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Dienstag, 8. August 2023

when i open my eyes to the future, i can hear you say my name

Ich habe meine Haare gefärbt und mir eine Brille gekauft, und so langsam erkenne ich mich, wenn ich den Spiegel schaue. // Es ist mir egal, was andere Leute davon halten. Wenn es sich authentisch anfühlt, ist die Veränderung nicht zu krass. // Bei fast allen Personen, die mir wichtig sind, habe ich mich inzwischen geoutet - und auch auf der Arbeit. // (Als ich heute nach meinem Urlaub wieder in die Praxis gekommen bin, hatten meine Kollegen in der Zwischenzeit alle Schilder geändert, auf denen mein Name steht. Da war ich ein bisschen sehr gerührt.) // (Manchmal, wenn mich diese irrsinnigen Zweifel überkommen und ich versucht bin zu denken, ich könnte einen Fehler gemacht haben, denke ich an diese Euphorie und weiß es wieder besser.) // Ich kann nicht sagen, wann ich mich das letzte Mal in meinem Leben so gut gefühlt habe. (Rell meint, ich würde viel zufriedener wirken. Und das liegt sicher nicht nur daran, dass es mir immer besser geht, wenn ich sie sehe.) // ("Hast du [hier ihre Äußerung einfügen] vermisst?" möchte sie wissen. Ich sage: Nein. Ich meine: Nein. Aber. Dich.) // (Sie ist so absolut großartig - es sei denn, sie löst gerade mal wieder heillose Verwirrung aus bei mir - aber das erwähne ich in jedem zweiten Post.) // Heute habe ich mich den ersten Personen, die ich vorher nicht kannte, als Rain vorgestellt und dieses Gefühl ist einfach nur wild. Ich kann nicht. Ich muss mich dann immer zurückhalten, weil dieses immense Glücksgefühl mich wahrscheinlich leicht übergeschnappt wirken lässt. // Ich brauche immer noch dringend eine Therapie. // "Der Termin ist nächste Woche Mittwoch..." - "Um...?" - "Um 11 Uhr." - "Dann denke ich an dich." (Da. Da seht ihr, wie cute sie doch ist.)

Nobody can say for certain
If maybe it's all just a game
When I open my eyes to the future
I can hear you say my name
Sleep Token - Rain

Montag, 22. August 2022

help in the head (Oder: Der ganz normale Wahnsinn)

Dienstag, 16. August

"Ich schreibe heute noch meine Kündigung" sagt die Lieblingskollegin. Sie ist seit Monaten schon unzufrieden. Ich kann das verstehen, zumindest teilweise - und die Sache mit der toxischen Kollegin hat das Fass echt zum Überlaufen gebracht. Farewell, angenehmes Praxisklima. // "Kannst du vergessen, dass ich das gerade gesagt habe?" frage ich Rell und sie antwortet Nein. Ich befinde mich in einer weirden Ich-will-darüber-reden-achneindochnicht-Situation. Sie möchte dann wissen was sie tun kann, damit es mir besser geht und ich würde am Liebsten kotzen. Ich will nicht so sein wollen. Ich hätte nicht durchblicken lassen sollen dass Redebedarf besteht, aber ich habe absolut keine Energie mehr um zu verstecken, dass ich gerade nicht in Ordnung bin.

Mittwoch, 17. August

Nach dem Gespräch mit der Lieblingskollegin schlägt unsere Chefin sich auf ihre Seite. Uns beiden fällt ein Stein vom Herzen. Es soll wohl auch noch ein klärendes Gespräch mit Fräulein Toxisch geben - aber ich gehe stark davon aus, dass die Lieblingskollegin trotzdem zu Ende des Jahres kündigen wird, aus... Gründen. // Ich bin daran Schuld denke ich, und dieser Gedanke, dieses Gefühl frisst sich durch meinen Körper. Das ist meine Schuld. Ich bin dafür verantwortlich. Ich unterhalte mich dann mit Rell und kann die Worte nicht aussprechen; entscheide mich für eine Version, die weniger... krass klingt. "Wie hättest du das denn wissen sollen?" fragt sie, und natürlich hat sie Recht. I c h bin nicht diejenige, die einen Fehler gemacht hat. Und auch wenn Rell eigenartig optimistisch ist, ändert das nichts an der Tatsache, dass das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.

Donnerstag, 18. August

Entspannung an der Lieblingskollegin vs. Fräulein Toxisch Front - da wird die neue Kollegin (noch) problematisch(er). Mir gegenüber erzählt sie, sie fühle sich in der Praxis von "Migrationskindern überrannt" (ich könnte jetzt schon kotzen, aber es wird noch schlimmer) und wünsche sich mehr Patient:innen aus der "gehobenen Mittelschicht" - ob sie ihre "deutschen Patienten" denn nicht vorziehen könne? (Was. Zum. FICK?!?! Was bitte läuft bei dieser Frau verkehrt?!) Weil ich das nicht bis Dienstag für mich behalten kann, rufe ich meine Chefin an. Es verschlägt ihr die Sprache. Ich gehe stark davon aus, dass sie das Arbeitsverhältnis noch in der Probezeit beenden wird - dann müssen wir wieder einen Haufen Patient:innen in Pause schicken, aber besser keine Therapeutin als eine, die rassistisch ist, I guess? - während die Lieblingskollegin darauf setzt, dass die neue Kollegin aus eigenem Antrieb die Kündigung einreicht, weil ihr jetzt schon "alles zu viel" ist. (Das letzte Mal hat es vier Monate gedauert, die freie Stelle zu besetzen. Wenn es sich dieses Mal auch so lange ziehen sollte, stehe ich Ende des Jahres ohne Kolleginnen da. Großartig.)

Freitag, 19. August

"Ich will dich da nicht mit reinziehen" sagt die toxische Kollegin. Und dann tut sie es doch. Es ist so ermüdend. Ich will gerade gar nicht mehr darüber schreiben - das habe ich in den letzten vier Stunden mit der Lieblingskollegin zur Genüge getan. Die wollte mich da auch nicht mit reinziehen - i h r glaube ich das - aber dazu ist es zu spät. Und so wie es aussieht, werde ich nächste Woche auch nochmal für sie in die Bresche springen. Müssen könnte ich an dieser Stelle ergänzen, tatsächlich ist es eher ein Wollen, weil diese Vorwürfe, diese Negativität, dieses Gaslighting mir so dermaßen gegen den Strich gehen.

Samstag, 20. August

Ich hatte nie geplant, dass 

Sonntag, 21. August

Da war ich ja gestern richtig zum Schreiben aufgelegt. Ich glaube, da sollte sowas stehen wie, dass ich nicht geplant hatte, dass sich in diesen Post (fast) alles um irgendwelche berufsbezogenen Dramen dreht. Und jetzt tut es das doch - weil sich in meinem Leben gerade (fast) alles um genau diese Dinge dreht. Der Stress, der dadurch entsteht, lässt mich nahezu vergessen, dass [Name] immer noch im Krankenhaus liegt, dass Cheza mir so fehlt, dass d i e s vielleicht die ersten Körnchen des Sandes sind, der durch meine Finger rinnt...

