Samstag, 31. Oktober 2026

of scarecrows and sycophants

when tomorrow walks in today
and the world's dressed in decay
when the past opens its maw
and the scarecrows shed their straw
when the child's lost on the lake
not much longer i can take

guide me into your paradise -
alas, i'm trapped beneath thick ice
and darling, i can't reach the key
to release the sun in me
i'm only dreaming of your face
'til hollowness will take my place

i just hope you're safe and sound
even when i'm not around
and i can no longer provide
forbidden thoughts to reach inside
but if you need to suck me dry
love, i gladly will comply

turn me into a sycophant
so i die happy in - the end 

Freitag, 30. Oktober 2026

260619

Früher

Aber ich wäre nie das Licht, das für sie scheint, oder die Sonne auf ihrem Gesicht. Mehr so der Wind, der durch ihre Haare fährt, oder der Regen, der auf sie hinab tropft. Die Eisblumen an ihrem Fenster. Der Mond, der in der Nacht einen fahlen Glanz in ihr Zimmer wirft. Wäre ich der Mond, könnte ich über sie wachen, über ihr schweben, so wie ihre Anwesenheit über mir schwebt. Ich könnte eine Welle sein, die am Strand ihre Füße umspült. Der salzige Geruch des Meeres, der in der Luft liegt. Ihre stillen Momente. Ihr erster und letzter Gedanke des Tages. Vielleicht geht es nicht darum, was sie für mich ist. Sondern darum, was ich für sie sein will.

Jetzt

Nun bin ich Regen. Und dazu gezwungen, mich in Schweigen zu kleiden. Kann höchstens noch
ü b e r sie sprechen. Und uralte Texte ausgraben. Und alles daran tut weh.

Freitag, 23. Oktober 2026

breathe me

breathe me away
my dear, i'll ask for nothing more
'til only a breeze is left to adore
my body unholy, only essence to stay

breathe me away, breathe me away
let's find our home beyond the sky
want to forget the if and why
we're meant to embrace the decay

and together we will seethe
tangled, twisted, cosmic flood
please, i need this in my blood
breathe me away, breathe me away, breathe -

Mittwoch, 21. Oktober 2026

meadows for the wanting

something hell-forged, something godly
something like your summerdress
one look at you and i'm a mess
with thoughts inside my head so oddly

like acid and like alkaline
at the same time, never grey
your every wish i would obey
my molecules no longer mine

mine is only hunger, dear
want to consume the flowers
i am starving, hunting hours
innermost, not voiced, the fear

'cause in my mind it gets confusing
when i see you - dressed in june
afraid sunshine will be over soon
and autumn can not change a thing

Dienstag, 20. Oktober 2026

Okay?

Ich sitze in meiner Küche. Banne die Fragen auf eine Leinwand. (Is that your home? Can we go there? Would you take me? / Could we tell them? Ever? Are you still afraid? / Do you like to break things? Me, the rules; me, again? Are you now satisfied?) Alles verschwimmt. Wenn ich den Finger irgendwann in genau diese Wunde legen möchte, schreibe ich aus den Zeilen ein Gedicht. Aber. Es ist nur eine Frage, die mich wirklich beschäftigt. Ob sie nicht gnädig war, am Ende. Sonst hätte sie mich vor die eine Entscheidung gestellt: "Okay" sagen und nicht "Okay" meinen, daran dann kaputt gehen vs.: in den Zug steigen - in dem Wissen, dass es das letzte Mal sein wird. (Was mir wiederum eine weitere Entscheidung abverlangt hätte. Und seien wir doch mal ehrlich - so hätte ich mein "Okay" noch weniger glaubhaft über die Bühne bringen können. Wenn sie doch merkt, bevor ich es merke, dass ich - ja, und dann, ohne diese Maskerade, hätte ich es doch bloß in seine Einzelteile zerschlagen. Mit meinem dummen Verlangen. Nach mehr.)

