Posts mit dem Label Willkommen in meinem Kopf werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Willkommen in meinem Kopf werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 23. September 2026

L'Adieu

 I. Die Ausstellung ist [...] Zeitverschwendung.

Wirklich. Man muss das schon erklärt bekommen, sonst versteht man nichts davon. Da sind nicht einfach Bilder drin, oder Skulpturen, und man denkt sich: ah, hübsch. Oder wahlweise: das hätte ja meine Katze besser malen können. 

Natürlich gibt's nen Audioguide, den müssen Sie nicht mal bezahlen, der ist gratis. Der ist allerdings auch verfasst von einer Person, die nicht bekannt ist mit Kohärenz. Also: nicht hilfreich.

(Die Snacks sind auch gratis. Ich meine: der Snack. Es gibt Popcorn - das ist süß UND salzig, gleichzeitig, gemischt, und wenn Sie möchten, kann das gerne eine Metapher sein für das Leben. Es ist aber eigentlich nur, wie ich Popcorn esse.)

An der Garderobe ist kein Platz. Da hängt genau eine Jacke. Hunderte Haken sind noch frei. Aber nein, Sie können Ihre Jacke nicht mit dazu hängen - diese Jacke dort hat die Farbe von Sonnenblumen und ist ein bisschen flauschig; es ist eine Drinnen-Jacke, keine Draußen-Jacke. [...] (Außerdem ist da keiner, der Ihre Jacke entgegennehmen würde. Aber irgendjemand m u s s dort gewesen sein; da steht ein Teller mit Kuchen, Kirschkuchen, genauer gesagt, der ist halb aufgegessen - ganz bestimmt ist das auch eine Metapher, darüber, wie ich Dinge nie zu Ende bringen kann.) Ach ja, daneben haben wir ein Geschenk, das eingepackt ist in dunkelblaues Papier. 

Die Garderobe ist Ausstellungsstück A; ich nenne es: Komplementärkontrast. Gehen Sie durch die Tür daneben, hängen in dem Raum überall diese Tauben, die Picasso gemalt hat, und da sind Personen, die diese ganz andächtig betrachten, so mit auf den Rücken verschränkten Armen. Jede dieser Personen hat eine Maske auf. Es ist ein bisschen creepy, aber Sie müssen da leider durch, durch die nächste Tür, dahinter ist's ein bisschen wie im Planetarium, suchen Sie sich nen Sessel aus, lehnen Sie sich zurück, Sie sehen: das Regengestirn, den Aldebaran, die Plejaden - der ganze Himmel ist voll davon, Sie sehen nichts anderes. Sie hören: Constellations von Enter Shikari. Sie möchten nie wieder raus gehen. 

Sie können gerne noch bleiben. Aber nicht länger als 18 Uhr. Sie verlassen den Raum durch einen Windfang, der vorher nicht da war, und - hey, wie gut, dass Sie Ihre Jacke noch
tragen - ein kleines Stückchen geht's draußen durch den Garten. Der Garten ist wunderschön. Der Garten stirbt, schließlich ist es Dezember. Sie schauen trotzdem hin. Aber nur, weil Sie es nicht ertragen, [Cheza] anzuschauen. (Sie ist noch schöner. Als der Garten. Und alles, was da blühen würde, wäre es Frühling, oder Sommer, oder meinetwegen auch Herbst - da blühen dann Dahlien, und das sind meine Lieblingsblumen, und ich mag [ausgeklammert weil wegen Internet] nicht mal besonders gerne, aber -

Aber wie soll ich das in Worte fassen? Wie ich an [Cheza] denke, und an ihre Haare, ihre Augen, ihre Hände - ganz so, als sei ich, ja, vollkommen übergeschnappt, aber keine Angst, das müssen Sie nicht verbalisieren. Es reicht, wenn Sie sich eine Notiz dazu machen. Notieren Sie sich: Gehirnwäsche, denn wie könnte ich sonst? [...]

Wohin möchten Sie als Nächstes? Oh, d i e Tür da? Die siehst so anders auch, nicht wahr? Da gehen Sie durch, und dann noch durch sechs weitere, aber eigentlich können Sie sich den Weg sparen. Die letzte Tür wird verschlossen sein. Auf dem Schild daneben steht lediglich: Freitag. Ja, ich meine, Sie könnten durchs Schlüsselloch schauen. Aber ich weiß nicht so genau, was Sie dann sehen würden. Vermutlich steht die Welt dahinter in Flammen. Vermutlich ist das besser.

Also, machen Sie sich die Mühe besser gar nicht. Wir könnten hinauf gehen, in den ersten Stock. In den Raum, in dem immer die Sonne untergeht. Dort könnten Sie sich dann setzen, und eine Tasse Tee trinken. Dabei gibt es nur eine Regel: Sie müssen den Henkel so fest umklammern, dass Ihre Fingerknöchel weiß hervortreten - kriegen Sie das hin? Besser noch, wenn Sie die Zähne aufeinander beißen, sodass Sie's im ganzen Kiefer spüren, denn auf gar keinen Fall dürfen Sie den Mund öffnen, denn dann würden Sie etwas sagen, dass Sie garantiert bereuen werden. Nein, Sie haben Recht, Sie werden diesen Tee nicht wirklich trinken, der ist eher eine Art Requisite - ich hoffe, Sie sind nicht allzu sehr enttäuscht. Um unbefangen eine Tasse Tee zu trinken, braucht es ein Paralleluniversum - nach den ersten Schlucken gestehen Sie [Cheza] dann aber auch Ihre Gefühle, und wahrscheinlich ist es dann schon vorbei mit der Unbefangenheit. 

Wir gehen besser wieder, was? Schauen Sie, hier, in diesem Zimmer, hängen die Wände voll mit Buchseiten. Im Nachbarraum sind die Bilder untergebracht, die ich für [Cheza] gemalt habe. Im Zimmer daneben - ja, das sieht verdächtig nach einigen meiner Tattoos aus, das haben Sie gut erkannt. Hier sehen Sie Sterne, und noch mehr Sterne, einen Dolch, eine Briefmarke, und über dem Ausgang steht: et souviens-toi que je t'attends. Nein, das kann ich Ihnen nicht übersetzen, das wäre völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Ich glaube, für französische Gedichte, die vor mehr als 100 Jahren entstanden sind, gibt es hier irgendwo auch einen eigenen Raum. 

Lassen Sie mich gerade einmal auf den Plan schauen? Ah, wie habe ich d a s vergessen können: kommen Sie mal mit um die Ecke, hier finden Sie eines meiner Lieblings-Ausstellungsstücke. Ja, ich weiß, das ist ein Beet; Sie müssen die Osterglocken noch pflücken und dann in die kleine blaue Tasse da stellen, dann ist es fertig. Wenn Sie möchten, nehmen Sie danach einen von den Blaubeer-Muffins - da sind allerdings Mandeln drin; sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. 

Zum krönenden Abschluss präsentiere ich Ihnen: mein Wohnzimmer. Bleiben Sie bitte einmal genau h i e r stehen - Sie müssen bloß aufpassen, dass Sie nicht gegen die Bücherstapel stoßen, und ich setze mich schnell da rüber und lese Ihnen folgenden Text vor: [...]

xxxxx

II. Auszug aus einem Textgebilde, das fast eine Mail an meinen Therapeuten geworden wäre, haha. Ich würde euch viel Spaß wünschen, aber ihr seid mit dem Lesen ja schon fertig, also wünsche ich viel Spaß gehabt zu haben, falls Syntax es mir erlaubt. (Ich hab das noch kommentieren wollen, das ganze Gebilde, aber das lief dezent aus dem Ruder, jetzt bin ich zu müde, und überhaupt machen es mehr Worte an der Stelle wahrscheinlich auch nicht besser, also bleibt das jetzt so. Falls ihr wider Erwarten noch mehr wissen möchtet, müsst ihr euch doch den Audioguide runterladen. Ich verbleibe: mit vielen Grüßen aus meinem Museum.)

