Mittwoch, 5. August 2026

devise: kleinholz

I. ich hab ein halbes jahr - gegeben, ohne zu zögern; ich meine, ich habe gewartet, und erstmal gar nichts beurteilt, weil sie das weiß gott verdient hatte nachdem da so viel eingestürzt ist, aber statt das zu reparieren, wird das andere stuhlbein auch noch angesägt, und an dem punkt dachte ich mir so, mit all der eloquenz, die ich aufbringen konnte: hä?

im märz hab ich der gesamtsituation dann ein gewand geschneidert aus euphemismen, aber hätte, hätte, hätte - ich das mal so dargestellt, wie's wirklich war, nämlich belastend, dann - ach komm, was soll das, glaubt doch keiner ernsthaft, dass das einen unterschied gemacht hätte. also hab ich die frist in die verlängerung geschickt. weil ich an etwas geglaubt habe.

besser: weil ich an jemanden geglaubt habe. tja, und dieser jemand hat jetzt nen beil in der hand, also, so rein gefühlsmäßig, und zertrümmert damit fröhlich den, ich weiß nicht, esstisch. es wird sich nicht mehr zufrieden gegeben mit stuhlbein-gesäge. ähm, ich dachte, wir wären gerade dabei, etwas aufzubauen? hab ich da was falsch verstanden? warum genau wird unser mobiliar gerade zu kleinholz zertrümmert? von d i r? was? soll? das?

kann ich dich nicht fragen, fck, weil du beschäftigt bist mit: keine zeit haben, für mich. ja, und nun. muss ich vielleicht langsam mal beurteilen. ob der zeitpunkt gekommen ist, meine zelte abzubrechen. 

II. ich schreib das. als würde ich die antwort nicht schon kennen. 

III. aber schreiben kann man viel. und gedanken mache ich mir noch mehr. bloß ist das nicht mein kopf, der die entscheidung trifft - der hat absolut kein mitspracherecht, zumindest nicht in diesem fall. mein herz entscheidet. sich zur not auch für ruinen.

Dienstag, 14. Juli 2026

brücke, schwarz/weiß

"Regen ist sanft" sagst Du, und sanft schaust Du mich an, und ich weiß, ich könnte Dir jedes Geheimnis der Welt offenbaren, und mich in sämtlichen Farben zeichnen, Du würdest mich immer erkennen. Ich brauche Dich. Ohne Dich finde ich mich nicht zurecht in dem hier: muss wohl mein Leben sein, aber viel öfter kommt es mir vor wie ein Theaterstück, für das ich den Text nicht gelernt habe, oder eine Veranstaltung in einem Zirkus - die gerade aus dem Ruder läuft, aber ganz gewaltig. Aber nicht jetzt, nicht hier. Nicht mit Dir: Du fragst mich, wie spät es gerade ist - Du trägst keine Armbanduhr, und Dein Handy liegt auf dem Küchentisch, so wie immer - weil Du wissen willst, ob die Zeit reicht, um noch eine zu rauchen. Ich sehe zu, wie Du Deine Zigarette aus einem silbernen Etui holst, und genieße es, einfach einen Moment länger neben Dir sitzen zu können, und nichts zu tun. Du bist die Brücke.

Ich zeichne sie in schwarz/weiß, zu Anfang, weil ich keine anderen Farben auf meiner Palette habe. Und Du sagst zwar immer, dass Du schlecht in Kunst bist, aber ich lerne trotzdem dann von Dir, was Gelb ist, und wie ich damit die Sonne malen kann. Der Rest des Himmels bleibt Grün; manches in meinem Universum ist unabänderlich.

So wie: steh ich im Scheinwerferlicht, nimmst Du mich zur Seite, kurz bevor das Auto mich erwischen kann. Du hältst mich auch nicht für dumm, weil ich nicht wusste, dass man nicht mitten auf der Straße steht. Sondern Du zeigst mir, wo ich mich stattdessen hinstellen kann, das nächste Mal. Dauert vielleicht eine Weile, bis ich kapiere, aber Du bist seltsam geduldig, auch wenn ich Dich mal wieder am Telefon voll heule. Dauert eine Weile, bis ich kapiere: Du möchtest nicht, dass ich als ein Stück plattgefahrenes Etwas auf dem Asphalt ende, und so nach fünf Jahren habe ich auch endlich aufgehört mich zu fragen Warum. 