Ich weiß. Ich weiß, ich saß da wieder mit ner Flasche Wein, aber scheiße, war das nicht besser so? Statt mit zitternden Fingern meine verdammte Teetasse zu umklammern, mit zitternden Fingern zum Telefon zu greifen. Und. Dann. Ende - statt mir schon auf der Treppe mit meinen eigenen Händen das Herz aus der Brust zu reißen; war das nicht besser so? Nur dieser eine Moment, in dem die Welt aufhörte, sich zu drehen - seitdem tut sie es nicht mehr vernünftig, ich weiß ich weiß ich weiß, aber ich werde vermutlich nicht an inneren Blutungen sterben, und das ist doch eigentlich ganz nice? Musste zwar Talos zu nem Gott machen, um dieser Stille zu entkommen, aber kann mir ja keiner erzählen, dass der Typ das nicht auch verdient hätte.

Jetzt blute ich Farbe, und Wörter - als hätte i c h das nicht verdient. Als hätte ich es nicht verdient, an genau diesem Ort und in genau diesem Augenblick zu sein. Würde sie bloß hinsehen, glaube ich, könnten wir endlich die selbe Person erkennen, in mir. Aber. Das tut sie nicht mehr. Also von was für einer Gnade spreche ich denn eigentlich. Gnädig: das wäre gewesen, mich gehen zu lassen. Und verdammt, es ist so so so falsch, dass wir überhaupt an diesen Punkt gelangt sind. Ist das Liebe gewesen, ja, der sagt man immerhin nach, dass sie blind macht - oder Ignoranz. Und - spielt das jetzt noch eine Rolle? Ich weiß es nicht mehr. 

Samstag, 17. Oktober 2026

teatime with tempest

there's you, hibiscus, and no no no
know i'm supposed to leave, but please don't make me go -

cause i'll bleed out from the inside
when i'm not with you, there's nowhere to hide

got only a teacup to try to defend
all while i wonder if i'm a means to an end

is that why you won't save me?
my dear, or don't you see?

the epitome of libertine
the one who won't come clean

Freitag, 16. Oktober 2026

shape (of) me

i melt away in honey-light
'cause you are there, you're in full bloom
the only flower in the room
and i resist with all my might

i try to look away instead
to the table, the mirror, your shoes and the sky
i ask myself the question: why?
i only kissed you inside of my head

my dear, you'll be the death of me
and dying is no art no more
make wax my whole exterior
if you're the chain, i won't break free

Donnerstag, 15. Oktober 2026

the tailoress of hearts x clandestine

I. the tailoress of hearts
lost my fire, never found friday
let me live inside this dream:
you send your love, my darling, my way
'til i'm breaking at the seam

then don't worry dear, you can just
stitch me up with sure instinct
as a thread i offer my trust
but it was over once i blinked

'cause thoughts are not a place to live
inside, that's a taboo
and yet again, i'd always give
my dreams, my love, to you

II. clandestine
they told me dreams are fleeting
but i would do it wide awake
until, my dear, we're meeting
in thoughts i then - forsake

'cause they become a twisted mess
no, you and i can't stay
my currency is valueless
when fever i obey

it's best to keep dreams clandestine
afraid of my own mind
i know, i know, you won't be mine
from now on, nights go blind

III. jetzt
das eine ist dem anderen irgendwie entsprungen, beides fliegt seit ende september schon hier rum, und nun gibt's zwei zum preis von einem. die wollten nicht miteinander. aber irgendwie sind sie das gleiche? die texte, meine ich. (neben kreuzreim jetzt übrigens auch freigeschaltet: der emily-dickinson-gedenk-gedankenstrich. (was ein wort.) hurra.) ich gehe jetzt. bevor ich noch auf die idee komme, hier etwas zu erklären. denn wo bliebe dann der spaß?

Dienstag, 13. Oktober 2026

don't stay here

Aus einem Herbst einer längst vergangenen Zeit

Erinnerungen: ein weißes Haus, ein seelenloses Zimmer. Es ist k a l t. Wenn ich den Kopf leicht nach links drehe, kann ich durch das Fenster in einen sterbenden Garten sehen. Er könnte fast schön sein in seinem Verfall; doch kann ich nicht anders als Cheza anzusehen - sie ist schöner. Als alles, was mir jemals begegnet ist. (Sie würde widersprechen, würde ich diese Worte tatsächlich äußern. Also tue ich es nicht. Ich darf nicht. Der plot twist: Sie nennt m i c h wunderschön und … was tut sie denn da? Ist das in Ordnung?)