Freitag, 11. September 2026

anti/gravity

I. Der Atlantik ist mitternachtsblau und bricht sich in türkisen Wellen an den Klippen. Weiße Gischt sitzt wie eine Krone auf den dunklen Kämmen. Ich denke (trotzdem) an Deine (grünen) Augen. Paradox ist meine Normalität.

Und ich habe aufgehört, die Strichliste zu führen - schon bevor ich überhaupt angefangen hatte. Im Kopf bin ich bis fünf gekommen, vielleicht, dann dachte ich nur: fck my life. Und hab es akzeptiert; fühle mich deswegen nicht schuldig. Ich wünschte niemanden weg. Ich würde auch nicht tauschen wollen. Ein Zuhause habe ich in einem anderen Leben. In diesem bin ich ohne Dich glücklich, irgendwann.

II. (Aber das stimmt nicht. Ich würde, wenn ich könnte. Immer. Nur manchmal zögere ich.)

III. "Ich bin wegen Dir hier" denke ich. Hier, irgendwo auf dem Atlantik, bin in Morro Jable auf ein Boot gestiegen. Hier: überhaupt noch irgendwo auf dieser Welt. Bin ich nur noch wegen Dir. Und Du? Bist nicht mehr da, und ich kann's Dir nicht erzählen: dass ich gar nicht seekrank geworden bin, heute schon weiße Dünen, tiefblauen Ozean, und darin sogar Delfine gesehen habe. Kurz danach war ich kurz davor zu beschließen, dass Du tot bist. Weil die Geschichte sich so einfacher erzählen ließe; ich nichts für das Ende könnte. Aber ich will nichts mehr, als dass es Dir gut geht. Also hoffe ich, dass das so in Ordnung ist für Dich. Falls nicht: you know where. *

IV. Das Meer ist irgendwo unter einer Wolkendecke verschwunden. Ich starre auf die Innenverkleidung des Flugzeuges, die in einem lebensbejahenden Grau gestaltet ist, und denke trotzdem an Dich. Ich werde in meinem Leben wohl nie in ein Flugzeug steigen können, ohne daran zu denken, wie Du mir erzählt hast, dass Du überlegt hattest, Stewardess zu werden. Also sitze ich da, umgeben von Grau und Fremdheit, und stelle mir vor, wie Du wohl aussehen würdest in weißer Bluse und schwarzem Blazer, mit Zopf und Halstuch. 

V. Was tue ich denn eigentlich hier. FCK. 

VI. Und ich bin wegen Dir hier; auch wenn ich hier bin mit nem Kopf voller Gedanken, die vielleicht falsch sind, weil ich sitze hier neben Kätzchen, und wtf am I doing. Wenn Trauer bloß Liebe ist, die nirgendwo mehr hingehen kann, werde ich niemals aufhören damit. Ich wüsste nicht, wie - und ich wüsste nicht, ob ich wollte. Vielleicht, wenn ich Dich irgendwann aus mir heraus gesprochen habe, in winzig kleinen Stückchen, dann. Vielleicht höre ich dann auf mich so zu fühlen, als sei ich auf der Suche nach etwas, von dem ich weiß, dass ich es sowieso nie finden kann, weil es nur in meiner Vergangenheit existiert. 

* If you wanna break free, you know where to find me
If you wanna break free, you know where, you know where
Starset - Antigravity

Mittwoch, 24. Juni 2026

Sommer/Loch im Kopf

Ich stelle fest: ich nehme ihm den "Esstisch" übel, und das seit knapp einer Woche, obwohl ich weiß, dass das wohl kaum böse gemeint war. Seine Gedanken haben sicher einfach nur nach dem nächstbesten Möbelstück gegriffen. Der Satz hat mir im Endergebnis dann leider gar nicht gefallen; hat es denn unbedingt der Esstisch sein müssen? Das ist so unpersönlich, dass ich es fast schon als Kränkung empfinde. Ich hab also die Gedanken weitergeführt: welcher Begriff hätte sich an der Stelle passender für mich angefühlt? Ja, und dann hab ich nachgedacht über Möbel - was man eben so tut, wenn die Hitze einem das Gehirn weich kocht.

Natürlich waren das nicht irgendwelche Möbelstücke - nur welche, die sich dazu verwenden lassen, Zeit zu verbringen mit einer anderen Person. Bei meinem Ranking von "Persönlich" nach "Unpersönlich" musste ich die Möbelkategorie dann allerdings noch etwas ausdehnen, denn ich finde, den ersten Platz hat nicht das Bett, sondern die Badewanne verdient. Ich meine, ich habe schon mit befreundeten Personen in einem Bett geschlafen. Teilt man sich unter Freund*innen aber die Badewanne? Ich wage es zu bezweifeln und behaupte, dazu muss schon ein romantisches Interesse bestehen. (Und dann macht man das genau ein Mal. Friert sich dabei halb zu Tode, und lässt es anschließend. Ausgenommen davon sind wohl Personen, die eine große Badewanne besitzen. Oder die vielleicht sehr klein sind? Ich weiß es nicht genau; ich weiß nur, dass ich alleine in der Badewanne schon immer abwägen muss, ob nun meine Füße, Knie, oder Schultern für eine Weile frieren sollen. (Ich bin allerdings auch knapp 180cm groß.) Ich kann mir nicht vorstellen, wie klein Personen sein müssten, damit sie zu zweit bequem in eine Badewanne passen. Also, vielleicht Kinder. Aber auf die beziehe ich mich natürlich jetzt nicht.)

Ja, also: Badewanne > Bett, was den Persönlichkeitsfaktor betrifft, denke ich. Dann Sofa vor Bank, aber nicht irgendeine, sondern Gartenbank. D a n n folgt der Esstisch, und danach nur noch die Parkbank, weil ich die teilen kann mit völlig Fremden. Damit hätten wir nun im Endergebnis Badewanne > Bett > Sofa > Gartenbank > Esstisch > Parkbank. Der Esstisch ist also fast das Schlusslicht. Dass er mich jetzt nicht in ihr Bett denkt, okay, würde ihm im Traum wahrscheinlich nicht einfallen, aber ich finde, zumindest das Sofa hätte ich mir verdient. Für meine Grenzüberschreitung, haha; vielleicht braucht er den Esstisch um den Abstand zu wahren, weil sonst a) sein Weltbild kaputt geht, oder er mir b) wieder ein zwanzig-seitiges Regelwerk entgegen schleudert, oder c) beides dieser Dinge passiert. 

Nur dass mir das Ganze nichts anhaben kann; konnte es noch nie - mein Name steht nicht im Vertrag. (Vielleicht der einzige Vorteil, den ich je genossen habe, hier so am kürzeren Hebel.) Also bin ich ein Scherbenhaufen nur inoffiziell. Ich habe eine Menge verloren, zwar nicht am Esstisch, aber eventuell könnte ich da trotzdem etwas wieder finden? Es ist mein Herz oder mein Verstand; Ausschlussprinzip. (Aus-Schluss-Prinzip, wenn es nach ihr geht, in der Kategorie: fehlerhaft.) In die selbe Kategorie falle ich. Der Meinung bin ich nach wie vor. 
_______

Der Post dümpelt schon ein paar Tage hier rum, eigentlich wollte ich den noch "zu Ende" schreiben - wie auch immer das ausgesehen hätte. Aber ich veröffentliche das jetzt so, damit ich mit dem nächsten Post anfangen kann, haha. Muss vorher nur vielleicht mal eine Runde auf meine Gefühle klarkommen. Sonst endet das in einem absoluten Chaos. 