Warum ich jetzt das Gefühl habe, ich würde Dich verlieren, möchte ich bloß wissen. Sag mir, wenn die Brücke einstürzt, bitte? Damit ich mich in Sicherheit bringen kann, vorher. Damit ich den Ort finden kann, der vielleicht nicht existiert: ohne Dich. 

Sonntag, 12. Juli 2026

zu spät für kirschen

ich hab ihr eine postkarte geschrieben, wieder, und ihr ein buch zum geburtstag geschenkt, das erste mal. ich würde ihr auch kirschen kaufen - sie liebt kirschen - dienstag vormittags, auf dem markt, wäre sie nicht in den urlaub gefahren. wenn sie zurück kommt, hat ihre liebste kirschensorte nicht mehr saison. dann müsste ich august-kirschen kaufen, und das, wo sie die mitte-juli-kirschen doch viel lieber mag. ob k e i n e kirschen dann besser wären als august-kirschen? ich weiß nicht genau. weiß nur, dass mein herz bisschen dumm ist. stehe unten vor dem fahrstuhl, als sie rein kommt, mache nen schritt auf sie zu, so als würde ich - was? sie nimmt mich in den arm, dann, als sei das die antwort auf meine frage, und ich bin verwirrt; hab mich verplappert. scheiße, dabei reden wir gar nicht mehr. sie hat keine zeit. das ist das einzige, das sie mir gerade sagt. ich nehm's persönlich, so als könnte sie, wenn sie wollte - ich weiß es doch einfach nicht besser. woher denn auch, wenn nicht von ihr.

also führe ich selbstgespräche; nein: lüge mir dann selbst ins gesicht - nein, auch nicht. mein verstand, ja, der soll meinem herz mal mitteilen, dass das nur eine ausnahmesituation ist, und keinesfalls das ende. das bleibt nicht für immer so. (natürlich nicht, meint der klumpen in meiner brust so, und ich schlag ihm auf die finger, sonst würde er zum skalpell greifen, um sie aus mir heraus zu schneiden.) mein herz hat taube ohren.* und sie hat keine zeit. sie kommt zu spät zurück für kirschen. und ich, ich hoffe: ich hab's dann verlernt. verlernt, sie zu brauchen. 

*mir ist, als hätte ich den satz schon mal gehört, irgendwo? der kam mir gerade so in den kopf, aber kommt mir seltsam bekannt vor. ich hoffe, ich hab den nicht geklaut, von jemandem. sorry, falls dem so sein sollte. ich weiß es gerade nicht besser. 

Dienstag, 30. Juni 2026

annihilate|d

pride | self | freedom | love |
possibilities | romance |
breath | control | choices |
touch | exploration | fun |
worth | me | passion |
sleep | dreams | myself |
and I -

Mittwoch, 24. Juni 2026

Sommer/Loch im Kopf

Ich stelle fest: ich nehme ihm den "Esstisch" übel, und das seit knapp einer Woche, obwohl ich weiß, dass das wohl kaum böse gemeint war. Seine Gedanken haben sicher einfach nur nach dem nächstbesten Möbelstück gegriffen. Der Satz hat mir im Endergebnis dann leider gar nicht gefallen; hat es denn unbedingt der Esstisch sein müssen? Das ist so unpersönlich, dass ich es fast schon als Kränkung empfinde. Ich hab also die Gedanken weitergeführt: welcher Begriff hätte sich an der Stelle passender für mich angefühlt? Ja, und dann hab ich nachgedacht über Möbel - was man eben so tut, wenn die Hitze einem das Gehirn weich kocht.

Natürlich waren das nicht irgendwelche Möbelstücke - nur welche, die sich dazu verwenden lassen, Zeit zu verbringen mit einer anderen Person. Bei meinem Ranking von "Persönlich" nach "Unpersönlich" musste ich die Möbelkategorie dann allerdings noch etwas ausdehnen, denn ich finde, den ersten Platz hat nicht das Bett, sondern die Badewanne verdient. Ich meine, ich habe schon mit befreundeten Personen in einem Bett geschlafen. Teilt man sich unter Freund*innen aber die Badewanne? Ich wage es zu bezweifeln und behaupte, dazu muss schon ein romantisches Interesse bestehen. (Und dann macht man das genau ein Mal. Friert sich dabei halb zu Tode, und lässt es anschließend. Ausgenommen davon sind wohl Personen, die eine große Badewanne besitzen. Oder die vielleicht sehr klein sind? Ich weiß es nicht genau; ich weiß nur, dass ich alleine in der Badewanne schon immer abwägen muss, ob nun meine Füße, Knie, oder Schultern für eine Weile frieren sollen. (Ich bin allerdings auch knapp 180cm groß.) Ich kann mir nicht vorstellen, wie klein Personen sein müssten, damit sie zu zweit bequem in eine Badewanne passen. Also, vielleicht Kinder. Aber auf die beziehe ich mich natürlich jetzt nicht.)