Montag, 22. August

Noch ein Notfall-Telefonat mit meiner Chefin. "Du hast [Name der Lieblingskollegin] gerade den Arsch gerettet" sagt sie. Denn: Fräulein Toxisch verdreht die Tatsachen, verdreht uns die Worte im Mund und meint allen Ernstes, ich hätte am Freitag ihre Version der Ereignisse bestätigt. Uff. Ein paar Mal ist mir schon der Gedanke gekommen, dass sie vielleicht gar nicht mit Absicht so manipulativ unterwegs ist, sondern schlichtweg den Bezug zur Realität verloren hat. Macht aber keinen Unterschied. Das Verhalten, das sie an den Tag legt... da kann ich mir gar nicht so fest vor den Kopf hauen, wie ich gerne würde. Ich will einfach nur, dass das vorbei ist. Ich wollte dich da echt nicht mit reinziehen sagen sie alle - und sind jetzt doch froh; zumindest meine Chefin ist froh darüber, dass ich ihr die Wahrheit erzählt habe. (Die ist natürlich auch immer subjektiv. Aber ich denke, ich kann Tatsache und Meinung gut voneinander trennen. Im Gegensatz zu anderen beteiligten Personen.)

Ja, ich will, dass es vorbei ist, auch wenn mir gleichzeitig nicht gefällt, wie es enden wird: die Lieblingskollegin will ja so oder so die Kündigung einreichen. Aus Gründen, die auch ein klärendes Gespräch nicht aus der Welt schaffen wird. Leider. // Es gibt Lichtblicke. Es geht wieder aufwärts, in anderen Bereichen. Vielleicht mache ich da noch einen gesonderten Post zu, dieser hier ist inzwischen lang genug geworden.

I said things, yeah, I confess
I just meant you needed help in the head
You don't know what I think I said
I just meant you needed help in the head
I just meant you needed help...
The Faint - Help In The Head

Sonntag, 3. April 2022

Fehler

November
"Du hast einen Fehler gemacht."

Dezember
Aber wir führen kein Fehler-Gespräch und ich weiß, dass ihr [Rell] wahrscheinlich alles aus dem Gesicht fallen würde bei meinen Worten. Sie ist da nämlich ganz anderer Ansicht und das sagt sie mir auch, in den unterschiedlichsten Wortlauten. Die sind alle nicht wie du. Oder: Ich will jemanden, der so ist wie Ria. Warte - was?! Die sollen sein wie ich?! Dabei ist es doch schon eine Strafe, dass eine von meiner Sorte existiert. Eigentlich dürfte man mich gar nicht auf die Menschheit loslassen, wie zum Teufel bin ich an eine Berufsurkunde gekommen, die mir genau das erlaubt? Das muss ein Versehen sein, wo kann ich mein Examen zurückgeben? Doch, sicher, sie hat einen Fehler gemacht, die alle haben einen Fehler gemacht: ich bin es. Ich bin der Fehler.

Januar
19.01.22 Eintrag #179
Was für ein fucking Chaos. Was für ein abgefucktes Chaos, in das mein Leben sich gerade verwandelt.

Februar
>> can you fix me? // i've fallen into the palm of your hand
>> i wanna live outside of all of this
>> Is everybody going crazy?

März
Ich breche zusammen. Nicht geborgen in der Einsamkeit meiner Wohnung, vor Blicken geschützt, so wie all die Male zuvor, sondern am helllichten Tag, unter Menschen. Ich weine und weine und weine und Jalta nimmt mich in den Arm; ich weine ihren Pullover nass und es kümmert sie überhaupt nicht, es kümmert sie auch nicht, dass wir bislang vielleicht zwei Sätze miteinander gesprochen haben.

Und dann ist Rell da und ich sage es doch - ich sage nur die Wahrheit; oder zumindest das, was sich wie die Wahrheit anfühlt - und tatsächlich fällt ihr alles aus dem Gesicht. Plötzlich sieht sie mich ganz ernst an und ringt mir das Versprechen ab, nie wieder zu sagen, dass. Sie versichert mir auch, dass ich eine tolle Therapeutin bin, aber darum geht es überhaupt nicht. Ich zweifle nicht an meinen Fähigkeiten als Therapeutin. Irgendetwas ist mit mir als Mensch grundlegend nicht in Ordnung. Denn es ist Frühling jetzt - die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, es ist länger hell - und ich war der festen Überzeugung, dass es schon wieder besser wird, wenn ich nur diesen Punkt erreiche, aber. Irgendwie will ich immer noch im siebten Stock vom Balkon springen.

April
Verdrängen ist das Mittel der Wahl. Ich muss verdrängen, dass die Ria, die ich sein wollte, lange die Oberhand hatte, dann all das Positive weggeworfen hat, und jetzt habe ich mich in irgendetwas... Unaussprechliches verwandelt. (Kurze Korrektur: "weggeworfen" klingt so aktiv; vielmehr scheint es ein passiver Vorgang gewesen zu sein. Es ist abhanden gekommen. Bloß weiß ich nicht zu welchem Zeitpunkt, oder aus welchem Grund das passiert ist.)

Ich falle in alte Verhaltensmuster zurück. Erst war's nur ein kleiner Rückfall. Und dann noch einer. Und noch einer. Ich dachte: okay, kein Ding, ich kann's wieder besser machen. Und jetzt sitze ich hier, Wochen später. Und mach's nicht besser. "Ich hasse es" - oder "Ich hasse mich" könnte an dieser Stelle passend klingen, aber ich fühl's nicht. Es ist mir so unendlich egal. Das ist das Schlimmste. 

Dabei ist die Zukunftsperspektive so gut wie schon seit Monaten nicht mehr. Aber das reicht nicht. Etwas fehlt. Sie fehlt. Ich sollte daran gewöhnt sein, aber ich kann.mich.nicht damit abfinden. Vielleicht ist d a s der Fehler; meine Engstirnigkeit. Meine Hoffnung. Ich kann nicht aufhören, zu glauben. Und ich würd's nicht eintauschen wollen. Für nichts auf der Welt. Wie kaputt muss ich sein, wenn das Einzige, das ich wertschätze, mich gleichzeitig zugrunde richtet.

Freitag, 25. Februar 2022

Is everybody going crazy?

I just wanna go blur the line
And leave our afflictions behind
The sky is coming down
I know it's strange
But heaven's a mindset away

Yeah, everybody's going crazy
Can't get through to you lately
We're so hopelessly faded
Is anyone else feeling lonely?
It just can't be me only
Losing our cool so slowly

Nach Wochen schaffe ich es, auf Kaisers Nachricht zu antworten. Möchtest du darüber reden was gerade bei dir los ist? Eigentlich nicht; eigentlich möchte ich nur schreien. Ich beantworte seine Frage dann doch mit Worten. Erst geht es um die Polizeigeschichte - ich bin minimal paranoid (?) und zweifle an der Menschheit seitdem, mehr noch als vorher - und nun, zwei Wochen später, zu einem Zeitpunkt, zu dem ich gerade wieder beginne klarzukommen, dreht der nächste Mensch durch: (m)ein Patient wird der Lieblingskollegin gegenüber auf dem Flur ausfallend, bezeichnet (ihrer Schilderung nach) den Krieg in der Ukraine als "ethnische Säuberung" und stürmt wutentbrannt aus der Praxis. Aus mehreren Gründen bewegt er sich sowieso schon auf dünnem Eis, aber die Aktion bringt das Fass zum Überlaufen. (Da er den xten Termin in Folge nicht wahrgenommen hat, darf er sich sowieso bald eine andere Praxis suchen. Da wir... Pläne haben, m u s s er sich sowieso bald eine andere Praxis suchen.)

