die sich dazu verwenden lassen, Zeit zu verbringen mit einer anderen Person. Bei meinem Ranking von "Persönlich" nach "Unpersönlich" musste ich die Möbelkategorie dann allerdings noch etwas ausdehnen, denn ich finde, den ersten Platz hat nicht das Bett, sondern die Badewanne verdient. Ich meine, ich habe schon mit befreundeten Personen in einem Bett geschlafen. Teilt man sich unter Freund*innen aber die Badewanne? Ich wage es zu bezweifeln und behaupte, dazu muss schon ein romantisches Interesse bestehen. (Und dann macht man das genau ein Mal. Friert sich dabei halb zu Tode, und lässt es anschließend. Ausgenommen davon sind wohl Personen, die eine große Badewanne besitzen. Oder die vielleicht sehr klein sind? Ich weiß es nicht genau; ich weiß nur, dass ich alleine in der Badewanne schon immer abwägen muss, ob nun meine Füße, Knie, oder Schultern für eine Weile frieren sollen. (Ich bin allerdings auch knapp 180cm groß.) Ich kann mir nicht vorstellen, wie klein Personen sein müssten, damit sie zu zweit bequem in eine Badewanne passen. Also, vielleicht Kinder. Aber auf die beziehe ich mich natürlich jetzt nicht.)

Ja, also: Badewanne > Bett, was den Persönlichkeitsfaktor betrifft, denke ich. Dann Sofa vor Bank, aber nicht irgendeine, sondern Gartenbank. D a n n folgt der Esstisch, und danach nur noch die Parkbank, weil ich die teilen kann mit völlig Fremden. Damit hätten wir nun im Endergebnis Badewanne > Bett > Sofa > Gartenbank > Esstisch > Parkbank. Der Esstisch ist also fast das Schlusslicht. Dass er mich jetzt nicht in ihr Bett denkt, okay, würde ihm im Traum wahrscheinlich nicht einfallen, aber ich finde, zumindest das Sofa hätte ich mir verdient. Für meine Grenzüberschreitung, haha; vielleicht braucht er den Esstisch um den Abstand zu wahren, weil sonst a) sein Weltbild kaputt geht, oder er mir b) wieder ein zwanzig-seitiges Regelwerk entgegen schleudert, oder c) beides dieser Dinge passiert. 

Nur dass mir das Ganze nichts anhaben kann; konnte es noch nie - mein Name steht nicht im Vertrag. (Vielleicht der einzige Vorteil, den ich je genossen habe, hier so am kürzeren Hebel.) Also bin ich ein Scherbenhaufen nur inoffiziell. Ich habe eine Menge verloren, zwar nicht am Esstisch, aber eventuell könnte ich da trotzdem etwas wieder finden? Es ist mein Herz oder mein Verstand; Ausschlussprinzip. (Aus-Schluss-Prinzip, wenn es nach ihr geht, in der Kategorie: fehlerhaft.) In die selbe Kategorie falle ich. Der Meinung bin ich nach wie vor. 
_______

Der Post dümpelt schon ein paar Tage hier rum, eigentlich wollte ich den noch "zu Ende" schreiben - wie auch immer das ausgesehen hätte. Aber ich veröffentliche das jetzt so, damit ich mit dem nächsten Post anfangen kann, haha. Muss vorher nur vielleicht mal eine Runde auf meine Gefühle klarkommen. Sonst endet das in einem absoluten Chaos. 

Sonntag, 14. Juni 2026

BA970

cabin crew, take your seats for landing. ja, natürlich hätte, wäre, wenn, es auch anders kommen können. weiße zuckerwattewolken das gefängnis, statt dem türkis - wir hätten das meer sehen können, ganz in echt; zusammen, nicht nur ein bild, das über dem sofa hängt. aber es ist mühselig, darüber nachzudenken. und dann auch noch worte finden für etwas, das sowieso nie passiert wäre - du trägst deine haare doch am liebsten offen, ich weiß, und deine seele, was hättest du mit der gemacht? die müsstest du dann auch verkleiden, verstecken, alles, hinter einem hübsch aufgemalten lächeln, und wo bleibt da die verbindung. also lag statt der welt ich dir bloß zu füßen, und du hast beschlossen, das nicht synonym zu verstehen. weil liebe manchmal nicht genug ist oder du stilmittel einfach nicht kapierst, was weiß ich schon.