Ich: lese ihr aus einem Buch vor* und rede in Metaphern. Sie benutzt die Sprache meiner Träume. (Ihre Worte sind wie Diamanten, ähnlich wertvoll. Mit zitternden Fingern hebe ich sie vom Boden auf.) Aber sie spricht auch Realität. Eigentlich sollte sie mir sagen, dass wir uns nicht mehr so oft sehen können - doch sie tut es nicht. Weil es sich für sie (auch) nicht. Richtig. Anfühlt. Dann sind da noch: Kirschkuchen im Dezember. Eine Blume, die niemals sterben kann. Und Wärme, wann immer sie mich in den Arm nimmt. Wärme … das erste Mal in - dieser Woche? Diesem Monat? Diesem Leben? Ich wünschte, sie würde mich nie wieder loslassen. Aber sie tut es doch. Ich bin verwirrt weil es sich so gut anfühlt, verwirrt weil das doch nicht so sein sollte und verwirrt weil. Es sich einfach viel zu gut anfühlt. Dann: gehe ich. Alleine. In die Dunkelheit. Die Tür fällt jedes Mal viel zu laut hinter mir ins Schloss; ein Geräusch, das ich verabscheue. Denn es besitzt die Macht, (uns) zu trennen. [...]

* "Die Welt ist ein Schattentheater, eine Oper, und Szenen wie diese sind die Glanzpunkte in ihrem Libretto. Sei nicht allzu verärgert über meine Rolle. Du würdest es nicht verstehen, ganz gleich, wie oft ich es Dir erklärte. […] Die Gesunden können die Entleerten, die Gebrochenen nicht verstehen. Du würdest mir lediglich die Gründe aufzählen, warum sich das Leben lohnt, aber die habe ich alle im Frühsommer am Victoria-Bahnhof zurückgelassen. […]"
David Mitchell - Der Wolkenatlas

Jetzt

Nur minimal bearbeitet; gekürzt, am Ende - aber was ist schon das Ende, oder, besser: wann? Wenn ich doch hier noch sitze, mit Geistern in meinem Kopf und einem seltsamen undefinierten Gefühlsknäuel in meiner Brust. Nach fast 12 Jahren. (Sieben, wenn man sich auf den Text bezieht. Vier, wenn man - und sechs Monate erst, nachdem ich dachte, meine gesamte Welt würde aufhören zu existieren.) Zeit. Ist ein wundersames Ding. Aber was davon hat noch eine Bedeutung? Wenn es stimmt, dass wir nicht nur Tropfen sind. Sondern auch Ozean - ? 

Sonntag, 11. Oktober 2026

Für immer Herbst

Aus einem Herbst einer längst vergangenen Zeit

Ich werde mich immer an den Herbst erinnern. An Regen, an den sterbenden Garten, an den Moment in dem ich aus dem Haus trete und meine, es sei stockfinstere Nacht, dabei weiß ich genau, dass es nicht viel später sein kann als 18 Uhr. Weil das so funktioniert, oder nicht? Nur dass ich nicht funktioniere; nur dass ich auch sterbe - ihre Worte aus dem Sommer klingen in meinem Ohr, klingen wie Sommer, und ich laufe und laufe und laufe an den Bahngleisen entlang, bloß ist sie nicht dort dieses Mal, bloß verliere ich jegliche Hoffnung, ein wenig mehr mit jedem meiner Schritte. Ich kann nirgendwo mehr hin; ich kann nicht einfach vor ihrer Tür stehen. Oder kann ich? Aber wie würde das denn aussehen? Und außerdem - was sollte ich sagen? Außer Bitte schick mich nicht weg oder Ich will nicht mehr gehen müssen - im Grunde kaue ich noch immer, auch nach über einem Jahr, auf diesen Worten herum. Sie werden nie weicher, also schlucke ich sie als Ganzes, und wenn ich Blut husten muss, dann nur, weil sie mit ihren scharfen Kanten in mein Innerstes schneiden. Dann denke ich an die Worte, die s i e hat ungesagt lassen; ich bilde mir ein, dass sie existieren, aber ich hab mir auch eingebildet, dass ich das alles schon auf die Reihe kriegen werde, und vielleicht ist beides ein Irrglaube? Darf nicht denken an all die Momente, in denen ich mir eingebildet habe, dass sie beschließt zu schweigen, denn normalerweise ist das mein Part, denn normalerweise findet sie immer die Worte. Streng genommen gibt es nur vier Worte, die ich hören will aus ihrem Mund, weil ich dann die Augen nicht länger vor der Tatsache verschließen könnte, dass sie mich nicht liebt. Sie hat mir die Welt zu Füßen gelegt aber: sie liebt mich nicht, sie hat sich für mich entschieden aber: sie liebt mich nicht; sie liebt mich nicht, und vielleicht, vielleicht ist das in Ordnung. Vielleicht habe ich auch so mehr bekommen, als ich je zu träumen wagte.