Ja, also: Badewanne > Bett, was den Persönlichkeitsfaktor betrifft, denke ich. Dann Sofa vor Bank, aber nicht irgendeine, sondern Gartenbank. D a n n folgt der Esstisch, und danach nur noch die Parkbank, weil ich die teilen kann mit völlig Fremden. Damit hätten wir nun im Endergebnis Badewanne > Bett > Sofa > Gartenbank > Esstisch > Parkbank. Der Esstisch ist also fast das Schlusslicht. Dass er mich jetzt nicht in ihr Bett denkt, okay, würde ihm im Traum wahrscheinlich nicht einfallen, aber ich finde, zumindest das Sofa hätte ich mir verdient. Für meine Grenzüberschreitung, haha; vielleicht braucht er den Esstisch um den Abstand zu wahren, weil sonst a) sein Weltbild kaputt geht, oder er mir b) wieder ein zwanzig-seitiges Regelwerk entgegen schleudert, oder c) beides dieser Dinge passiert. 

Nur dass mir das Ganze nichts anhaben kann; konnte es noch nie - mein Name steht nicht im Vertrag. (Vielleicht der einzige Vorteil, den ich je genossen habe, hier so am kürzeren Hebel.) Also bin ich ein Scherbenhaufen nur inoffiziell. Ich habe eine Menge verloren, zwar nicht am Esstisch, aber eventuell könnte ich da trotzdem etwas wieder finden? Es ist mein Herz oder mein Verstand; Ausschlussprinzip. (Aus-Schluss-Prinzip, wenn es nach ihr geht, in der Kategorie: fehlerhaft.) In die selbe Kategorie falle ich. Der Meinung bin ich nach wie vor. 
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Der Post dümpelt schon ein paar Tage hier rum, eigentlich wollte ich den noch "zu Ende" schreiben - wie auch immer das ausgesehen hätte. Aber ich veröffentliche das jetzt so, damit ich mit dem nächsten Post anfangen kann, haha. Muss vorher nur vielleicht mal eine Runde auf meine Gefühle klarkommen. Sonst endet das in einem absoluten Chaos. 

Sonntag, 14. Juni 2026

BA970

cabin crew, take your seats for landing. ja, natürlich hätte, wäre, wenn, es auch anders kommen können. weiße zuckerwattewolken das gefängnis, statt dem türkis - wir hätten das meer sehen können, ganz in echt; zusammen, nicht nur ein bild, das über dem sofa hängt. aber es ist mühselig, darüber nachzudenken. und dann auch noch worte finden für etwas, das sowieso nie passiert wäre - du trägst deine haare doch am liebsten offen, ich weiß, und deine seele, was hättest du mit der gemacht? die müsstest du dann auch verkleiden, verstecken, alles, hinter einem hübsch aufgemalten lächeln, und wo bleibt da die verbindung. also lag statt der welt ich dir bloß zu füßen, und du hast beschlossen, das nicht synonym zu verstehen. weil liebe manchmal nicht genug ist oder du stilmittel einfach nicht kapierst, was weiß ich schon.

dass das ende immer gleich gewesen wäre, das weiß ich; die gitterstäbe sind nur zierde, beiwerk, am schluss brechen wir nicht an konventionen, sondern an der zeit selbst entzwei. jetzt, am ende, sind wir einfach nur gewöhnlich; vorbei, denn zeit passiert uns allen. spielt keine rolle, was wir nicht durften: das meer sehen, ganz in echt; zusammen, nicht nur ein bild, das über dem sofa hängt. spielt keine rolle, dass (es) inzwischen da nicht meer hängt - wollte ich schreiben, aber es bricht mir das herz. es bricht mir das herz, dass du der ort geworden bist, an den ich nicht länger gehen kann. ich sitze also im flugzeug, machtlos; diese distanz lässt sich nicht messen in kilometern. du bleibst. unerreichbar entfernt, für immer.