Da wir... Pläne haben, überbringe ich derzeit haufenweise ungünstige Nachrichten. Ich habe ein schlechtes Gewissen deswegen. Ich übernehme Verantwortung für Dinge, die sich im Grunde meines Einflusses entziehen. Und auch das Gegenteil: ich sitze dann da, mir ist bewusst dass das die Gelegenheit wäre, etwas zu reißen, aber ich entscheide mich fürs Nichtstun; es ist mir so unendlich egal. Ich bin müde und Kilometer weit entfernt von allen Dingen, aber ohne die Abgestumpftheit würde ich den Verstand verlieren. Ich bin müde; selbst meine Augenringe haben Augenringe. Abends schneide ich dann mit einer Klinge aus Worten kleine Stückchen aus meinem Herzen. Ich wünschte, ich könnte mein Blut sehen. Ich wünschte, dieser Schmerz wäre nicht das einzig Echte in meinem Leben; ich wünschte, ich könnte ein wenig Zeit stehlen, aber es ist Freitag, 23:25 Uhr und sie hat noch nie weniger mir gehört als in diesem Augenblick.

It would feel so good to steal some time
It would feel so good to make you mine
Nothing But Thieves - Is everybody going crazy?

Samstag, 5. Februar 2022

farewell to sarajevo

 

Farewell to: "Ich möchte Ihnen noch sagen, dass."
Farewell to: "Ich möchte noch etwas über (...) erzählen."
Farewell to: "Erst werde ich x. Dann y. Und dann z."

/////

Beim allerersten Mal vor knapp einem Jahr habe ich geweint. Tränen sind da dieses Mal keine mehr; ich glaube aber nicht, dass ich inzwischen besser geworden bin in dieser Sache. Vielmehr ist es so, dass ich mich nicht so sehr gebunden habe - oder binden haben lasse. Stattdessen sind da Floskeln in der einen Situation; ein Festhalten an einem ZwischenTürUndAngel. (Eine Eiseskälte überkommt mich bei dem Gedanken, dass uns nicht mal diese Kleinigkeit gegönnt sein wird am Ende. Wenn es nur Floskeln sind, die übrig bleiben von uns, weiß ich nicht woher ich den Willen nehmen soll, weiterzumachen.)

In der anderen Situation kann ich die Worte nicht aussprechen; die magischen Worte. [Dabei halte ich das theoretisch für eine gute Idee. Doch praktisch gesehen bin ich dazu nicht in der Lage. Jetzt darf Rell nur niemals nachzufragen - denn ich müsste lügen; ich kann ihr nicht erklären, wieso ich's nicht sagen kann.] Vielleicht möchte ich das auch einfach nicht. Vielleicht möchte ich ja abschließen; diese Tür ganz fest zuschließen, am besten zwei Mal, und nie wieder einen Blick riskieren. Denn ich habe Angst. Angst hinzusehen und festzustellen, dass das was mit mir macht, dass das viel zu viele Gefühle auslöst. Was mich noch mehr ängstigt: das Gegenteil. Wenn ich hinsehe und da ist nichts, zu was für einem Menschen macht mich das? Bin ich das dann überhaupt noch? Ein Mensch?

Und dann ist da noch das "Macht"Gefälle. Ich sitze am längeren Hebel, dieses Mal, aber ich kann.nicht.aufhören an ein Viceversa zu denken. Und mit diesem Gedanken kriecht die Eiseskälte in meine Knochen; sie baut sich dort ein Zuhause und wird zu einem Teil von mir. Viceversa; Zugzwang; WasIstWenn. Was ist, wenn ich ihr jegliche Chance nehme. Was ist, wenn sie nicht frei ist in ihren Entscheidungen; in dieser Entscheidung. Was ist, wenn i c h wie eine Wunde bin, die seit Jahren nicht verheilen kann. Was ist, wenn es ihr tatsächlich nur Schmerz bereitet - ich darf doch gar nicht hinsehen, ich darf doch gar nicht fühlen; nicht solange ich nicht auch sagen kann, was zum F*ck das bedeutet. 

Ob es wohl helfen würde, es nicht immer wieder umzukehren, umzudrehen? Ich meine, ich dreh's so viel, dass ich nicht mehr weiß wo oben und unten ist - ich drehe es, ich drehe mich - bis in die Orientierungslosigkeit. Ich drehe mich schwindelig. (Passenderweise will mein Kreislauf die letzten Tage auch so gar nicht, aber das liegt bestimmt am Wetter, und kommt kein bisschen von der Psyche. Es kommt kein bisschen von der Psyche, dass die Lieblingskollegin mich den Flur runter begleiten muss, weil das mit dem Laufen so schwierig ist. Dass sie innerhalb von 30 Minuten zweimal nach dem Rechten sieht. Dass sie später schreibt und wissen möchte ob ich heile nach Hause gekommen bin. Es ist sicher nur das Wetter.) 

Davon abgesehen ist auch alles in bester Ordnung. Also, verglichen mit letztem Jahr. Und wenn man absieht von vor zwei Tagen und darüber hinweg geht, dass das im schlimmsten Falle eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt hat. Und wenn man nicht beachtet, dass ab Mitte nächster Woche zwar endlich Klarheit herrscht, aber es sein kann, dass diese Informationen mein Leben auf den Kopf stellen - wir coinflippen einfach mal die Zukunft. Gar kein Ding. 50%ige Chance dass die Münze auf der falschen Seite landet, aber hey, das ließe sich gerade biegen in ein paar Monaten, und bis dahin unaushaltbare Situationen ertragen zu müssen ist sicherlich keine Schwierigkeit. Ich bin Expertin darin. Ich kann das, sicher. 

Worin ich auch richtig gut bin ist Schwarzmalen. Immerhin besteht ja auch eine 50%ige Chance, dass sich die Situation zum Besseren wendet. (Eigentlich gibt es auch noch eine dritte Variante. Nämlich die, dass es mich überhaupt nicht kümmert.) Und ich wünschte, ich könnte hier für Klarheiten sorgen und müsste nicht immer nur Andeutungen machen, aber ich kann nicht. Ich kann's nicht klarer ausdrücken, ich kann's nicht weiter ausführen - also, ich möchte, aber ich muss mich stoppen, weil ich die dumpfe Vermutung habe, dass das einen verdammt langen Rattenschwanz mit sich zieht. Rell richtet so ein Chaos an im Moment, und ich bekomme das nicht sortiert. Mit ihr kann ich nicht darüber sprechen, und auch sonst ist da keiner - in Momenten wie diesen wünschte ich mir einen Therapeuten. Aber ich hab keinen. Und Rell macht das nicht mit Absicht. Irgendwie pflügt sie bloß immer in einer leider sehr breiten Schneise über das Feld, auf dem meine Emotionen wachsen. Nun ja.

Jetzt habe ich super vom Thema abgelenkt, und muss irgendwie noch ein Ende finden.
Ich habe noch eine Chance. Die "magischen Worte" zu sagen, meine ich. Vielleicht gelingt es ja nächste Woche. Vielleicht nicht. Wäre auch in Ordnung. Eventuell ist das auch eine Art Schutzmechanismus: der Drang abzuschließen, der Drang wegzusehen, der Drang nicht zu fühlen. Denn ich kenne mich. Wenn ich nicht nichts fühle, ist da wieder ein Strudel von allem möglichen Kram, der mich in die Tiefe zieht. So wie im letzten Jahr. (Ich möchte an dieser Stelle gerne eine Verzichtserklärung unterschreiben. Weiß wer, wohin ich die schicken muss?)

Sonntag, 26. Dezember 2021

i saw phantom apparitions dance // and are we really safe and on our own?

[Triggerwarnung bzgl. Alkohol/SVV. Außerdem ist dieser Post zu lang und hat keinen Inhalt.]