Jetzt

Und wenn ich gewusst hätte, was ich "bekomme" und dass es stellenweise unterm Strich echt beschissen aussehen würde für mich - wäre das dann immer noch alles so in Ordnung. Hätte ich gewusst, dass sich Monate, wieder und wieder, anfühlen würden wie dieses eine verdammte Jahr. Hätte ich gewusst wie kalt es wird im Frühling; wie oft ich versuchen würde, meine blutleeren Adern aufzufüllen mit ner Flasche Wein. Hätte ich gewusst, dass am Ende nichts bleibt außer Schweigen - ja vielleicht, vielleicht ist das in Ordnung. Vielleicht habe ich auch so bekommen, was ich brauchte.

Donnerstag, 8. Oktober 2026

you've stripped me down the layers fall like rain

Aus einem Herbst einer längst vergangenen Zeit

Fünf Jahre lang wollte ich nur sehen, dass ich Dir wichtig bin. Konnte Deinen Worten nicht glauben, bis Du ihnen endlich auch hast Taten folgen lassen. Gleichzeitig hast Du mir signalisiert - bis hierhin. Nicht weiter. Keinen Schritt weiter. Du wirst mich gehen lassen, immer und immer wieder; egal wie oft ich zurückkehre zu Dir. Ich weiß das. Glaub mir, ich weiß. Und trotzdem wünschte ich. Wünschte, dass ich das nicht länger tun müsste. Dass wir das nicht länger tun müssten - zumindest nicht so; ich wünschte, dass wir diesen Ort verlassen könnten, zusammen, dass wir uns vor dem Haus nicht trennen müssten, aber ich weiß, dass das nicht geht. Weil es nämlich keinen Ort gibt, an den wir gehen könnten.

Denn 2/3 des Tages führst Du ein Leben, in dem ich nicht existieren darf. Wenn Du mir also sagst, dass Du in dieser Zeit an mich gedacht hast - bedeutet das etwas? Ich weigere mich zu glauben, dass es das tut. Weil ich dann nämlich fast so leichtsinnig werden könnte zu glauben, ich hätte eine Chance. Über das restliche Drittel mag ich gar nicht sprechen, nachdem ich so wirkungsvoll daraus getilgt wurde. Wie ein Dieb schleiche ich mich zurück, an einen Ort, an dem ich nicht länger erwünscht bin. Für was? Für Worte, die ich zurückhalten muss, weil ich Dir so viel an Gefühl nicht zumuten kann? Gefühl, das nicht angemessen zu sein scheint. Ich habe Dir einen Bruchteil davon offenbart - nein. Offenbart habe ich Dir gar nichts. Ich habe die Tür nicht abgeschlossen, wie immer in Deiner Gegenwart. (Weil ich mich sicher fühle. Bei Dir. Nur bei Dir.) Vielleicht hab' ich die Tür sogar ein Stück geöffnet - und Du hast in meine Stille gegriffen und den Teil ans Tageslicht geholt, den Du zuvor nicht sehen konntest, denn ich hatte ihn verschlüsselt.