dass das ende immer gleich gewesen wäre, das weiß ich; die gitterstäbe sind nur zierde, beiwerk, am schluss brechen wir nicht an konventionen, sondern an der zeit selbst entzwei. jetzt, am ende, sind wir einfach nur gewöhnlich; vorbei, denn zeit passiert uns allen. spielt keine rolle, was wir nicht durften: das meer sehen, ganz in echt; zusammen, nicht nur ein bild, das über dem sofa hängt. spielt keine rolle, dass (es) inzwischen da nicht meer hängt - wollte ich schreiben, aber es bricht mir das herz. es bricht mir das herz, dass du der ort geworden bist, an den ich nicht länger gehen kann. ich sitze also im flugzeug, machtlos; diese distanz lässt sich nicht messen in kilometern. du bleibst. unerreichbar entfernt, für immer.

Samstag, 23. Mai 2026

it all wasn't right, take what you need and call it

aller guten dinge sind drei, sagt man. aber es sind fünf wochen, fünf tage vergangen, und es gibt keinen song. weil ich's dann zu nem abschluss bringen müsste. und wie könnte ich das. außerdem: mir ist egal, wie man sagt. spielt keine rolle. das sind nur worte. (und du, dann, hast dich verdammt fesseln lassen. von worten, worten, worten, und befreien - wieso sich die mühe machen, wenn man weiß: das gefängnis ist nur auf zeit. bloß an den ort, an den du dann gegangen bist. hättest du mich nicht mitnehmen können.)

nun bin ich alleine hier. schau dich an. weiß nicht mehr, was ich sehe. weggucken kann ich trotzdem nicht. wohin denn auch. (du bist doch überall. selbst jetzt noch; für immer, also.)

(also rede ich darüber. tue so, als hätte ich irgendetwas mal gewusst? "wäre sie ein ozean, würde ich in ihr ertrinken wollen." nur das.)

warst du aber nicht. kein wasser; licht kann wohl ebenso einer flut gleichkommen, denke ich. und wenn mein herz doch übervoll war davon. warum sind da jetzt bloß noch schatten. 

[Titel: Talos - The Flood]

Sonntag, 19. April 2026

stille / leftonarustedheapofhalos

warum wir einen krieg begonnen haben, ohne die geringste aussicht, ihn zu gewinnen? warum
i c h das getan habe? weil s i e es wert gewesen ist. vielleicht liegt darin die antwort. (und warum sie das getan hat. ob ich es wert gewesen bin. das muss ich nicht fragen. jetzt, wo sie nicht mehr da ist, antwortet nur noch stille. nur noch stille. lauter, als irgendetwas zuvor in meinem leben.)

Samstag, 18. April 2026

winter / icannotseeandthesilenceisraging

 

(bloß ein song. keine worte. zumindest nicht meine. die haben beschlossen, im winter zu erfrieren. und ich weiß nicht, ob jemals wieder frühling kommt. was mache ich bloß. ohne sie.)

Sonntag, 15. März 2026

Februar

Es ist schon (m)ein halbes Leben lang her. Und dann sehe ich (s)ein Gesicht auf nem Foto. Wer hätte denn ahnen können, dass es sich immer noch so anfühlt wie der erste Sonnenschein nach einem viel zu langen Winter. Und wer hätte ahnen können, dass ich immer noch denke.

(Wenn ich ihn in die Finger kriege, kratze ich ihm die Augen aus.)

Montag, 16. Februar 2026

schnitt. stellen.

I. and it feels like
finally she came to me
to whisper in my ear
don't stay here

II. der song ist zu lang um kaffee zu kochen. aber er hat die perfekte länge um ihn direkt in meine blutbahnen zu injizieren. mir ist kalt. wieder so kalt wie in jenem herbst.

III. ich bin kein unbeschriebenes blatt. aber müsste ich's nochmal machen, würde ich dir ein solches mit der post schicken. so hätten wir uns wenigstens - endlich einmal - ähnlich viel zu sagen. und ich würde gewinnen, dann. denn dass ich lauter, leiser, und schöner schweigen kann als du, wissen doch schon längst alle.

IV. french press on a pedestal / two scoops haven't worked for too long (a tale of golden keys - something political) x ja und dann bin da ich, und ich weiß nicht, ob die anderen zeilen auch zutreffen auf mich. weiß ich, wie ich mich fühle? und wie viel zeit hat sie sich genommen für die entscheidung(en), teil meiner vergangenheit zu bleiben?

