Dienstag, 13. Oktober 2026

don't stay here

Aus einem Herbst einer längst vergangenen Zeit

Erinnerungen: ein weißes Haus, ein seelenloses Zimmer. Es ist k a l t. Wenn ich den Kopf leicht nach links drehe, kann ich durch das Fenster in einen sterbenden Garten sehen. Er könnte fast schön sein in seinem Verfall; doch kann ich nicht anders als Cheza anzusehen - sie ist schöner. Als alles, was mir jemals begegnet ist. (Sie würde widersprechen, würde ich diese Worte tatsächlich äußern. Also tue ich es nicht. Ich darf nicht. Der plot twist: Sie nennt m i c h wunderschön und … was tut sie denn da? Ist das in Ordnung?)

Ich: lese ihr aus einem Buch vor* und rede in Metaphern. Sie benutzt die Sprache meiner Träume. (Ihre Worte sind wie Diamanten, ähnlich wertvoll. Mit zitternden Fingern hebe ich sie vom Boden auf.) Aber sie spricht auch Realität. Eigentlich sollte sie mir sagen, dass wir uns nicht mehr so oft sehen können - doch sie tut es nicht. Weil es sich für sie (auch) nicht. Richtig. Anfühlt. Dann sind da noch: Kirschkuchen im Dezember. Eine Blume, die niemals sterben kann. Und Wärme, wann immer sie mich in den Arm nimmt. Wärme … das erste Mal in - dieser Woche? Diesem Monat? Diesem Leben? Ich wünschte, sie würde mich nie wieder loslassen. Aber sie tut es doch. Ich bin verwirrt weil es sich so gut anfühlt, verwirrt weil das doch nicht so sein sollte und verwirrt weil. Es sich einfach viel zu gut anfühlt. Dann: gehe ich. Alleine. In die Dunkelheit. Die Tür fällt jedes Mal viel zu laut hinter mir ins Schloss; ein Geräusch, das ich verabscheue. Denn es besitzt die Macht, (uns) zu trennen. [...]

* "Die Welt ist ein Schattentheater, eine Oper, und Szenen wie diese sind die Glanzpunkte in ihrem Libretto. Sei nicht allzu verärgert über meine Rolle. Du würdest es nicht verstehen, ganz gleich, wie oft ich es Dir erklärte. […] Die Gesunden können die Entleerten, die Gebrochenen nicht verstehen. Du würdest mir lediglich die Gründe aufzählen, warum sich das Leben lohnt, aber die habe ich alle im Frühsommer am Victoria-Bahnhof zurückgelassen. […]"
David Mitchell - Der Wolkenatlas

Jetzt

Nur minimal bearbeitet; gekürzt, am Ende - aber was ist schon das Ende, oder, besser: wann? Wenn ich doch hier noch sitze, mit Geistern in meinem Kopf und einem seltsamen undefinierten Gefühlsknäuel in meiner Brust. Nach fast 12 Jahren. (Sieben, wenn man sich auf den Text bezieht. Vier, wenn man - und sechs Monate erst, nachdem ich dachte, meine gesamte Welt würde aufhören zu existieren.) Zeit. Ist ein wundersames Ding. Aber was davon hat noch eine Bedeutung? Wenn es stimmt, dass wir nicht nur Tropfen sind. Sondern auch Ozean - ? 