Er war verschlüsselt - da sind nur wir Beide gewesen, an einem Freitag - und ich hab' nicht länger dagegen ankämpfen können, und hab' Dich in meiner Seele lesen lassen wie in einem Buch. Ich bereue. Es nicht. Ich bereue, dass ich damit fast vier Jahre lang gewartet habe. Aber weißt Du, ich hatte Angst. Angst, dass Du es nicht verstehen würdest. Angst, dass man Dich mir wegnehmen würde. Und vielleicht tat ich gut daran, denn im Grunde haben sie das getan. Wieso hast Du auch gesprochen? Nein - wenn ich sage, darüber zu sprechen war (D)ein Fehler, dann sage ich: Lass mich Dein Geheimnis sein. Das Gegenteil war der Fall. Bloß dass Du noch immer m e i n Geheimnis bist, denn nachdem ich daran gescheitert war, es im Februar diesem Therapeuten zu erzählen, habe ich es verschwiegen. Jedem. Einzelnen Menschen. Bis ich glaubte, das nicht eine Sekunde länger aushalten zu können. Ich kann es nicht länger aushalten, Cheza. Du sitzt unter meiner Haut. Und Du brennst wie Feuer.

Jetzt

Die Zeilen sind anders gebrochen. Mein Herz ist es auch. Sie existiert nur noch auf Papier, und in einem Raum, in dem "ihr" Bild an der Wand hängt. In einem Raum, für den ich so dankbar bin - aber manchmal habe ich Angst. (Doch was könnte schlimmer sein. Als sie zu verlieren.)

Freitag, 2. Oktober 2026

in lieu of flowers

is there a soul beyond the words
at the place that always hurts
scratch the walls until they bleed
then cover them in foreign meat

foreign colours passing by
at the funeral of I
can you will them all away?
fuck them fading, i won't stay

'cause i'm a person without you
and i was fooled by dreams untrue
paint the room in gold instead
but keep you hidden in my head

keep you hidden in my heart
'til the time has come to start
say goodbye to reverie
you and i can't see to see

Samstag, 26. September 2026

sarah's gone in the afternoons

does the staircase have to end
why can't i just be your friend
instead of sneaking through the door
like a thousand times before

a thousand times, i trusted you
a thousand times, the sky in view
but paradise does not exist,
the way is lost, lost in the mist

the mist that's seeping from your eyes
tell me, please, i'd pay the price
for a time that's marked - a thousand and one
but if she finds out, then we are done

Donnerstag, 24. September 2026

of lock and key

I am the warden, I am the key
The prison is inside of me
My inner voice still calls your name
I took the fall, but you're to blame

The world's ablaze behind the door
With honey-light; I'm on the floor
'Cause it's so lovely when I drown
You told me, then removed your crown

To eat all the silver, eat all the gold
Devour the secrets that I sold
For a taste of freedom, but never to last
Because violet now only exists in my past

The future looks blurry and I can't see
The lock that's supposed to set me free
So I remain inside of your garden
Still I am the key, still I am the warden

Mittwoch, 23. September 2026

L'Adieu

 I. Die Ausstellung ist [...] Zeitverschwendung.

Wirklich. Man muss das schon erklärt bekommen, sonst versteht man nichts davon. Da sind nicht einfach Bilder drin, oder Skulpturen, und man denkt sich: ah, hübsch. Oder wahlweise: das hätte ja meine Katze besser malen können. 

Natürlich gibt's nen Audioguide, den müssen Sie nicht mal bezahlen, der ist gratis. Der ist allerdings auch verfasst von einer Person, die nicht bekannt ist mit Kohärenz. Also: nicht hilfreich.

(Die Snacks sind auch gratis. Ich meine: der Snack. Es gibt Popcorn - das ist süß UND salzig, gleichzeitig, gemischt, und wenn Sie möchten, kann das gerne eine Metapher sein für das Leben. Es ist aber eigentlich nur, wie ich Popcorn esse.)