V. das hätte absehbar sein müssen, denke ich mir. sie war immer schon. viel zu Perfekt. 

VI. ich will nicht weiter irgendwelchen bipolar veranlagten zeitströmen folgen, lieber sitze ich hier und atme, mit mir selbst. versuche, mir einzureden, ich könnte ihr entkommen. doch dazu müsst' ich meinen glauben ändern. kann ich nicht, ist viel zu schön so. wer fühlt sich nicht gerne bedroht von der unendlichkeit der dinge.

VII. was.

VIII. tue ich denn hier? ich tue das selbe wie früher, nicht? die anfänge mit römischen zahlen zu versehen ändert doch gar nichts, wenn das ende gleich bleibt. this is not goodbye.

(und so traf "aufgegeben III" zuerst "how did i get up anyhow" und ist dann drei jahre durch die zeit gereist. hat meinen verstand da mal kurz abgeholt; macht gar nichts mehr aus, dass ich aktuell fieber habe und auf zu viel und zu wenig kaffee gleichzeitig bin. geisteskrankheit. braucht keine resonanz. und wenn ich's am ende doch bereuen sollte, habe ich hoffentlich längst schon vergessen, wie weh es einmal tat.)

Sonntag, 15. Februar 2026

aufgegeben II

 Echt jetzt?

Samstag, 14. Februar 2026

3274&C

Montag, 19. Mai 2025
Wenn ich könnte, würde ich den ganzen Tag diese Bruchstücke aus mir heraus schreiben, dann könnte ich sie zusammen puzzeln und mein Trauma irgendwo hinstellen, ins Regal vielleicht; auf jeden Fall hätte es dann keine so scharfen Kanten mehr und würde mir nicht mehr so weh tun. Ich schätze nicht, dass es schön aussehen würde, wahrscheinlich wäre das Regal gar kein so guter Platz, aber es darf in keiner Schublade mehr verschwinden. Ich müsste es wahrscheinlich ansehen, in all seiner Hässlichkeit, bis ich hinsehen kann, ohne mir die Lunge aus dem Leib schreien zu wollen, und dann könnte ich es irgendwo zur Ruhe betten; vielleicht könnte ich es dann doch in der Schublade vergessen, zwischen Teelichtern und, ich weiß nicht, Büroklammern? Es könnte dort friedlich ruhen, und würde mir gar nicht übel nehmen, dass ich es vor fünf Zeilen erst „hässlich“ genannt habe. Ich meine das gar nicht böse, aber wie soll ich Gewalt in etwas Schönes verwandeln, in etwas, das man sich gerne ins Regal stellt?

Mein Trauma ist: ein wenig stachelig, so wie eine Kastanie, sodass man nicht genau weiß, wie man es anfassen soll, ohne sich in die Finger zu stechen. Es ist zu groß für die Hosentasche, und zu schwer für eine Handtasche, wenn man es mitnehmen möchte, braucht man einen Rucksack. Es hat in etwa die Farbe von einem Pfirsich, aber das ist nur die Schale; im Inneren ist es ganz schwarz, und wenn man es schneidet, hört es nie wieder auf zu bluten.

Es gibt keinen Lichtschalter. Das verdammte Licht kriecht durch die Augen bis ins Gehirn und brennt dort durch sämtliche Synapsen, bis man nichts mehr sehen kann außer Hände, die etwas berühren, was nicht berührt werden sollte. Wenn man es zu lange festhält, wird es ein wenig klebrig, und wenn das Flecken auf der Kleidung hinterlassen sollte, falls man nicht aufpasst, ist die ruiniert, weil es nie wieder rausgeht. Man braucht viel zu lange, um es von den Fingern zu waschen, Seife hilft nicht, man muss daran schrubben, bis die Haut fast blutig ist. Es ist völlig geruchsneutral; es riecht kein bisschen nach seinem After-Shave, wo kämen wir denn da hin. Es ist Freitag, und es saß zu lange im Zug – nein, das bin ich. Es gibt keinen Ton von sich, es darf nicht schreien, auch wenn man ihm Schaden zufügt – nein, das bin auch ich. Wie viel von meinem Trauma bin ich?

Samstag, 14. Februar 2026
Es existieren noch 3274 Worte, die ich geschrieben habe, bevor ich mein Trauma mit einer Kastanie verglichen habe. 3274, weil ich Gewalt nicht länger in Schweigen hülle, aber im Internet veröffentlichen kann ich die nicht, es gibt schließlich Grenzen. Ich kenne meine sehr gut - ich muss sie überschreiten, weil sie überschritten worden sind. 