Samstag, 14. Februar 2026

3274&C

Montag, 19. Mai 2025
Wenn ich könnte, würde ich den ganzen Tag diese Bruchstücke aus mir heraus schreiben, dann könnte ich sie zusammen puzzeln und mein Trauma irgendwo hinstellen, ins Regal vielleicht; auf jeden Fall hätte es dann keine so scharfen Kanten mehr und würde mir nicht mehr so weh tun. Ich schätze nicht, dass es schön aussehen würde, wahrscheinlich wäre das Regal gar kein so guter Platz, aber es darf in keiner Schublade mehr verschwinden. Ich müsste es wahrscheinlich ansehen, in all seiner Hässlichkeit, bis ich hinsehen kann, ohne mir die Lunge aus dem Leib schreien zu wollen, und dann könnte ich es irgendwo zur Ruhe betten; vielleicht könnte ich es dann doch in der Schublade vergessen, zwischen Teelichtern und, ich weiß nicht, Büroklammern? Es könnte dort friedlich ruhen, und würde mir gar nicht übel nehmen, dass ich es vor fünf Zeilen erst „hässlich“ genannt habe. Ich meine das gar nicht böse, aber wie soll ich Gewalt in etwas Schönes verwandeln, in etwas, das man sich gerne ins Regal stellt?

Mein Trauma ist: ein wenig stachelig, so wie eine Kastanie, sodass man nicht genau weiß, wie man es anfassen soll, ohne sich in die Finger zu stechen. Es ist zu groß für die Hosentasche, und zu schwer für eine Handtasche, wenn man es mitnehmen möchte, braucht man einen Rucksack. Es hat in etwa die Farbe von einem Pfirsich, aber das ist nur die Schale; im Inneren ist es ganz schwarz, und wenn man es schneidet, hört es nie wieder auf zu bluten.

Es gibt keinen Lichtschalter. Das verdammte Licht kriecht durch die Augen bis ins Gehirn und brennt dort durch sämtliche Synapsen, bis man nichts mehr sehen kann außer Hände, die etwas berühren, was nicht berührt werden sollte. Wenn man es zu lange festhält, wird es ein wenig klebrig, und wenn das Flecken auf der Kleidung hinterlassen sollte, falls man nicht aufpasst, ist die ruiniert, weil es nie wieder rausgeht. Man braucht viel zu lange, um es von den Fingern zu waschen, Seife hilft nicht, man muss daran schrubben, bis die Haut fast blutig ist. Es ist völlig geruchsneutral; es riecht kein bisschen nach seinem After-Shave, wo kämen wir denn da hin. Es ist Freitag, und es saß zu lange im Zug – nein, das bin ich. Es gibt keinen Ton von sich, es darf nicht schreien, auch wenn man ihm Schaden zufügt – nein, das bin auch ich. Wie viel von meinem Trauma bin ich?

Samstag, 14. Februar 2026
Es existieren noch 3274 Worte, die ich geschrieben habe, bevor ich mein Trauma mit einer Kastanie verglichen habe. 3274, weil ich Gewalt nicht länger in Schweigen hülle, aber im Internet veröffentlichen kann ich die nicht, es gibt schließlich Grenzen. Ich kenne meine sehr gut - ich muss sie überschreiten, weil sie überschritten worden sind. 

Dann kam der Tag, an dem die Fische starben. Und ich meinen Therapeuten habe teilhaben lassen. Ich hab das Buch gelesen, die Worte gefunden, mich in Brombeeren gekleidet und in Würde, und dann bin ich doch wieder weg gelaufen, weil ich mich meinen Gefühlen nicht stellen konnte. Weil ich nicht wusste, wie; weil ich es immer noch nicht weiß, weil ich nicht sagen kann, wie viel Würde es braucht, um Ohnmacht in Macht zu verwandeln. 

Aber ich muss doch. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, mich zu retten. 

Ich weiß nicht, wie viel davon ich ins Internet schreiben werde, oder warum ich das hier überhaupt tue: Blogger ist nicht der passende Ort, um gehört zu werden. Und will ich das denn überhaupt. Doch Buchstaben zu Worten zusammenzufügen, ist das einzige das ich mit Sicherheit kann. Also tue ich es. 

Mittwoch, 4. Februar 2026

geisterliebe

I. die asche hörte damit auf, meinen namen zu flüstern, nachdem ich ein machtwort gesprochen hatte. nachdem ich realisiert hatte: die brücke zurück in die vergangenheit brennt zwar lichterloh - aber was ist, wenn das nicht mehr die richtung ist, in die ich gehe? 

II. es ist kalt. seit dem zeitpunkt, an dem ich mich abgewandt habe; seit ich den gefühlen ein ansehnliches gewand geschneidert habe, so dass sie nicht mehr länger wirken wie groteske gestalten, die sich nicht in die öffentlichkeit wagen dürfen. 

aber ihre gefühle dürfen nicht existieren auf papier. das würde schließlich spuren hinterlassen. und das darf es doch nicht; wir lieben wie geister. 

und weil ich das doch weiß, habe ich mir ein zeitfenster gesetzt. jetzt warte ich nicht mehr. (ich warte nicht mehr. aber ich warte auch nicht weniger.)

ich kann nicht anders.

ich sitze hier wartend; darauf, dass meine geisterliebe einen weg findet, diese mauern zu überwinden. die in ihrem kopf meine ich, und die um ihren hübschen kopf herum auch. 

III. meine gefühle sind wohl wahrhaft schlechte geister, was? die können nicht so mir nichts, dir nichts, locker-flockig durch diese wände schweben. 

dabei müsste sie nur das wort sagen. dann könnte ich sie sogar mitnehmen in mein neues leben. dann könnte sie mir sagen, ich solle weniger arbeiten, weniger kaffee trinken und meinem therapeuten nicht so viel von ihr erzählen.

IV. tja. aber, aber, aber.

aber ich muss doch.

also geht's genauso weiter. nur dass ich nicht mehr sterbe, wenn ich in den briefkasten schaue. 

V. ich sterbe nicht mehr, wenn ich in den briefkasten schaue. 

aber ich sterbe auch nicht weniger.

Mittwoch, 1. Oktober 2025

Are you there?

Yes.

Könnte man meinen. Sollte man meinen, verdammt. Das hat sie mir versprochen. Und jetzt klebe ich Idiot seit drei Tagen an meinem Handy fest, als sei ich Gen Z. Bin ich aber nicht. Es sei denn, dieses Z steht für: ziemlich unzufrieden mit dem Verlauf der letzten Monate - da, ich hab's in Ordnung gebracht.

Ich habe es so satt, meine Zeit mit dem klassischen Warten zu verbringen. Ich möchte nicht mehr; ich möchte, dass auf Worte nun vielleicht auch mal Taten folgen, bitte danke. 

Ich möchte auch nicht, dass ich ständig nachfragen muss - ich muss doch klingen, als hätte die Platte nen Sprung. 

Hat sie nie gestört, all diese Sprünge, in meiner Persönlichkeit, meine ich; die hab ich mir selbst attestiert. Und dann sieht sie mich gar nicht als Trümmerhaufen. (Sie sieht mich gar nicht mehr. Ha. Haha. Hahaha.)

Ja, ich kann mich gut daran gewöhnen, danke der Nachfrage. Ich könnte mich sicherlich auch sehr gut daran gewöhnen, würde mir plötzlich ein Bein fehlen.