An der Garderobe ist kein Platz. Da hängt genau eine Jacke. Hunderte Haken sind noch frei. Aber nein, Sie können Ihre Jacke nicht mit dazu hängen - diese Jacke dort hat die Farbe von Sonnenblumen und ist ein bisschen flauschig; es ist eine Drinnen-Jacke, keine Draußen-Jacke. [...] (Außerdem ist da keiner, der Ihre Jacke entgegennehmen würde. Aber irgendjemand m u s s dort gewesen sein; da steht ein Teller mit Kuchen, Kirschkuchen, genauer gesagt, der ist halb aufgegessen - ganz bestimmt ist das auch eine Metapher, darüber, wie ich Dinge nie zu Ende bringen kann.) Ach ja, daneben haben wir ein Geschenk, das eingepackt ist in dunkelblaues Papier. 

Die Garderobe ist Ausstellungsstück A; ich nenne es: Komplementärkontrast. Gehen Sie durch die Tür daneben, hängen in dem Raum überall diese Tauben, die Picasso gemalt hat, und da sind Personen, die diese ganz andächtig betrachten, so mit auf den Rücken verschränkten Armen. Jede dieser Personen hat eine Maske auf. Es ist ein bisschen creepy, aber Sie müssen da leider durch, durch die nächste Tür, dahinter ist's ein bisschen wie im Planetarium, suchen Sie sich nen Sessel aus, lehnen Sie sich zurück, Sie sehen: das Regengestirn, den Aldebaran, die Plejaden - der ganze Himmel ist voll davon, Sie sehen nichts anderes. Sie hören: Constellations von Enter Shikari. Sie möchten nie wieder raus gehen. 

Sie können gerne noch bleiben. Aber nicht länger als 18 Uhr. Sie verlassen den Raum durch einen Windfang, der vorher nicht da war, und - hey, wie gut, dass Sie Ihre Jacke noch
tragen - ein kleines Stückchen geht's draußen durch den Garten. Der Garten ist wunderschön. Der Garten stirbt, schließlich ist es Dezember. Sie schauen trotzdem hin. Aber nur, weil Sie es nicht ertragen, [Cheza] anzuschauen. (Sie ist noch schöner. Als der Garten. Und alles, was da blühen würde, wäre es Frühling, oder Sommer, oder meinetwegen auch Herbst - da blühen dann Dahlien, und das sind meine Lieblingsblumen, und ich mag [ausgeklammert weil wegen Internet] nicht mal besonders gerne, aber -

Aber wie soll ich das in Worte fassen? Wie ich an [Cheza] denke, und an ihre Haare, ihre Augen, ihre Hände - ganz so, als sei ich, ja, vollkommen übergeschnappt, aber keine Angst, das müssen Sie nicht verbalisieren. Es reicht, wenn Sie sich eine Notiz dazu machen. Notieren Sie sich: Gehirnwäsche, denn wie könnte ich sonst? [...]

Wohin möchten Sie als Nächstes? Oh, d i e Tür da? Die siehst so anders auch, nicht wahr? Da gehen Sie durch, und dann noch durch sechs weitere, aber eigentlich können Sie sich den Weg sparen. Die letzte Tür wird verschlossen sein. Auf dem Schild daneben steht lediglich: Freitag. Ja, ich meine, Sie könnten durchs Schlüsselloch schauen. Aber ich weiß nicht so genau, was Sie dann sehen würden. Vermutlich steht die Welt dahinter in Flammen. Vermutlich ist das besser.

Also, machen Sie sich die Mühe besser gar nicht. Wir könnten hinauf gehen, in den ersten Stock. In den Raum, in dem immer die Sonne untergeht. Dort könnten Sie sich dann setzen, und eine Tasse Tee trinken. Dabei gibt es nur eine Regel: Sie müssen den Henkel so fest umklammern, dass Ihre Fingerknöchel weiß hervortreten - kriegen Sie das hin? Besser noch, wenn Sie die Zähne aufeinander beißen, sodass Sie's im ganzen Kiefer spüren, denn auf gar keinen Fall dürfen Sie den Mund öffnen, denn dann würden Sie etwas sagen, dass Sie garantiert bereuen werden. Nein, Sie haben Recht, Sie werden diesen Tee nicht wirklich trinken, der ist eher eine Art Requisite - ich hoffe, Sie sind nicht allzu sehr enttäuscht. Um unbefangen eine Tasse Tee zu trinken, braucht es ein Paralleluniversum - nach den ersten Schlucken gestehen Sie [Cheza] dann aber auch Ihre Gefühle, und wahrscheinlich ist es dann schon vorbei mit der Unbefangenheit. 