Donnerstag, 23.12.21
Ich freue mich nicht auf Weihnachten. So, nun habe ich's endlich zugegeben. Ich habe den Eindruck, dass man das ja keinem erzählen kann; zumindest keinem Umfeld, in dem alle so weihnachtsbegeistert zu sein scheinen. Meint: meine Kolleginnen. Die eine schwärmt vom Essen und von der Ruhe - ?! - die andere von ihrer Familie. Und ich sitze da und bin nicht dazu in der Lage, mich wenigstens ein kleines bisschen zu freuen, nicht auf das Essen oder auf die Geschenke, und schon gar nicht auf meine Familie. Mein Highlight in dieser Weihnachtszeit waren definitiv meine Therapiekinder - unter anderem ein Vierjähriger, der vor Aufregung fast vom Stuhl gefallen ist, als ich ihm gesagt habe, dass er am Ende der Stunde ein Türchen vom Adventskalender aufmachen darf. Und noch ein Vierjähriger, der vor Freude gar nicht mehr klar gekommen ist, als es während der Therapie angefangen hat zu schneien. ("Es schneet! Es schneet!") Und ein Achtjähriger, der bei der Aussicht darauf, in der nächsten Stunde mit seiner Schwester und mir Plätzchen zu backen, wahrscheinlich eine Woche lang nicht schlafen konnte.

[Ich würde hier gerne noch weiter schreiben, aber ich muss jetzt zum Bahnhof fahren, mich in den Zug setzen und zu meiner Familie fahren. Später mehr.]

Freitag, 24.12.21
Minimal den Faden verloren; ich freue mich also nicht auf Weihnachten. Und es ist gut, das endlich sagen zu können, weil ich glaube, dass es mir die letzten Jahre auch schon so ging, und ich mich immer nur dafür verurteilt habe. Stattdessen freue ich mich darauf, dass ich 10 Nächte lang wieder die Sterne aus dem Schlafzimmerfenster sehen kann. Ich freue mich darauf, dass ich in dieser Wohnung einen Backofen habe und ganz viele Sachen essen kann, die man mit Käse überbackt. Ich freue mich darauf, dass ich wahrscheinlich Sapphire und Keara treffen werde. Und ich habe die Hoffnung, dass sich mein klitzekleines Vielleicht erfüllt - aber wenn das nicht passiert, ist es auch in Ordnung. Schließlich sind es - wenn alles nach Plan läuft - "nur noch" 5 Wochen. Und bis dahin trage ich sie in meinem Kopf und halte die Zeit an, hin und wieder mal.

Their faces melt reflections on the wind
Or are they out there watching?
As time stands still this Christmas day
Shadow Gallery - Comfort Me

Samstag, 25.12.21
Eigentlich sollte der Post am Freitag schon kommen, aber beim Drüberlesen ist mir aufgefallen, dass das so nicht stimmt - ich freue mich nicht auf mein "Stattdessen". Diese Dinge sind es, die den Urlaub erträglich machen, aber Freude ist nicht vorzufinden. Da ist überhaupt.kein.Gefühl vorzufinden. Auch in Situationen, in denen etwas da sein sollte, ist da bloß ein schlechtes Gewissen und ich frage mich, was genau bei mir gerade mal wieder kaputt ist.

Konkret meine ich Situationen, in denen Patient:innen mir etwas schenken. Damit kann ich nicht gut umgehen - da hat sich jemand a) Gedanken gemacht und b) Geld investiert, um mir eine Freude zu machen... Und ich sitze bloß wieder da und fühle mich schlecht weil ich das
a) überhaupt nicht verdiene und b) nicht in der Position bin, etwas zurück zu schenken.
Dann denke ich, dass diese Geschenke wahrscheinlich der Versuch sind, m i r etwas zurück zu geben. Weil die Patient:innen zu m i r kommen und von m i r etwas wollen, und ich glaube, manche haben das Gefühl, dass ich so viel für sie tue, und möchten sich deswegen bedanken.
Die einen tun das dann mit Worten ("Ich bin so froh, dass ich Sie habe, ich wüsste nicht wie ich meinem Sohn sonst helfen sollte.") und die anderen eben mit wahlweise Süßigkeiten, selbstgebackenen Plätzchen, Tee oder etwas Alkoholischem. (*)

So begründe ich mir das dann: ich habe zuerst etwas "geleistet", da muss ich mich nicht schlecht fühlen, wenn ich ein Geschenk bekomme. Trotzdem sollte da noch irgendein anderes Gefühl sein, aber am Ende der Stunde ziehe ich meinen Mantel an und denke, dass ich vor 751 Tagen aufgehört habe zu fühlen, und mir ist, als müsste ich meine Haut öffnen mit einem scharfen Gegenstand und nachsehen, ob überhaupt noch irgendetwas ist in mir -

(*) Ich hätte nicht gedacht, dass das so triggert, bis ich das Papier geöffnet und den Alkohol gesehen habe. Und ich habe mich bedankt und hab's in meine Tasche gesteckt, weil ich's in der Praxis nicht liegen lassen kann, und zuhause ist es in eine Schublade gewandert und ich habe versucht zu vergessen, aber die Wahrheit ist, dass ich seitdem - seit fast 2 Wochen jetzt - ein unglaubliches Verlangen danach habe, mich zu betrinken, weil ich dann zumindest wieder irgendetwas fühlen würde. Aber wahrscheinlich kann ich, wenn ich anfange zu trinken, die nächsten 5 Tage nicht damit aufhören und das geht nicht. Und irgendwie muss ich dieses Geschenk ja auch wertschätzen, also kann ich nicht komplett abstürzen, das geht auch nicht.

Seit gestern ist das Geschenk dann auch Geschichte, weil ich es mitgenommen habe zu meiner Familie, aber ich habe hier Vodka, Cointreau, Ramazotti und zwei verschiedene Sorten Gin, und ich meine, es ist schließlich Wochenende, und Weihnachten ist es auch, aber es ist auch
13:30 Uhr und wenn ich gleich nicht
irgendetwas tue, endet das hier gar nicht gut.

Sonntag, 26.12.21
Ich bin noch immer so müde von gestern
Und suche bei Netflix nach einem Western
Die Jungs mit Revolvern helfen vergessen
Dass man trinkt um zu vergessen
AnnenMayKantereit - Ich geh heut nicht mehr tanzen

Ich warte noch immer darauf, dass ich wieder fühlen kann. Nach moderaten 2 1/2 Drinks wird mir klar, dass das auch keine Lösung ist. Ich werde wohl einfach warten - auch wenn ich nicht genau weiß, auf was. Im Warten bin ich schließlich Expertin. Sowieso entsteht mein ganzer "Zustand" auch nur dadurch, dass ich nie zufrieden sein kann. Ja, natürlich ist das wieder meine Schuld. Noch vor ein paar Wochen habe ich es nicht ertragen, dass ich die Dezember-Gefühle fühlen muss, jetzt sind die irgendwie weg, und das ist mir auch nicht Recht. Keine Ahnung. Ich werde in der nächsten Woche versuchen, meinen Urlaub so gut es geht zu genießen, und Anfang Januar kann ich dann x, Ende Januar hoffentlich y, und dann bin ich glücklicher. Bestimmt.