Sonntag, 11. Oktober 2026

Für immer Herbst

Aus einem Herbst einer längst vergangenen Zeit

Ich werde mich immer an den Herbst erinnern. An Regen, an den sterbenden Garten, an den Moment in dem ich aus dem Haus trete und meine, es sei stockfinstere Nacht, dabei weiß ich genau, dass es nicht viel später sein kann als 18 Uhr. Weil das so funktioniert, oder nicht? Nur dass ich nicht funktioniere; nur dass ich auch sterbe - ihre Worte aus dem Sommer klingen in meinem Ohr, klingen wie Sommer, und ich laufe und laufe und laufe an den Bahngleisen entlang, bloß ist sie nicht dort dieses Mal, bloß verliere ich jegliche Hoffnung, ein wenig mehr mit jedem meiner Schritte. Ich kann nirgendwo mehr hin; ich kann nicht einfach vor ihrer Tür stehen. Oder kann ich? Aber wie würde das denn aussehen? Und außerdem - was sollte ich sagen? Außer Bitte schick mich nicht weg oder Ich will nicht mehr gehen müssen - im Grunde kaue ich noch immer, auch nach über einem Jahr, auf diesen Worten herum. Sie werden nie weicher, also schlucke ich sie als Ganzes, und wenn ich Blut husten muss, dann nur, weil sie mit ihren scharfen Kanten in mein Innerstes schneiden. Dann denke ich an die Worte, die s i e hat ungesagt lassen; ich bilde mir ein, dass sie existieren, aber ich hab mir auch eingebildet, dass ich das alles schon auf die Reihe kriegen werde, und vielleicht ist beides ein Irrglaube? Darf nicht denken an all die Momente, in denen ich mir eingebildet habe, dass sie beschließt zu schweigen, denn normalerweise ist das mein Part, denn normalerweise findet sie immer die Worte. Streng genommen gibt es nur vier Worte, die ich hören will aus ihrem Mund, weil ich dann die Augen nicht länger vor der Tatsache verschließen könnte, dass sie mich nicht liebt. Sie hat mir die Welt zu Füßen gelegt aber: sie liebt mich nicht, sie hat sich für mich entschieden aber: sie liebt mich nicht; sie liebt mich nicht, und vielleicht, vielleicht ist das in Ordnung. Vielleicht habe ich auch so mehr bekommen, als ich je zu träumen wagte.

Jetzt

Und wenn ich gewusst hätte, was ich "bekomme" und dass es stellenweise unterm Strich echt beschissen aussehen würde für mich - wäre das dann immer noch alles so in Ordnung. Hätte ich gewusst, dass sich Monate, wieder und wieder, anfühlen würden wie dieses eine verdammte Jahr. Hätte ich gewusst wie kalt es wird im Frühling; wie oft ich versuchen würde, meine blutleeren Adern aufzufüllen mit ner Flasche Wein. Hätte ich gewusst, dass am Ende nichts bleibt außer Schweigen - ja vielleicht, vielleicht ist das in Ordnung. Vielleicht habe ich auch so bekommen, was ich brauchte.

Donnerstag, 8. Oktober 2026

you've stripped me down the layers fall like rain

Aus einem Herbst einer längst vergangenen Zeit

Fünf Jahre lang wollte ich nur sehen, dass ich Dir wichtig bin. Konnte Deinen Worten nicht glauben, bis Du ihnen endlich auch hast Taten folgen lassen. Gleichzeitig hast Du mir signalisiert - bis hierhin. Nicht weiter. Keinen Schritt weiter. Du wirst mich gehen lassen, immer und immer wieder; egal wie oft ich zurückkehre zu Dir. Ich weiß das. Glaub mir, ich weiß. Und trotzdem wünschte ich. Wünschte, dass ich das nicht länger tun müsste. Dass wir das nicht länger tun müssten - zumindest nicht so; ich wünschte, dass wir diesen Ort verlassen könnten, zusammen, dass wir uns vor dem Haus nicht trennen müssten, aber ich weiß, dass das nicht geht. Weil es nämlich keinen Ort gibt, an den wir gehen könnten.