(Oh, ups. Das hab ich im letzten Post schon erwähnt. Dass ich mich fühle, als würde mir ein Körperteil fehlen. Macht nichts. Oder?)

Ja, dann lass mich doch auch Teil Deines Lebens sein, wenn Du da seltsamerweise irgendwie Gefallen dran gefunden hast? Dafür müsstest Du aber ein bisschen mehr tun als: gar nichts. 

Dass ich erstmal nen halben Nervenzusammenbruch hatte, bevor ich überhaupt den Stift auf das verdammte Papier setzen konnte, weiß natürlich auch wieder niemand. (Außer Kätzchen. Und mein Therapeut. Also: niemand +2.) (Weil: auf Postkarte folgt WhatsApp Nachricht folgt Telefonat folgt WhatsApp Nachricht folgt Telefonat folgt Postkarte.)

Und ich weiß nicht mehr so genau, worauf ich warte. 

Warte ich auf sie. Oder auf das Ende. Und das, obwohl es keinen Anfang gab.

I hear you
I feel you
I know you
Are you there?
Weather Systems - Are you there? Part 2

Sonntag, 20. Juli 2025

dead letters: postcard from 1952

R., ich vermisse Dich. Und ich war darauf vorbereitet, Dich zu vermissen. Aber nicht so. Mir war nicht klar, dass es sich so anfühlt, als würde mir ein Körperteil fehlen, wenn Du mir fehlst. (Immer hast Du mir gefehlt, auch wenn Du bloß in der Küche gesessen hast, ein paar Meter nur von mir entfernt. Immer hast Du mir gefehlt, wenn wir uns nicht gerade im selben Raum aufgehalten haben, weil es schöner ist mit Dir.) Und jetzt ist alles anders. Weil wir nicht nur ein paar Meter voneinander entfernt sind, oder ein paar Kilometer, sondern hunderte; hunderte Kilometer sind wir voneinander entfernt, ich hab fast vier Wochen lang kein einziges Wort gehört von Dir, bis auf ein paar Sätze auf einer Postkarte, und ich weiß nicht, ob ich Dir auch schreiben soll, oder besser nicht, weil Du ja Abstand möchtest. Und das tut weh - all diese Einzelteile tun weh, und zusammen tut's noch viel mehr weh.

Zwar sind da Sätze auf einer Postkarte - also, da sind Sätze, aber hat es denn ausgerechnet eine Postkarte sein müssen? (Ich hab ein schwieriges Verhältnis zu Postkarten. Eine Postkarte hat mein Leben gerettet. Eine Postkarte hat mir gezeigt, dass ich nicht genug für sie bin. Und dass ich nie genug sein werde, auch nicht in meinem Leben 2.0 - Postkarten sind das Symbol für Ambivalenz schlecht hin. Wenn ich mal Lust habe, ausgiebig zu weinen, lese ich mir Postkarten durch. Dann kann ich so richtig schön meiner Vergangenheit nachtrauern. Und jetzt stellt eine Postkarte mir Zukunft in Aussicht? Am. Bi. Va. Lenz.)

Sogar die beiden Postkarten-Songs, die ich kenne, könnten nicht gegensätzlicher sein. Hier ist einer davon. (Der andere: Zebrahead - Postcards From Hell. Der Vollständigkeit halber.)


Jetzt zum Inhalt, was? Oder zu Füßen, in Türen? Mal wieder? Dein Fuß, in meiner Tür, und ich wünschte, ich könnte so fest zu ziehen, weil es gefährlich ist, Dich zu brauchen; weil es gefährlich ist, überhaupt eine andere Person zu brauchen. (Aber. Mich alleine zu lassen mit mir selbst ist auch gefährlich; ich brauche Dich: es ist nicht nur schöner mit Dir, sondern auch einfacher. Manchmal komme ich mir selbstsüchtig vor. Und dann lese ich sowas.)

"Ich bin froh, dass Du Teil meines Lebens bist." Hä? Was?? Wie??? Das muss ein Tippfehler sein. Ich meine, ein Rechtschreibfehler. Ich meine: ein Fehler in der Grammatik, falsche Zeitform gewählt. "Ich bin froh, dass Du Teil meines Lebens warst" klingt viel passender; jetzt hättest Du doch die einmalige Chance, mich loszuwerden. "Ich bin froh, dass Du kein Teil meines Lebens mehr bist." (Okay, das ist zu krass, selbst für meine Verhältnisse. "Sie können sich nicht vorstellen, dass andere Personen sich für Sie interessieren" meinte mein Therapeut letztens zu mir, und damit hat er ganz Recht. Und nun ist das hier mehr als nur: Interesse.)

Aber: was zum Teufel ist das hier denn? Also, ich könnte jetzt vier Jahre Revue passieren lassen und daraus Schlussfolgerungen ziehen. Ich könnte es auch runterbrechen auf das eine Wort, das mein Therapeut dafür verwendet hat - oder besser noch auf das Wort, das sie dafür verwendet hat: Seelenverwandte, aber ich weiß nicht mehr, was das bedeutet; meine Vorstellung davon liegt in Scherben. Ich weiß nicht, ob Du eine Ahnung davon hast. Eigentlich spielt das auch keine Rolle. Du hast auf jeden Fall Worte dafür gefunden; Worte mit denen ich nicht so sehr auf Kriegsfuß stehe wie mit denen auf Deiner Karte. 

Doch immer noch hänge ich zwischen den Zeilen jetzt. 

Zwischen den Kapiteln; unseren Kapiteln. In diesem jetzt geht es um mich ganz alleine, und der Inhalt überfordert mich. Das Leben überfordert mich. Ich hab's schon reduziert auf: Existenz und selbst das erscheint mir ein Ding der Unmöglichkeit manchmal. Fühlt sich nicht gut an, Kollateralschaden zu sein, denn mehr ist Dein Abstand brauchen im Grunde ja nicht. Du brauchst keinen Abstand von m i r. Nur von etwas, dessen Teil ich nun einmal bin. (Und bleiben werde. Mit Montag, und allem was zu ihm gehört.) Fühlt sich nicht gut an, dieses schlechte Gewissen, weil ich etwas bekomme, das [Name] verwehrt bleibt. Fühlt sich nicht gut an, diese Distanz, und dieses Schweigen, und das Nicht-Wissen. Manchmal weiß ich nicht mal mehr, was ich denn nun eigentlich will, von Dir. Das geht dann nicht konform mit meinen Wünschen - dass ich vielleicht auch etwas Abstand vertragen könnte, nur um mir zu beweisen, dass ich von Dir nicht so schrecklich abhängig bin. Natürlich könnte ich das auch alleine.

Wenn man alles richtig macht, braucht man den Wendepunkt schließlich nur ein Mal -

Mittwoch, 25. Juni 2025

life is but a spiral // spinning round i get to you

Falling in a circle
I can't promise, but I do
Life is but a spiral
Spinning round, I get to you

And by the low tide
I feel our walls are falling
They're crumbling down to the ground
Since we've been stalling

Stop this high tide, because I think I'm drowning
I never learned to swim, I swear my death is coming

Es ist lediglich der Preis, den ich zahle, für mein Alles, versuche ich mir zu sagen. Es ist bloß der Preis; die Tränen und das Warten, und dass sie mir -

Und dass das Vermissen mir die Kehle zuschnürt. 

Es ist lediglich der Preis, dass ich hier hänge, zwischen den Zeilen, nachdem das letzte Kapitel beendet ist, und das Neue noch nicht begonnen hat. 