Dann kam der Tag, an dem die Fische starben. Und ich meinen Therapeuten habe teilhaben lassen. Ich hab das Buch gelesen, die Worte gefunden, mich in Brombeeren gekleidet und in Würde, und dann bin ich doch wieder weg gelaufen, weil ich mich meinen Gefühlen nicht stellen konnte. Weil ich nicht wusste, wie; weil ich es immer noch nicht weiß, weil ich nicht sagen kann, wie viel Würde es braucht, um Ohnmacht in Macht zu verwandeln. 

Aber ich muss doch. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, mich zu retten. 

Ich weiß nicht, wie viel davon ich ins Internet schreiben werde, oder warum ich das hier überhaupt tue: Blogger ist nicht der passende Ort, um gehört zu werden. Und will ich das denn überhaupt. Doch Buchstaben zu Worten zusammenzufügen, ist das einzige das ich mit Sicherheit kann. Also tue ich es. 

Mittwoch, 4. Februar 2026

geisterliebe

I. die asche hörte damit auf, meinen namen zu flüstern, nachdem ich ein machtwort gesprochen hatte. nachdem ich realisiert hatte: die brücke zurück in die vergangenheit brennt zwar lichterloh - aber was ist, wenn das nicht mehr die richtung ist, in die ich gehe? 

II. es ist kalt. seit dem zeitpunkt, an dem ich mich abgewandt habe; seit ich den gefühlen ein ansehnliches gewand geschneidert habe, so dass sie nicht mehr länger wirken wie groteske gestalten, die sich nicht in die öffentlichkeit wagen dürfen. 

aber ihre gefühle dürfen nicht existieren auf papier. das würde schließlich spuren hinterlassen. und das darf es doch nicht; wir lieben wie geister. 

und weil ich das doch weiß, habe ich mir ein zeitfenster gesetzt. jetzt warte ich nicht mehr. (ich warte nicht mehr. aber ich warte auch nicht weniger.)

ich kann nicht anders.

ich sitze hier wartend; darauf, dass meine geisterliebe einen weg findet, diese mauern zu überwinden. die in ihrem kopf meine ich, und die um ihren hübschen kopf herum auch. 

III. meine gefühle sind wohl wahrhaft schlechte geister, was? die können nicht so mir nichts, dir nichts, locker-flockig durch diese wände schweben. 

dabei müsste sie nur das wort sagen. dann könnte ich sie sogar mitnehmen in mein neues leben. dann könnte sie mir sagen, ich solle weniger arbeiten, weniger kaffee trinken und meinem therapeuten nicht so viel von ihr erzählen.

IV. tja. aber, aber, aber.

aber ich muss doch.

also geht's genauso weiter. nur dass ich nicht mehr sterbe, wenn ich in den briefkasten schaue. 

V. ich sterbe nicht mehr, wenn ich in den briefkasten schaue. 

aber ich sterbe auch nicht weniger.

Donnerstag, 15. Januar 2026

LLUVIA

Warum ich sie auf ein Podest gestellt habe? Weil sie es weiß Gott verdient hatte. "Sie schwebt über allem; für eine Stunde könnte sie Gott sein. Nur müsste dazu zuerst jemand an sie glauben." So habe ich sie mal in ein Gedicht geschrieben. In einer Geschichte steckt sie jetzt auch, und so pflanze ich sie in die Köpfe der anderen - als ein machthungriges, selbstsüchtiges Wesen. Und mich - und das ist noch viel schlimmer - mich verewige ich als einen Verlust, den sie nicht verkraften konnte. (Charakterentwicklung durch totes Regenmädchen Klischee. In der nächsten Szene isst sie dann einen Apfel. Einen von den grünen.) So wird sie unsterblich, und mit nicht wenig Genugtuung denke ich daran, dass Unsterblichkeit wahrscheinlich das Schlimmste wäre, das ihr passieren könnte. Noch schlimmer: Unsterblichkeit als eine
Art... Superschurkin, wenn ich das mal so sagen darf. Mit meinen Worten, die ich ja eigentlich nicht habe. Aber sie sieht so schön aus da oben, denke ich. Sie hat genau das verdient.

Donnerstag, 8. Januar 2026

aufgegeben.

 Ich habe Cheza heute einen Brief geschrieben.