Sonntag, 31. Oktober 2021

empire & the sun (or: i could never love someone who could love someone like me)

Cause you're the empire and the sun
And you're the voice that calls me home
And you're the place that makes me wanna stay
But you're the walls I cannot climb
The Moth & The Flame - Empire & The Sun

Normalerweise arbeite ich am Wochenende nicht. Heute (also: gestern, denn technisch gesehen ist ja schon Sonntag) habe ich dann aber via Videotelefonat eine zweistündige Fallbesprechung mit einer Kollegin geführt. Besser: sie hat mir eine Mini-Fortbildung gegeben, da ich von der Behandlung des Störungsbildes meiner neuen Patientin keinen blassen Schimmer habe.
(Meine Chefin hat mir die Patientin nach der Anmeldung "zugewiesen" und war so: "Traust du dir das zu?" Getreu dem Motto "Learning by doing" habe ich Idiotin? zugestimmt. Kam mir super dumm vor heute mit meinem Wissen aus 20 Unterrichtsstunden, aber besagte Kollegin macht halt seit 20 Jahren nichts anderes.) Jedenfalls wollte sie gegen Ende des Gesprächs wissen, was ich für das Wochenende noch geplant habe. Ich... hoffe immer, dass meine Mitmenschen mir diese Frage nicht stellen, denn ich habe in letzter Zeit nie Pläne, die beinhalten, dass man mal das Haus verlässt. Und ich habe die Befürchtung, dass die gesellschaftliche Anerkennung (oder sowas in der Richtung?) in dem Fall nicht vorhanden ist.

"Offiziell" habe ich dann das erste Halbfinalspiel der Worlds geschaut, aber tatsächlich lief das mehr im Hintergrund, und ich bin irgendwo zwischen Pixeln verschwunden. Danach habe ich mich zwei Stunden lang in die Fantasiewelt eines Computerspiels gestürzt. War dabei aber auch nur in Bruchstücken anwesend. Und nun liege ich seit drei Stunden auf dem Bett, starre die Wand an, und denke über lebenswichtige Entscheidungen nach. Wie ich mit der Frau, die sich keinen Namen verdient hat verfahre, zum Beispiel. Der Funke ist nämlich nicht ganz übergesprungen. Auch zähle ich wieder die Wochen, seit. Und die Wochen, bis. Ich muss dringendst mindestens ihre Stimme hören. Am Besten wäre es natürlich, sie auch zu sehen. Der twist (mir fällt gerade absolut kein besseres Wort ein) ist bloß: Ich warte, um zu gehen. Nie warte ich, um zu bleiben; das treibt mich in den Wahnsinn und macht mich krank, wenn ich die Gedanken daran zulasse. Aber mal sehen, vielleicht finde ich dafür ja auch noch eine Schublade.

Donnerstag, 21. Oktober 2021

the pressure's on.

I step out the door and it's dark and I'm on my own
I breathe in the scent of the pine and the conifer cones
I feel like I've fallen down a staircase and broken my bones
Enter Shikari - the pressure's on.

Die letzten Tage habe ich mich gefragt, warum ich abends nach der Arbeit immer so erschöpft bin - schließlich arbeite ich ja nur 30 Stunden. Und dann fiel mir wie Schuppen von den Augen dass das ja keine 30 Wochenarbeitsstunden sind. Sondern 30 Therapiestunden. Dazu kommt noch: Vorbereitung, Dokumentation, Diagnostiken auswerten, Berichte schreiben, Termine vereinbaren, Gespräche aus der Reihe mit Eltern/Angehörigen oder sonstigen Personen aus dem Umfeld der Patient:innen. Kind zeigt Verhalten x. Verhalten x ist nicht gut. Also im Kindergarten anrufen und die Erzieherin fragen, wie das Kind da so drauf ist. Pausen mache ich auch noch zwischendurch. Wie kann ich mich nur erdreisten. Und naja, aus dieser Aufzählung wird vielleicht ersichtlich: das summiert sich. Hinzu kommt, dass die Fahrtzeit zur Arbeit beinahe eine Stunde beträgt; macht insgesamt also nahezu zwei Stunden, denn zurück nach Hause muss ich ja auch noch. Ich bin also die meisten Tage insgesamt fast 10 Stunden außer Haus, und wundere mich, dass ich am Abend nur noch essen und dann ins Bett möchte? Zusätzlich sind da Gefühle, die sich wie ein Schleier über mein "Es ist gerade sehr in Ordnung" legen. Ich meine, ich b i n in Ordnung, die meiste Zeit. Dann wieder bin ich wütend; traurig; gestresst; noch ein bisschen wütender - und das halte ich unter Verschluss. Weil ich Angst habe dass es mir den Boden unter den Füßen wegzieht, wenn ich mehr als einen flüchtigen Blick riskiere. Und wenn das jetzt auseinanderfällt ist da keine Person mehr, die mir beim Trümmer sortieren helfen könnte. Zu keinem anderen Zeitpunkt in meinem Leben war ich so sehr auf mich alleine gestellt. Zugegeben, das war meine eigene Entscheidung. Und noch bereue ich sie nicht. Auf der anderen Seite ist mir, als müsste ich Vorsorge treffen, denn ein Teil von mir wartet noch immer auf die Katastrophe. Doch die bleibt aus, seit nunmehr fast zwei Monaten. Das fühlt sich nicht immer an wie mein Leben. Es ist zu gut; gleichzeitig ist es das nicht... "Verwirrung" ist wohl ein passender Begriff für diesen Zustand. Wahrscheinlich sollte ich zumindest den Versuch wagen, das Ganze in Worte zu fassen. Wie viel kann schon schief gehen?

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Say, would you never walk away on the break of a coming day? Would you end this line with me?

Erst gestern habe ich einen Songtext gepostet, der mich an Cheza erinnert. Dabei habe ich den Wunsch nach einem "Für immer" in den Vordergrund gestellt. I wish you'd be forever by my side. Heute auf der Arbeit sitzt vor mir dann ein Junge, der vielleicht gerade 8 Jahre alt ist.
Am Ende unserer (wohlgemerkt ersten) Therapiestunde fragt er mich: "Kannst du für immer hier bleiben?" Das ist schon ein bisschen süß... Und macht mich gleichzeitig auch ein bisschen traurig. Denn ich wünschte, ich könnte sie mit der Unbedarftheit eines Kindes nach einem
"Für immer" fragen. Aber ich kann nicht. Weil ich nicht mehr 8 Jahre alt bin. Und es besser weiß wissen sollte. Ich wende mich dem Jungen zu und sage, dass ich bleibe - während ich mir wünsche, ich könnte sie bitten zu bleiben. Doch ich tue ihr schon wieder Unrecht; sie bleibt ja, sie verlässt mich nicht. Ich bin nicht im Stande dir zu sagen, dass. Ich weiß auch, dass sie würde, wenn sie könnte. Aber sie kann nicht. Oder besser: glaubt, nicht zu können. Aus... Gründen. Und plötzlich habe ich Angst, mehr "herauszufinden" in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten. Ich habe Angst, dass ich beginne, Grenzen zu sehen. Angst, ihre Position besser nachvollziehen zu können; ich will für mein Scheitern keine rationale Begründung finden. Andererseits würde mir ein wenig mehr Verstehen vielleicht ganz tut tun. Schließlich muss irgendwie... irgendwann... etwas Bewegung in die Sache kommen. (Diese Worte. Aus meinem Mund. Ich bin schockiert.) Und zeitgleich gebe ich die Hoffnung nicht auf. Die Hoffnung, dass wir am Ende des Weges einen neuen Anfang finden können.