Ich kann noch weiter warten; auf jeden Fall kann ich das. Im Warten bin ich Experte, das habe ich perfektioniert, in jahrelanger Übung. (Fast. Perfektioniert. Ich hab noch nicht ganz herausgefunden, wie man nichts von seinem Verstand dabei einbüßt.) 

Vielleicht kann ich das inzwischen besser? Weil ich mittlerweile dazu gelernt habe. 

Aber ich habe auch gelernt, dass Menschen ihre Versprechen brechen.

Vielleicht, vielleicht, vielleicht, schien es deswegen für sie fast eine Selbstverständlichkeit zu sein. Wir sehen uns sagt sie, und dann bleibe ich stehen. I c h gehe nicht. Ich schaue zu, wie sie ins Auto steigt. Und dann erst schwimme ich davon. 

(Montag an meiner Seite, der für das ganze Schlamassel irgendwie verantwortlich ist. Aber Montag ist mir nicht gewachsen. Er wird schon sehen.

Ich werde schon sehen. Richtig? In meinem nächsten Kapitel; es wird unser nächstes Kapitel sein. Weil wir uns jetzt loslösen können, und gesellschaftliche Konventionen unserem Uns nicht mehr im Weg stehen.)

Aber erst braucht sie ein bisschen Abstand, sagt sie, und ich habe Angst, dass sie ihre Meinung ändert. Falls sie mich loswerden möchte, hat Montag ihr den passenden Zeitpunkt auf einem Silbertablett serviert. 

Sie hat mich ja aber auch nicht loswerden wollen die letzten vier Jahre, richtig? Und ich warte schon so viel länger. Ich kann noch ein bisschen länger warten; es ist lediglich der Preis, den ich zahle. Für sie; für mein Alles.

Digging our way out the sorrow
Finding our way back tomorrow
Discovering something inside of you I've wanted so long
Auger - My Death

Freitag, 30. August 2024

Ein Eselsohr auf Seite 9

I. Ethische Wertentscheidungen, Auftreten in der Öffentlichkeit, unwürdiges Verhalten, satzungsrechtliche Regelung, ethische Prinzipien, landesrechtliche Vorschriften, allgemeine Obliegenheiten, geltende Vorschriften, besondere Sorgfaltspflichten, professionelle Gestaltung, einwandfreies Vorgehen, gesetzliche Bestimmungen, höherwertiges Rechtsgut, gesetzliche Vorschrift, gesetzliche Verpflichtung, gesetzlich vorgeschriebene Fristen, professionelle Haltung, gerichtliche Entscheidung, unlautere Weise, möglicher Verstoß, ordnungsgemäße Versorgung, gesonderte Regelungen, gesetzliche Geheimhaltungspflichten, schutzwürdige Belange, sachliche Vermittlung, schriftliche Einwilligungserklärung, nach bestem Wissen und Gewissen.

II. Das erste Mal habe ich eingelenkt, nach Monaten, das zweite Mal war's Interesse, jetzt, das dritte Mal, eher eine Art von... Unterhaltung, I guess? Es amüsiert mich; es amüsiert mich auch, dass all diese verdammt wichtigtuerischen Formulierungen ihr Ziel komplett verfehlt haben. Es wird zwar noch ein viertes Mal geben, und ich werde zum Textmarker greifen, weil Hirn = Sieb, aber verdammt, schicke Rüstung hast du da, kleiner Tempelritter. Willst alle (meine) Blicke von dir lenken, damit ich dein hohes Ross nicht bemerke, aber so läuft das nicht, und ich kann das Wiehern doch auch hören, daran hast du nicht gedacht, was? Du meinst es sicher sicher auch nur gut, wie Rell sagt, oder soll ich dich doch mit Lobpreisungen schmücken? Geht das denn noch, nachdem ich hier so kühn in meinen Sieben-Meilen-Stiefeln über Grenzen schreite? Weil es das ist, was ich tue; weil es das ist, das WIR tun, sie und ich. Und ich hoffe hoffe hoffe dass ich bei Tageslich wieder anders darüber denke, aber ich bin so dicht davor, zum Telefon zu greifen, und dann stellt sich schon heraus, wie weit meine Füße mich dieses Mal tragen. (Bin so besessen von dem Gedanken, uns ein anderes Ende zu schreiben, ein besseres, ein Ende mit Würde, vom Himmel bis zum Ozean.)

III. Du bleibst immer ein Versprechen
Lieferst tausend gute Gründe
Das kann kein Verbrechen sein
Und wenn doch, dann sicher keine Sünde
ASP - OdeM

Mittwoch, 28. August 2024

chapter 56: absti-none-ce

Gestern. Ich halte diese blöde Tüte in der Hand, so als könne mir der Inhalt die Finger verbrennen. Ich denke mir: gut für ihn. Ich frage mich, welche Gedanken ihr wohl durch den Kopf gegangen sind, beschließe dann, dass mich das Thema emotional zu sehr aufwühlt und schaue nicht mehr hin, bis heute, bis zu meiner Therapiestunde.

Was haben wir denn da verstanstaltet? Oh, und w i e wir es veranstaltet haben, nachdem "Normalerweise" außer Kraft gesetzt war, weil das für mich NiChT FuNkTiOnIeRt. Ihr seid alle schon dabei gewesen. War es nicht perfekt? Der Dialog, die Requisiten, die Kostüme und das Bühnenbild, es war die perfekte Lüge, wirklich. (Der sterbende Garten. Die sonnenblumengelbe Jacke. Dunkelblaues Geschenkpapier und meine stetig zitternden Finger. Eine Blume, die nicht sterben kann; eine Blume, die sich in mein Gedächtnis gebrannt hat; eine Blume, wunderschön und giftig, Ironie des Schicksals, etc pp. Dann natürlich noch: Kälte, ein weißes Haus - ihr habt es tausende Male gesehen, ich habe es tausende Male beschrieben. Was neu ist: ein Buch, in dem die Sätze sich lesen wie Blasphemie, Geistermusik, ihre Berührung, die mehr sagt als all ihre Worte zusammen, und: letzte Male.

Jetzt, hier, will ich am liebsten irgendwas in Brand setzen. Ich werde aber: frühstücken, meine Blumen gießen, dann brav auf die Arbeit fahren, danach mit Kätzchen ins Kino gehen, und mir einreden, dass das Thema nichts mit mir macht. (Ich hab das doch gewusst, alles und von Anfang an. Ich hab das doch gewollt, alles und von Anfang an. Spielt keine Rolle, sagt der Therapeut. Er hat ja keine Ahnung. Das ist gar kein Vorwurf, ich kann seine Fragen auch nicht beantworten. (Nochmal, jetzt die Wahrheit: Das ist gar kein Vorwurf, ich scheue mich, seine Fragen zu beantworten.) Manchmal denke ich, ich sollte einfach zustimmen, dann hätte das Ganze schon ein Ende.  So bin ich aber nicht gestrickt. Noch dazu müsste ich dafür lügen; ich müsste meinem Therapeuten ins Gesicht lügen und das wäre ja nun wirklich selten dämlich.)

Jetzt, hier, scrolle ich durch meine Anrufliste, anstatt zu frühstücken. Ich starre an die Wand, anstatt zu frühstücken, versuche meinen Gedanken zuzuhören, aber nur sie spricht zu mir, spricht ihre Worte direkt in mein Ohr. Sie ist da, aber ich kann sie nicht mehr fühlen. Ich fühle sie nicht mehr.