Denn 2/3 des Tages führst Du ein Leben, in dem ich nicht existieren darf. Wenn Du mir also sagst, dass Du in dieser Zeit an mich gedacht hast - bedeutet das etwas? Ich weigere mich zu glauben, dass es das tut. Weil ich dann nämlich fast so leichtsinnig werden könnte zu glauben, ich hätte eine Chance. Über das restliche Drittel mag ich gar nicht sprechen, nachdem ich so wirkungsvoll daraus getilgt wurde. Wie ein Dieb schleiche ich mich zurück, an einen Ort, an dem ich nicht länger erwünscht bin. Für was? Für Worte, die ich zurückhalten muss, weil ich Dir so viel an Gefühl nicht zumuten kann? Gefühl, das nicht angemessen zu sein scheint. Ich habe Dir einen Bruchteil davon offenbart - nein. Offenbart habe ich Dir gar nichts. Ich habe die Tür nicht abgeschlossen, wie immer in Deiner Gegenwart. (Weil ich mich sicher fühle. Bei Dir. Nur bei Dir.) Vielleicht hab' ich die Tür sogar ein Stück geöffnet - und Du hast in meine Stille gegriffen und den Teil ans Tageslicht geholt, den Du zuvor nicht sehen konntest, denn ich hatte ihn verschlüsselt.

Er war verschlüsselt - da sind nur wir Beide gewesen, an einem Freitag - und ich hab' nicht länger dagegen ankämpfen können, und hab' Dich in meiner Seele lesen lassen wie in einem Buch. Ich bereue. Es nicht. Ich bereue, dass ich damit fast vier Jahre lang gewartet habe. Aber weißt Du, ich hatte Angst. Angst, dass Du es nicht verstehen würdest. Angst, dass man Dich mir wegnehmen würde. Und vielleicht tat ich gut daran, denn im Grunde haben sie das getan. Wieso hast Du auch gesprochen? Nein - wenn ich sage, darüber zu sprechen war (D)ein Fehler, dann sage ich: Lass mich Dein Geheimnis sein. Das Gegenteil war der Fall. Bloß dass Du noch immer m e i n Geheimnis bist, denn nachdem ich daran gescheitert war, es im Februar diesem Therapeuten zu erzählen, habe ich es verschwiegen. Jedem. Einzelnen Menschen. Bis ich glaubte, das nicht eine Sekunde länger aushalten zu können. Ich kann es nicht länger aushalten, Cheza. Du sitzt unter meiner Haut. Und Du brennst wie Feuer.

Jetzt

Die Zeilen sind anders gebrochen. Mein Herz ist es auch. Sie existiert nur noch auf Papier, und in einem Raum, in dem "ihr" Bild an der Wand hängt. In einem Raum, für den ich so dankbar bin - aber manchmal habe ich Angst. (Doch was könnte schlimmer sein. Als sie zu verlieren.)

Freitag, 2. Oktober 2026

in lieu of flowers

is there a soul beyond the words
at the place that always hurts
scratch the walls until they bleed
then cover them in foreign meat

foreign colours passing by
at the funeral of I
can you will them all away?
fuck them fading, i won't stay

'cause i'm a person without you
and i was fooled by dreams untrue
paint the room in gold instead
but keep you hidden in my head

keep you hidden in my heart
'til the time has come to start
say goodbye to reverie
you and i can't see to see

Samstag, 26. September 2026

sarah's gone in the afternoons

does the staircase have to end
why can't i just be your friend
instead of sneaking through the door
like a thousand times before

a thousand times, I trusted you
a thousand times, the sky in view
but paradise does not exist,
the way is lost, lost in the mist

the mist that's seeping from your eyes
tell me, please, i'd pay the price
for a time that's marked - a thousand and one
but if she finds out, then we are done

Donnerstag, 24. September 2026

of lock and key

I am the warden, I am the key
The prison is inside of me
My inner voice still calls your name
I took the fall, but you're to blame

The world's ablaze behind the door
With honey-light; I'm on the floor
'Cause it's so lovely when I drown
You told me, then removed your crown

To eat all the silver, eat all the gold
Devour the secrets that I sold
For a taste of freedom, but never to last
Because violet now only exists in my past

The future looks blurry and I can't see
The lock that's supposed to set me free
So I remain inside of your garden
Still I am the key, still I am the warden