Say, would you never walk away
On the break of a coming day?
Would you end this line with me?
Would you like to waste away what we've ever been?
Would you like to come along with me?
Sirenia - A shadow of your own self

Donnerstag, 12. August 2021

Kollateralschaden

Ich trinke meinen dritten Cosmopolitan. Dieses Mal nicht aus, sondern nur mit Wodka. Lief das letzte Mal eventuell nicht so gut. Mein Abendessen waren Schokokekse, weil das mit dem Essen nicht so richtig will, und überhaupt ist das Leben gerade großartig. *Ironie off* Naja, es ist Examen, was will man erwarten? Hm, vielleicht, dass zumindest die im Moment benötigte Energiezufuhr stattfindet? Aber der Körper ist so "Du sitzt doch nur rum, Ria, du brauchst gerade nicht so
viel" - und der Kopf meint "Excusez-moi, ich versuche hier, den Lernstoff für die letzten 8 Fächer zu verarbeiten. Gib mir mehr Essen!" Aber Toast funktioniert nicht, weder Nudeln noch Quark funktionieren, und ich weiß langsam nicht mehr, was ich noch tun soll. Wie "Alkohol trinken" da die nächste logische Option ist, ist mir auch schleierhaft. Der Gedanke, dass es in drei Wochen tatsächlich endlich geschafft ist, beruhigt leider auch nicht, da ich im Grunde nur eins tun möchte: die Zeit anhalten.

Ich fühle mich einfach nicht bereit für all die Zukunftsdinge. Davon abgesehen, dass sich, glaube ich, keiner so wirklich 100%ig bereit fühlt für den ersten Job usw. - aber wer hier lange genug mitliest weiß, dass ich's mit den Gefühlen ganz gerne mal übertreibe. Ich habe eine unglaubliche Angst davor, dass sich in den nächsten Monaten herausstellt, dass ich für diesen Beruf nicht geeignet bin. [Sidenote: ich habe auch gedacht, dass ich nie einen Job finden werde. Am Ende hatte ich drei Vorstellungsgespräche. Und drei Jobangebote. Aber das hilft nicht weiter.]
Dann denke ich an all die positiven Rückmeldungen, die ich so bekommen habe, und kann's immer noch nicht glauben, denn wie kann es sein, dass ich tatsächlich mal gut in einer Sache bin? Wobei ich "Selbstzerstörung" nahezu perfektioniert hatte. Aber ich meine jetzt eher produktive Dinge. Da ist zum Beispiel mein (ich sag's nicht ich sag's nicht ich sag's nicht) Lieblingspatient (oh, ups) der meint "Es ist immer so schön mit Ihnen" und abgesehen davon, dass "schön" zwar schön und gut ist, ich ihm aber gerne etwas beibringen würde, damit er im Alltag besser klar kommt, bitte danke, schmilzt in solchen Momenten mein Herz ja doch ein Stückchen.

Aber worauf ich eigentlich hinaus will: zu viel an Gefühl, keine Verarbeitungsmöglichkeiten. Was da helfen würde, wäre wahrscheinlich Therapie, aber naja, ich habe nur noch zwei Stunden bei Irelia, aus... Gründen, und wann ich den nächsten Therapieplatz finde, steht in den Sternen. Therapeutensuche raubt dann nochmal zusätzlich Energie, die ich nicht habe, weil ich das mit dem Telefonieren so schrecklich finde. Generell gibt es einfach zu viele Dinge, die erledigt werden müssten und zu viele Gefühle, die gefühlt werden sollten, aber viel zu wenig Energie um etwas davon zu bewältigen. Auch fühle ich mich schlecht damit, Prioritäten zu setzen, kann keine Entscheidungen treffen, und das resultiert dann darin, dass ich im Supermarkt vor dem Regal mit den Tomaten fast anfange zu weinen, weil da viel zu viel Auswahl und diese Situation die reine Überforderung ist. Ich weiß nicht genau, was mit mir nicht stimmt; in jedem Fall liegen meine Nerven blank. Selbst die Pausen sind mehr ein Zwang als Entspannung, etwas, das so schnell wie möglich erledigt werden muss, damit ich die Zeit wieder "sinnvolleren" Dingen widmen kann. Hab ich schon erwähnt, dass ich noch für 8 Prüfungen lernen muss?

Ja, das hier ist wahrscheinlich gerade sehr viel Mimimi; selbst wenn ich gewusst hätte dass das so wahnsinnig viel Arbeit wird, hätte das nichts an meiner Entscheidung verändert. Dass ich das Interesse an so ziemlich allen Dingen verliere, scheint nicht mehr zu sein als Kollateralschaden. Ich möchte einfach nichts mehr tun, weder Bücher lesen, im Wald spazieren gehen, noch Yoga. Wenn ich könnte, würde ich den ganzen Tag im Bett liegen, weil mich schon morgens eine unglaubliche Sinnlosigkeit überwältigt. Kann ich nicht ein paar Wochen lang nur im Bett liegen (und an Cheza denken)? Examen sagt Nein. Na gut. Auch irgendwo verständlich. Übrigens finde ich es erstaunlich, wie Cheza es schafft, mal ein Punkt auf der "Panikliste" zu sein, und dann wieder Ressource. Also, nach unserem letzten Gespräch wieder mehr Ressource als Paniklistenpunkt, aber das bleibt nur so lange wie ich es schaffe, nicht an die Zukunft zu denken. Also nicht lange. Es ist alles mehr oder weniger asjcgvszswtxr - wobei ich darüber wohl einen eigenen Post schreiben könnte. Sprich: sollte, denn dieser hier ist eh schon viel zu lang. Naja.

Samstag, 31. Juli 2021

if i could live another way, what would you do? // i know what i'd do if i could

Guten Tag Ria Daring!

Sie haben sich an der Hochschule [hier Stadt einfügen] einen Bewerber-Account für die Online-Bewerbung angelegt. Im Bewerber-Account haben Sie eine Bewerbung erstellt, diese aber noch nicht elektronisch abgeschickt. Bewerbernummer: [hier Zahl einfügen]

Da die Bewerbungsfrist am 31-07-2021 um 23:59 Uhr endet, möchten wir Sie hiermit daran erinnern, dass Ihre Bewerbung im Zulassungsverfahren nur berücksichtigt werden kann, wenn Sie die Bewerbung bis dahin elektronisch abgeschickt haben.

Ihr Serviceteam des Studierendensekretariats der Hochschule [hier Stadt einfügen]

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Es ist nicht zu spät. Ich hätte noch ein paar Stunden Zeit, und die Bewerbung ist im Grunde fertig. Ich müsste lediglich auf "Abschicken" klicken. Aber. Ich weiß, dass ich diese Frist verstreichen lassen werde. Und dass das das Richtige ist; trotzdem fühlt es sich nicht gut an, dass mir das durch diese Mail nochmal unter die Nase gerieben wird. Eigentlich interessiert der Studiengang mich auch nicht, oder: nicht genug, um dafür Schulden anzuhäufen, weil ich dann Bafög beziehen müsste. [Trotzdem ist studieren mit bleiben gleichzusetzen.] Wenn ich dann das Haus verlasse, denke ich jedes Mal, dass das schon nicht so schlimm wäre. Bloß will ich mehr als ein "Nicht so schlimm" - es ergibt einfach absolut keinen Sinn dieses "Nicht so schlimm" in Kauf zu nehmen. Nicht, wenn ich nach dem Abschluss endlich tun kann was ich möchte. [Mal von der Tatsache abgesehen, dass ich nie tun bzw. haben kann was ich wirklich will, und alles andere immer nur die zweitbeste Option ist. Ich lebe immer nur das zweitbeste Leben. Ich weiß, dass das ein eher toxischer Gedanke ist, aber so ganz bekomme ich ihn nicht aus meinem Kopf.]