Mittwoch, 7. August 2024

darling, you don't have to say a thing / your silence says everything

Woche 2, Tag 4 (Samstag)
Läuft irgendwie alles nicht so geplant, aber wann tut es das schon mal, das Leben? Bin krank seit Donnerstag, war am Freitag trotzdem auf der Arbeit, und messe nachmittags zuhause 39° Fieber. Ups. Seitdem bin ich mit Rumliegen beschäftigt. Heute kann ich zumindest schon wieder Serien schauen, kurz, aber gestern waren schon Hörspiele problematisch. (Wobei ich Alice im Wunderland durchaus empfehlen kann.) Die nächste Woche stresst mich jetzt schon, weil auf der Arbeit diesdasjenes geplant ist und ... ich niemanden enttäuschen will, I guess? Dieses Mal sind da aber Zahlen, die lassen sich nicht so leicht ignorieren. Wenn das Thermometer am Montag immernoch eine erhöhte Körpertemperatur anzeigt, bleibe ich im Bett. (An der Stelle muss ich mich selbst einmal an die Eichhörnchen-Momente erinnern. Die sind ein klares Zeichen für: Ausruhen.) Was ich jetzt auch tun werde, sonst bekomme ich nur wieder Kopfschmerzen.

Woche 2, Tag 5 (Sonntag)
Da sind wieder Momente; nicht-nahe-genug-kommen-können-Moment, und die Hölle bricht los.

Woche 2, Tag 7 (Dienstag)
Meine Träume sind violett; seit 9 Jahren, 4 Monaten und 15 Tagen. Meine Träume sind eine Rebellion - sie auszusprechen in einem Königreich mit türkisen Wänden muss einer Kriegserklärung gleich gekommen sein. Und hätte ich nie von ~Freitag~ geträumt... Freitag war der Funke, der - / Hast Du es gewusst? Hast Du es gewollt? Damals schon? Was ist Dir durch Deinen hübschen Kopf gegangen, einen Sommer lang, während ich Geister jagte und auf ein Wunder hoffte? / "Wie ein Geschenk" höre ich Dich sagen; ich sitze jetzt hier in meinem Wohnzimmer und will irgendwas kaputtmachen.

Woche 3, Tag 1 (Mittwoch)
You're not holding up your end of the bargain
But I'll continue to hold up mine
Being As An Ocean - L'exquisite Douleur

Donnerstag, 25. Juli 2024

watch me as i cut through my relationships // i hold onto love, then i leave on my own again

"thank you so much"

Woche 1, Tag 2
Kommt mir vor wie ein Logbucheintrag. Ich habe mir das Schreiben auferlegt, die nächsten vier Wochen lang, nur um das Nötigste festzuhalten. Weil das mit dem Erinnern ja bloß so eingeschränkt funktioniert. (Dazu kommt, dass mein Gehirn seit gestern entspannt in der Hängematte liegt, mit nem Pina Colada in der Hand. Natürlich inklusive Schirmchen und, ich weiß nicht, Marshmallow?) Und schließlich wurde es so langsam auch echt mal wieder Zeit, nicht? Schließlich ist der letzte Eintrag acht Wochen her. (Trotzdem wurde mein Blog in diesem Monat über 700 (!) Mal aufgerufen, was mich ein wenig irritiert. Leute, was ist los mit euch?)

Was passiert ist in dieser Zeit? Die üblichen Lebensdinge, denke ich. Stress, Urlaub, Entspannung, Stress, Depressionen, Venlafaxin, Therapie, Liebe, noch mehr Liebe, Flashbacks, ein beherztes Aufziehen der Traumaschublade, und noch sehr viel mehr Liebe. Und das ist erst der Anfang.

Jetzt aber mal zum Wesentlichen: zu mir, auf dem Fußboden sitzend, mit den Beinen übereinander geschlagen, mit einem Bier in der Hand, mit dem Rücken an die Bühne gelehnt. Ich kann beobachten, wie der Raum sich stetig füllt mit Menschen; das hier ist mein Element. Ich denke mir: Nein. Ich denke mir ein ausdrucksstarkes Nein, mit einem vehementen Punkt dahinter, vielleicht sogar schon fett gedruckt, Nein., wäre das nicht noch schöner? Die Frage dazu lautet: "Wollen Sie Cheza wirklich das Feld überlassen?" Der Fragensteller: mein Therapeut. Ich erschrecke mich dann ein wenig über meine Deutlichkeit, denn eine lange lange Zeit hätte ich ihr das Feld überlassen; ich hätte ihr nicht nur mein Feld überlassen, sondern alle Felder dieser Welt, und das ohne ein Zögern. Naja, mittlerweile wissen wir alle, wie die Geschichte weiter- und vor allem: ausgegangen ist. Der Abend ist ein Abschied, wieder, und das vielleicht auch nicht zum letzten Mal. Sie hat den ganzen verdammten Himmel auseinander brechen lassen. Jetzt bin ich der Regen.

Where were you when the sky opened up?
Is that when we died?
Is that when we learned to survive?
Watch me as I cut through my relationships
I hold onto love
Then I leave on my own again
The Dangerous Summer - Where were you when the sky opened up?

Freitag, 24. Mai 2024

after some good days / you will see / the end / from here

auf dem weg zur arbeit; point of no return läuft zum dritten, vierten, fünften mal. höre die worte i won't turn around wieder und wieder, fast wie eine beschwörung, und kann es doch nicht glauben. ich drehe mich um, jeden verdammten tag; vor lauter über-die-schulter-gucken schmerzt mein nacken, aber nicht so sehr wie mein herz. nie so sehr wie mein herz. der satz "wenn der preis für meine freiheit ist, dich zurückzulassen, dann ist das wohl sogar das beste" ist vor mittlerweile über einem jahr auf das papier geflossen, und von freiheit keine spur. in meiner welt aus asche hinterlässt niemand eine spur. ich weiß nicht, wie ich es erlauben soll; kenne nur narben. "ich bin eine katastrophe" meine ich zu rell, weil ich mich nicht traue ihr zu sagen, dass mein kopf mich tot sehen möchte, wieder, und dann kann ich über eine stunde lang nicht aufhören zu weinen. my demons läuft zum sechsten, siebten, achten mal, während ich meine einzelteile aufsammle und notdürftig zusammensetze; ich habe lediglich die form von mir, der rest - das innen - ist ein chaos. und bleibt ein chaos. ich kann mich nur zuhause zusammen setzen, so scheint es mir, und kann doch nie wieder an diesen ort gehen. "meine kleine, wir sehen uns am montag" trägt mich durch die tage; mal sehen, bis an welchen punkt.

Sonntag, 21. April 2024

too late

Ich schlage die Augen auf und weiß ein paar Momente lang nicht, wo ich bin. Weiß nur, dass sie gerade noch in der Tür stand; jetzt ist niemand mehr an dieser Stelle, und alles daran ist falsch. Mich trifft die Erkenntnis, dass sie auch nicht in der Küche mit dem Frühstück auf mich warten wird: Ich bin alleine hier, in einer Wohnung mit viel zu weißen Wänden; ich bin alleine hier, seit fast 13 Jahren. Es sind noch 6 Tage - ich habe das schon oft getan, ich kann es wieder tun - und ich wünschte, dass die ganze verdammte Welt einfach verschwinden würde. [Ich wünschte auch, dass ich mich betrinken könnte, aber es ist 16:36 Uhr und das geht doch nicht.] Ich bin müde. Ich kann meine Gefühle nicht zulassen. Mein Therapeut regt mich auf. Sie fehlt mir. Ich will nie wieder das Haus verlassen. Rell ist das einzige in meinem Leben, das nicht so entsetzlich kompliziert ist. Liebe ängstigt mich zu Tode. Ich möchte irgendwas kaputt machen. Ich kann das mit Cheza nicht so stehenlassen; möchte mich bei ihr entschuldigen, aber ich will sie nicht anrufen. Ich "muss" bald für ein paar Tage in mein "altes Leben" zurück kehren und alles daran widerstrebt mir. Ich weiß es doch auch nicht.

And I don't need no time
Lost somewhere in this great divide
Taken by chance and racing here instead
And I don't need no time
With shadows cast from fading lights
Taken by chance and racing here instead
Antimatter - Too Late

Freitag, 19. April 2024

i take your hand in mine // you turn the lights out

I. Ich will einfach nur nach Hause und das geht nie nie wieder; und er will mir erzählen, dass das alles so falsch war, dabei hat er keine verdammte Ahnung, wovon er redet. Er war gar nicht mit dabei, ihm steht nicht zu, das zu beurteilen - zu verurteilen, so als sei sie irgendein manipulativer Mensch gewesen, er weiß ja gar nicht, was er da sagt. Und er wird es auch nie verstehen - er wird es nie verstehen können, und vielleicht ist das auch in Ordnung. [...] Und jetzt bin ich schon wieder in eine Situation geraten, in die ich nie wieder kommen wollte. Ich möchte das nicht mehr machen; ich will nach Hause, will nicht glauben, dass es das mit uns gewesen ist - 

II. Und ich würde tausend Nächte an Deinem Altar knien.

III. What we were is just a myth, a stupid joke, another fable
Tying knots, just to break them in a violent display of
How we know, that we've been fooled by what we thought
Was something real, something real
I take your hand in mine
You turn the lights out
Blacklit Canopy - Graves

Donnerstag, 29. Februar 2024

rattenschwanz (oder: as if the world wasn't ending)

- forget the world for now, my love
and live these days with me 
as if the world wasn't ending -

nur ein seltsamer text, den ich über eine situation geschrieben habe, in der rell und ich gewesen sind, zu einer zeit im letzten jahr, als es warm war. ich war sehr nüchtern damals, und ich bin es jetzt nicht so sehr; bin aber auch nicht wirklich betrunken - ich arbeite noch daran. mir geht's nicht so gut. ich möchte nicht darüber reden. und ich möchte darüber reden, aber ich weiß nicht mit wem und noch weniger weiß ich, was ich sagen soll, weil ich nicht verstehe was mit mir los ist. der therapeut redet von irgendeiner "erkrankung" - so als sei das selbsterklärend, und ich hab keine peilung, was er meint. rede ich mir zumindest ein. oder: versuche ich mir einzureden.

er nennt es mittelschwere depressionen, und ich weiß nicht was das soll; das hier ist mein normalzustand, ich weiß schon gar nicht mehr wie es sich anfühlt, sich nicht so zu fühlen. dann, am letzten wochenende, klinge ich wohl wie eine schallplatte mit einem sprung: ich kann nicht mehr sage ich zu meinem someone. ich kann das alles nicht mehr. und dann weine ich mir sämtliche flüssigkeit aus dem körper, bis auf den letzten tropfen. insgesamt ein eher unschönes ereignis, und in mir wächst die überzeugung, dass er (also mein someone, nicht mein therapeut) mich irgendwann nicht mehr will, sondern sich jemanden sucht, mit dem er es einfacher hat. jemanden ohne dieses ganze kram: gender-kram, grace-kram, trauma-kram, they-hat-seit-anderthalb-tagen-nicht-mehr-auf-meine-nachrichten-reagiert-soll-ich-da-jetzt-vorbeifahren?-kram. ich meine, ich bin letztens in seinem bett aufgewacht, mitten in der nacht, und hatte von ihr geträumt, und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sogar ihren verdammten namen gesagt habe. ich meine, wassolldenndas? (ich leere meinen zweiten drink gerade in unangemessener geschwindigkeit, und würde gerne irgendwas kaputt machen; am liebsten mich selbst.)

und: ich war der festen überzeugung, dass ich gar nichts zu sagen habe - dafür nimmt das hier ganz schön große ausmaße an; alternativer titel sollte vielleicht sein: wie ich mich selbst gaslighte bis ich kurz davor bin schluss zu machen, weil ich mich für beziehungsunfähig halte. (würde ich aber nie. weil ich so verdammt selbstsüchtig bin. mir geht's so viel besser mit ihm. aber ich kann halt nicht sehen, dass es ihm besser geht mit mir - nein: ich erlaube mir nicht, das zu glauben, mein selbstwert lässt das gar nicht zu. er ist absolut verliebt in mich. er weiß nur noch nicht, dass das ein fehler ist.)

was ich jetzt tun werde? also: außer noch eine stunde angenehm angetrunken* zu sonata zu viben und nutella biscuits zu essen? keine ahnung. vielleicht sollte ich an irgendeinem punkt mit ihm (also mit meinem someone, aber wahrscheinlich auch mit meinem therapeuten) darüber reden - ich möchte bloß nicht dass er weiß, dass ich so furchtbare gedanken habe. ich möchte ihm das alles nicht zumuten. ich kann nämlich ganz gut damit umgehen (minus den part, an dem ich mich gezielt alkoholisiere an einem donnerstagabend, weil ich nicht mit meinen gefühlen zurecht komme) - was bleibt mir denn auch anderes übrig? mein kopf will mich tot sehen, phasenweise, mein halbes leben lang - aber er ist zu sensibel für den ganzen scheiß. andererseits: er kann inzwischen auch erstaunlich gut umgehen mit dem ganzen trauma-kram, also vielleicht wird das mit der zeit?

* bitte nicht zuhause nachmachen bla bla, ich wollte das nicht mehr tun bla bla bla - ja natürlich weiß ich es besser, aber mein wissen hilft mir nicht. so langsam sollte ich wohl auch zusehen, dass ich ein bisschen runterkomme, bevor das hier wirklich ausartet, dabei möchte ich nur laufen: sehr schnell sehr weit weg von allem. cheers, oder so.

- take me where i cannot hear
the people calling me
pour whisky, brandy, vodka
come and live this night with me
as if the world wasn't ending -
sonata arctica - as if the world wasn't ending

Dienstag, 3. Oktober 2023

Schlussstrich

Hier sitze ich nun und wünschte, ich könnte ihn ausradieren. Den Schlussstrich, meine ich. Vielleicht hätte ich ihn weniger vehement ziehen sollen, lediglich mit einem Bleistift, bloß eine Andeutung, aber es hat deutlicher sein müssen als Zweifel. Ihre Zweifel geht mir durch den Kopf, so als -

Ich kann nicht. Bald vier Jahre "Das Geschenkpapier ist dunkelblau und meine Finger zittern" und ich dachte - ich hab echt gedacht, es sei in Ordnung inzwischen, aber in Wahrheit habe ich keinen Tag aufgehört. (Sie zu lieben. Auch auf dem Papier braucht das ein sicheres Versteck.) 

Hier sitze ich nun, in meinem blöden Wohnzimmer, auf meinem blöden Sofa, und all die Dinge, die ich habe, sind nichts wert: Nicht ohne sie. Sieht nett aus hier; die Vorwürfe türmen sich inzwischen bis zur Decke, die Erinnerungen habe ich versucht, in den Ecken zu verbergen, im Türrahmen lehnt mein vergangenes Ich und schaut mich undurchdringlich an; beide haben wir verstaubte Finger, weil wir einfach nicht loslassen können. Von irgendwoher flüstert eine Stimme: "Du hättest sie küssen sollen, als du die Chance dazu hattest." 