If I was how I wanted, how can I like you?
Tell me would you, tell me would you?
Tell me would you too?
If I wait till tomorrow, would you see it through?
Tell me would you, tell me would you?
Tell me would you too?
Halfwait - Would You?

Freitag, 18. Juni 2021

cheapshot // another tempest in a teapot

Outrage - that's it I'm going on a rampage
Don't waste my time with any context
I'm gonna ruin all your prospects
I'm gonna pick all your pockets
Enter Shikari - { The Dreamer's Hotel }

Mein Versuch, gestern nach der Prüfung noch über die Prüfung zu schreiben, endete in einem rant über all die Gründe, aus denen ich den Sommer verabscheue. (Ganz vorne liegen "Dachgeschosswohnung" und "Polymorphe Lichtdermatose" a.k.a Sonnenallergie.)
Das hatte dann nichts mehr mit dem ursprünglichen Thema zu tun - meiner Angst, meine Mitmenschen zu enttäuschen, indem ich die Prüfung nicht packe. Weil ich schon immer eine Enttäuschung war. Und immer eine Enttäuschung bleiben werde. So mein Gedankengang.
Es... stresst dann nur noch mehr, wenn Leute mir viel Erfolg wünschen. Irelia hat sich am Mittwoch mit einem "Ich glaube an Sie" von mir verabschiedet und dieser Satz ist auf so viele verschiedene Arten schwierig für mich. (...)

Sowieso... passiert gerade so viel. Schwieriges.
a) Ich habe erfahren, in welchem Kontext ich wieder auf Hope treffe. (Und ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ich will nicht. Wie soll ich denn...?)
b) Entgegen meinem "Wieso bewerben, die werden mich eh nicht wollen" habe ich nächste Woche ein Vorstellungsgespräch. (Und die Aussicht auf ein zweites; die gute Frau wollte sich "zeitnah" melden. Das war vor ... fünf Tagen. Finde ich jetzt nicht so zeitnah, aber... ähm... Praxisalltag? Ist halt schon super stressig - so denke ich mir das jetzt schön.)
c) Die Essstörung pflanzt weiterhin fröhlich ihre Gedanken in meinen Kopf.
(Aktuell: wie unglaublich "fett" ich in den letzten Wochen geworden bin.) Ich versuche, möglichst wenig darauf zu hören. Und schon gar nicht danach zu handeln. Das kann ich im Moment nämlich nicht gebrauchen. (Und nicht nur "im Moment" - eher: nie wieder.)
d) Es verwirrt mich, dass das Gefühlschaos nach meinem Treffen mit Cheza sich nach ein paar Tagen (!) einfach so (!) größtenteils wieder gelegt hat. (Könnte auch daran liegen, dass hier gerade - aufgrund von (zu viel) Stress - super viel Krams dissoziiert wird. Die Dinge sind alle einigermaßen weit weg.) Also - wenn ich darüber nachdenke merke ich schon, dass ich wieder wütend werde. (Ihre Anspielungen. Ich bin's allmählich Leid. Ichmeinwassolldenndas?) Ich habe auch immer noch ein schlechtes Gewissen. Und ich habe Angst. (Und ich ziehe in Betracht, dass ich's wohl wieder (zu sehr) romantisiere... keine Ahnung. Kompliziert.)
e) Es. Ist. Juni. Es ist sogar schon Mitte Juni. Ich frage mich, ob der Sonntag wieder so eine Katastrophe wird wie im letzten Jahr. [
Ich habe keine Angst vor den Dingen, die wirklich passiert sind. Aber. Da sind Szenen, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie echt sind.
Denn - das dürfen sie nicht sein. Sie können unmöglich so passiert sein; sie sind zu schlimm für Realität.]
 Glücklicherweise ist das gerade auch einigermaßen weit weg.
f) Das mit der Selbstfürsorge hat auch schon besser geklappt. Ich vergesse Sachen wie: Medikamente nehmen oder Wasser trinken. Sport & Spaziergänge sind bei dem Wetter auch so... meh. Aber - der Hochsommer wird vergehen. Der Examensstress auch. In ein paar Monaten verändert sich a l l e s. Auf der einen Seite kann ich's kaum erwarten. Auf der anderen Seite verursacht genau diese Tatsache Panik. Natürlich ist das ein Stück weit völlig normal.
Aber ich muss es mit den Gefühlen direkt wieder übertreiben. Großartig.

Freitag, 4. Juni 2021

the machine is burning and now everyone knows it could happen again

In meinem Traum trägt Cheza - wie so oft - ein violettes Kleid. Sie sieht darin wunderschön aus. Überhaupt könnte alles gut sein... hätte irgendjemand sie nicht mit einem Messer (?) schwer verletzt. Als ich sie finde, ist es für Hilfe bereits zu spät. Ich halte sie in meinen Armen, während sie verblutet. In der nächsten Szene bin ich alleine in einem großen, mir nicht bekannten Raum. Es ist gerade genug Licht um erkennen zu können, dass überall Schaufensterpuppen aufgestellt sind. Jede einzelne von ihnen trägt Chezas Kleid. Es ist voller Blut. Ich wache weinend auf und kann eine Weile nicht damit aufhören. Nach so einem Traum würde ich mir normalerweise Sorgen um sie machen. Muss ich dieses Mal allerdings nicht, weil ich sie am Vortag erst angerufen habe und weiß, dass sie in Ordnung ist. Das war am Dienstag. Auf meine Frage hin, ob wir uns treffen können, antwortet sie ohne einen Sekundenbruchteil zu zögern "Ja klar. Wir haben uns ja auch schon lange nicht mehr gesehen." [Ja. Klar. Mir war das nicht so... klar. "Klar" ist eine der letzten Bezeichnungen die ich wählen würde, um unsere Beziehung zu beschreiben. Es ist immer noch sehr richtig. Aber mir ist nicht k l a r wie irgendetwas von dem hier funktioniert. Oder zu was für einem Menschen es mich macht.]

Jedenfalls: ihre Antwort macht mich fast schon wieder etwas zu glücklich. Und trägt mich durch diese Woche, die nochmal stressiger ist als die vorherigen zusammen, weil examensrelevante Unterlagen abgegeben werden mussten... in doppelter Ausführung... und der Kopierer in der Schule nicht funktionierte... und 30.000 andere Dinge nicht funktionierten... Aber. Cheza.
Oh, und - um das hier mal wieder zu einem unstrukturierten Schwafelpost zu machen - ich habe endlich Stellenangebote gefunden, die passen könnten. War ja zusätzlich zum "Hauptstress" minimal gestresst, weil 80% meiner Mitschülerinnen einfach schon einen Job haben, und ich hab nicht mal eine einzige Bewerbung los geschickt, weil ich in einem bestimmten Bereich arbeiten möchte, für den einfach nichts ausgeschrieben war. Diese Woche sind aber gleich drei Stellenausschreibungen in der Schule eingetrudelt, und wenn die Zukunft
weniger... Panikattacke ist, und ich mich auf mehr konzentrieren kann als den Zeitabschnitt, der direkt vor mir liegt, kann ich auch eine Bewerbung schreiben. [Dann muss ich nur noch von den Gedanken absehen, dass mich eh niemand einstellen wird, weil mein Lebenslauf recht... interessant ist, und sowieso sind meine schulischen Leistungen viel zu schlecht; ich bin ein absolut unfähiger Mensch und und eine noch unfähigere Therapeutin, weil viel zu kaputt, und alle Freund:innen, Mitschülerinnen, und Lehrer:innen, die so an mich glauben, haben einfach Unrecht. Meine ehemaligen Praktikumsstellen, die mir vor ner Weile nen Job angeboten haben wissen auch nicht, was sie tun. Wozu also bewerben, die werden mich sowieso nicht wollen.]
Den Rest des Tages werde ich versuchen, möglichst wenig für die Schule zu machen. [Dazu habe ich ja noch Samstag und Sonntag. Fühlt sich gut an.] Also gleich Yoga, kurz unter die Dusche hüpfen, Haushalt erledigen. Oh, und dabei BRUIT ≤ in einer Endlosschleife hören. Weil Liebe ♥