Kann ich meinen Kopf irgendwo umtauschen? Denn der schmuggelt sie in jedes Zuhause, das ich auf dieser Welt errichten könnte. Alleine schon der Versuch ist im Grunde zu bestrafen. Und: Die Ansammlung meiner letzten Worte summiert sich auf zu Blasphemie; hätte ich sie nicht schon längst in ein silberglänzendes Gewand gekleidet, müsste ich mir meinen eigenen Scheiterhaufen errichten. Hochverrat erhält monatlich ein neues Gesicht, was das Entkommen umso schwerer macht. Nach all den Jahren kann ich auf wunden Füßen nur noch müde - vorwärts stolpern, wollte ich schreiben, aber ist das wirklich die Richtung, die ich eingeschlagen habe? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nicht, ob ich es jemals wusste.

Freitag, 15. September 2023

// forever //

"Wenn du möchtest, kannst du für immer bleiben."

Sunlight burns inside
And I feel so alive
And help me now, tell me how
How can this last forever?
Red - Forever

[Ich versuche, das Vertrauen zuzulassen und bin mir doch bewusst, dass ich ihr genauso gut eine geladene Waffe in die Hand drücken könnte. Dabei weiß ich, sie hat mir versichert, dass nichts Schlimmes passiert. Und es wäre so einfach, ihren Worten Glauben zu schenken, aber so ganz kann ich mir das (noch) nicht erlauben. Vielleicht mit der Zeit, wenn die passenden Taten folgen, so wie heute; ich hab sie gebraucht und das war in Ordnung für sie. Sie macht, dass a l l e s wieder in Ordnung kommt. Auch wenn ich meine Ängste vor der Zukunft von ihr fernhalte - wie sollte ich denn auch zugeben, wie furchtbar die Vorstellung für mich ist, dass sie mich irgendwann nicht mehr sieht? Also versuche ich, die "letzten" Wochen zu genießen, bevor das absolute Chaos über mich herein bricht. Aber: Ich bin mir sicher, das kommt auch wieder in Ordnung, irgendwie.]

Dienstag, 8. August 2023

when i open my eyes to the future, i can hear you say my name

Ich habe meine Haare gefärbt und mir eine Brille gekauft, und so langsam erkenne ich mich, wenn ich den Spiegel schaue. // Es ist mir egal, was andere Leute davon halten. Wenn es sich authentisch anfühlt, ist die Veränderung nicht zu krass. // Bei fast allen Personen, die mir wichtig sind, habe ich mich inzwischen geoutet - und auch auf der Arbeit. // (Als ich heute nach meinem Urlaub wieder in die Praxis gekommen bin, hatten meine Kollegen in der Zwischenzeit alle Schilder geändert, auf denen mein Name steht. Da war ich ein bisschen sehr gerührt.) // (Manchmal, wenn mich diese irrsinnigen Zweifel überkommen und ich versucht bin zu denken, ich könnte einen Fehler gemacht haben, denke ich an diese Euphorie und weiß es wieder besser.) // Ich kann nicht sagen, wann ich mich das letzte Mal in meinem Leben so gut gefühlt habe. (Rell meint, ich würde viel zufriedener wirken. Und das liegt sicher nicht nur daran, dass es mir immer besser geht, wenn ich sie sehe.) // ("Hast du [hier ihre Äußerung einfügen] vermisst?" möchte sie wissen. Ich sage: Nein. Ich meine: Nein. Aber. Dich.) // (Sie ist so absolut großartig - es sei denn, sie löst gerade mal wieder heillose Verwirrung aus bei mir - aber das erwähne ich in jedem zweiten Post.) // Heute habe ich mich den ersten Personen, die ich vorher nicht kannte, als Rain vorgestellt und dieses Gefühl ist einfach nur wild. Ich kann nicht. Ich muss mich dann immer zurückhalten, weil dieses immense Glücksgefühl mich wahrscheinlich leicht übergeschnappt wirken lässt. // Ich brauche immer noch dringend eine Therapie. // "Der Termin ist nächste Woche Mittwoch..." - "Um...?" - "Um 11 Uhr." - "Dann denke ich an dich." (Da. Da seht ihr, wie cute sie doch ist.)

Nobody can say for certain
If maybe it's all just a game
When I open my eyes to the future
I can hear you say my name
Sleep Token - Rain

Sonntag, 4. Juni 2023

the path to decay

[TW bzgl. Depressionen/Suizidalität]

Ich habe es aufgegeben, diesen Zustand jeden Tag dokumentieren zu wollen, solange bis ich es überstanden habe. Dazu habe ich gar keine Energie mehr. Es ist Tag 11, mein Kopf will mich noch immer tot sehen. Das Ereignis, das wohl als Ursache anzusehen ist, ist mittlerweile längst wieder zur Bedeutungslosigkeit verkommen. (Naja. Fast. Ein bisschen muss ich mich noch damit herumschlagen. Aber auch nur, weil Rell es nicht gut sein lassen kann.)

Bloß sind die Gedanken immer noch da. Und nagen an mir. Zwischendurch war es immer wieder einen Tag lang fast in Ordnung - letzte Woche Montag und gestern zum Beispiel - und danach jedes Mal schlimmer als vorher. Ich hab versucht, mich vergessen zu lassen und meinem Kopf nicht zuzuhören - lies: mich betrunken und/oder Bedarf genommen, was bloß nicht immer die ... praktikabelste Idee ist, wenn man jeden Tag noch zur Arbeit geht. (Ehrlich, ich weiß nicht, wie d a s funktioniert. Der Plan dahinter war wohl, dass Ablenkung vielleicht ganz gut tut, aber in der Praxis bin ich auch am Durchdrehen.)

Und dann hat's sich nicht so angefühlt, als könnte ich diesen Zustand noch länger aussitzen. Also habe ich in meinem Kopf das Gästezimmer für diese Gedanken hergerichtet. Und mich mit ihnen zum Tee hingesetzt. Und mir den Vorschlag mal angehört. Und fing selbst an zu denken: Hey, gar keine so üble Idee. An dem Punkt hab ich kurz in Erwägung gezogen, mich einweisen zu lassen, weil ich mehr und mehr Angst vor mir selbst hatte. Aber wenn die Akutstationen in dieser Stadt genauso ein Witz sind wie in der Heimatstadt, bin ich alleine echt besser zurecht.

Das war am Donnerstag. Nun bin ich immer noch hier. Alleine mit der ganzen Scheiße. Auf dem besten Wege rückfällig zu werden, bei dem Versuch die Gedanken und Gefühle auszuhungern. Hab mich dreimal davon abgehalten, Rell anzurufen, wie ich es eigentlich tun sollte in solchen Situationen. Aber. Wohin würde das schon führen? Außer dazu, dass sie sich Sorgen macht. Und zu dem Ergebnis kommt, dass ich ne Therapie machen sollte. Ansonsten weiß nur Neeko, dass es mir im Moment nicht gut geht. Natürlich hat sie Hilfe angeboten, bloß finde ich es ein bisschen zu ... krass, Freunden davon zu erzählen. Wohin würde das schon führen? Außer dazu, dass die sich Sorgen machen. Und zu dem Ergebnis kommen, dass ich Therapie machen sollte.

Also klammere ich mich an die banalsten Pläne. (Sleep Token irgendwann nochmal live sehen. Der Besuch von meinem Bruder in ein paar Monaten. Mit Fuchs zocken, wenn der neue Laptop da ist. In der nächsten Wohnung eine Katze besitzen.) Egal was; es muss nur reichen für einen weiteren Tag. Und dann noch einen. Und noch einen. Und. Ich kann das; ich habe das schon ein paar Mal geschafft. Trotzdem bleibt die Angst, dass es dieses Mal nicht gelingen könnte.

Seems like I'm falling deeper
Deeper inside myself
Seems like I'm growing weaker
Much weaker each day 
Along the path to decay
Sirenia - The Path To Decay