Freitag, 9. April 2021

Zu früh gefreut

Drei Tage später. Nach 1:16 Minuten ist die Zukunft ein Scherbenhaufen. Der Stand ist jetzt doch anders als ich dachte. Ich glaub das passt dann leider doch nicht. Naja... ist ja nicht so, als wenn ich es nicht passend machen könnte, aber wenn ich zum Wintersemester (oder spätestens Sommersemester '22) nicht an die Uni komme, dann... werde ich nie studieren. Kurze Debatte mit mir selbst, ob ich denn unbedingt einen Universitätsabschluss brauche für meine berufliche Zukunft, oder ob das nicht eher der von der Leistungsgesellschaft eingepflanzte Gedanke ist, dass man mindestens einen Bachelor braucht, damit aus jemandem "etwas wird" - was spricht denn dagegen, sofort Vollzeit zu arbeiten? Nur dass ich mir alle Optionen offen lassen will. Wer sagt denn, dass ich nicht in 10 Jahren vielleicht doch unterrichten möchte? Oder irgendetwas anderes tun möchte, wofür das Examen nicht ausreicht? Und dann (in 10 Jahren) steige ich sicherlich nicht nochmal aus dem Arbeitsleben aus, um mich in einen Hörsaal zu setzen.
Oder ich habe doch einfach bloß Angst, ich könnte etwas verpassen, wenn ich nicht studiere. Zusätzlich: so schön diese Stelle wäre - ich nehme garantiert keinen Vollzeitjob an in dieser Stadt. Das ist für mich einfach keine Möglichkeit. Ich muss hier endlich weg, aber das habe ich für in knapp zwei Jahren geplant; ich meine, Irelia will gerade die Langzeittherapie beantragen, ich werde sicherlich nicht in fünf Monaten irgendwo anders hinziehen.
Dann gerade mal spontan Stellenangebote gesucht - 28 Stück hier in der Umgebung, davon EINE Teilzeitstelle. Klar könnte ich da anrufen und fragen, ob ich auch mit weniger, also mit viel viiieeel weniger Stunden anfangen könnte, aber müsste ich da, naja, anrufen und mit Menschen sprechen. Kurz überlegt, mich in der Praxis zu melden, in der ich das Praktikum gemacht habe, weil die mich ja auch wollten, aber - vorausgesetzt, die nehmen mich - dann müsste ich pendeln, und außerdem... äh, Kinder. Das ginge für 3 Semester, aber... schön wäre das nicht. Meine Optionen belaufen sich scheinbar auf: a) Teilzeitstelle & Studium (in dieser Stadt; ich "muss" hier studieren aus Gründen) oder b) ähm, eigentlich wollte ich schreiben "Vollzeitstelle in far far away" aber... ich fühl's nicht richtig. Schade eigentlich. Ich habe gerade gedacht, dass ich drum rum komme, mir auf "herkömmlichem Wege" eine Stelle zu suchen, aber wo das über Vitamin B jetzt scheinbar nicht funktioniert... Naja. Ich gehe dann mal meinem Parkettboden und den Holzbalken an der Decke hinterher trauern, UND den Kreuzworträtseln, und äh, bespreche dieses Thema mit einem Menschen, der mehr Lebenserfahrung hat als ich. Also mit meinem Vater. (Wer hätte gedacht, dass wir mittlerweile diese Art von Beziehung führen. Ich nicht.)

Dienstag, 16. Februar 2021

but I feel I'm getting nowhere // and I'll never see the end

Vielleicht sind das so ne Art Wochenend-Depressionen; wahrscheinlich fehlt mir einfach nur Struktur. Interessanter Gedankengang. Gestern. Heute habe ich mich direkt eines Besseren belehrt. Auf der Arbeit wurde es ab der Mittagspause schon kritisch - nicht vor dem Patienten weinen, nicht dissoziieren, und mich dann nur noch an die 30.000 Muskeln erinnern, und in welcher Reihenfolge man die nochmal behandelt, und ganz wichtig: nicht vor dem Patienten weinen - aber irgendwie ging das noch. [Im Grunde läuft es dort so gut, dass meine Kollegin mir... naja, einen Job angeboten hat kann man nicht sagen, weil sie nicht in der Position dazu ist. Aber sie hat mir erzählt, dass ab August/September eine Stelle frei wird und sie hat mir dazu geraten, mich zu bewerben und meinte auch, dass sie mich für die Stelle empfehlen würde.
"Ich kann mir das sehr gut vorstellen, du würdest auch super hier ins Team passen..." Und ich komme immer noch nicht klar, weil die Stelle in dieser Einrichtung für mich schon fast Traumjob-Charakter hat; ja als ob die mich echt einstellen würden?! *_*] 
Jedenfalls: in der Schule ging es dann nicht mehr. Der Plan war eigentlich, mir nur kurz die Augen aus dem Kopf zu weinen und dann meine Therapie vorzubereiten, aber das ist in einem kompletten Zusammenbruch geendet, welcher ein ernstes Gespräch mit meiner Lehrerin und die Therapieabsage zur Folge hatte. Das schlechte Gewissen wird mich noch Tage verfolgen. Kein Spaß. [Das nächste Mal weine ich dann wohl besser wieder auf der Toilette. Und nicht im Klassenzimmer. Weil - auch wenn ich alleine bin - da immer jemand reinkommen kann. Hätte mir eigentlich auch klar sein müssen.] Tatsächlich war das "ernste Gespräch" auch mehr ein "Was können wir tun, um Sie zu unterstützen?" und so lieb das gemeint ist - ich habe einfach keinen blassen Schimmer. Was die Schule tun kann. Oder Irelia. Oder ich. Oder sonst irgendwer. [Still this barrenness consumes me // And I feel like giving up]

Aufgeben kommt aber nicht in Frage. Ich bin nicht so weit gekommen, um nur so weit zu kommen. Dann wieder ist mein einziger Wunsch, dass sie aus meinem Kopf verschwindet. (Dann ziehe ich in Betracht, Alkohol zu trinken - ja, unter der Woche. Ist aber keine Option. Aber auch nur weil ich weiß, dass ich im Leben nicht genug trinken könnte, um sie zu vergessen.) Gleichzeitig will ich das nicht - sie vergessen. Oder sie gar verlieren. Das ist das Schlimmste, das ich mir vorstellen könnte - und ich bin richtig gut darin, mir schlimme Dinge vorzustellen. [Fähigkeit im Lebenslauf: "Falls Sie mal ein worst case brauchen... ich hätte hier 10. Suchen Sie sich eins aus."] Und... an dieser Stelle muss ich meine Behauptung von eben zurückziehen. Dass ich keinen blassen Schimmer habe, was "sonst irgendwer" tun könnte, um mich zu unterstützen. Cheza. Könnte eine Menge hilfreicher Dinge tun. Vermute ich.
Aber. Ich kann sie nicht darum bitten. Ich kann gar nichts. Am Allerwenigsten weitermachen.
Ohne sie.
[The thought of starting over leaves me paralyzed // Dream Theater - Wither]