Wir gehen besser wieder, was? Schauen Sie, hier, in diesem Zimmer, hängen die Wände voll mit Buchseiten. Im Nachbarraum sind die Bilder untergebracht, die ich für [Cheza] gemalt habe. Im Zimmer daneben - ja, das sieht verdächtig nach einigen meiner Tattoos aus, das haben Sie gut erkannt. Hier sehen Sie Sterne, und noch mehr Sterne, einen Dolch, eine Briefmarke, und über dem Ausgang steht: et souviens-toi que je t'attends. Nein, das kann ich Ihnen nicht übersetzen, das wäre völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Ich glaube, für französische Gedichte, die vor mehr als 100 Jahren entstanden sind, gibt es hier irgendwo auch einen eigenen Raum. 

Lassen Sie mich gerade einmal auf den Plan schauen? Ah, wie habe ich d a s vergessen können: kommen Sie mal mit um die Ecke, hier finden Sie eines meiner Lieblings-Ausstellungsstücke. Ja, ich weiß, das ist ein Beet; Sie müssen die Osterglocken noch pflücken und dann in die kleine blaue Tasse da stellen, dann ist es fertig. Wenn Sie möchten, nehmen Sie danach einen von den Blaubeer-Muffins - da sind allerdings Mandeln drin; sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. 

Zum krönenden Abschluss präsentiere ich Ihnen: mein Wohnzimmer. Bleiben Sie bitte einmal genau h i e r stehen - Sie müssen bloß aufpassen, dass Sie nicht gegen die Bücherstapel stoßen, und ich setze mich schnell da rüber und lese Ihnen folgenden Text vor: [...]

xxxxx

II. Auszug aus einem Textgebilde, das fast eine Mail an meinen Therapeuten geworden wäre, haha. Ich würde euch viel Spaß wünschen, aber ihr seid mit dem Lesen ja schon fertig, also wünsche ich viel Spaß gehabt zu haben, falls Syntax es mir erlaubt. (Ich hab das noch kommentieren wollen, das ganze Gebilde, aber das lief dezent aus dem Ruder, jetzt bin ich zu müde, und überhaupt machen es mehr Worte an der Stelle wahrscheinlich auch nicht besser, also bleibt das jetzt so. Falls ihr wider Erwarten noch mehr wissen möchtet, müsst ihr euch doch den Audioguide runterladen. Ich verbleibe: mit vielen Grüßen aus meinem Museum.)

Dienstag, 15. September 2026

alveola

lungs full of colour, still breathing
you hide inside the capillaries
teeth sharp as diamonds, eyes like tourmaline,
clutching your own strings

oh, it's beautiful you're so aware
too bad i can't have a dance with you
not as long as your dress is
still stained with blood

yes, and this firebrand will leave a mark, too
please hand over your licence and vacate the perimeter
don't worry, we will meet again just outside
this time, i have brought my carving knife

i heard someone is in need of a spine.

Montag, 14. September 2026

pleiades

i abandoned control somewhere between ice-cold clouds
came back just to disappear without a trace
afraid that silver-eyed demons might have spoken the truth:
there's nothing left underneath the violence - the only beauty lies in decay

for years, i answered in blood, til i forgot the question
i created an image, ate all my feelings, a slave of a love-infected heart
tried to drown out the voices, still sharing a bed with ghosts of the past

walked with selene hand in hand, but never in daylight;
the vampiric assassin of my own better life
crumbled city walls between the tips of my fingers
fought a knight in fcking shining armor,
then stepped outside, the destruction

to choose the moon instead of a brain,
cause where the hell had thinking ever led me
chose the stars for eyes, so i could see her in heaven
never found a cure for love, never will

Freitag, 11. September 2026

anti/gravity

I. Der Atlantik ist mitternachtsblau und bricht sich in türkisen Wellen an den Klippen. Weiße Gischt sitzt wie eine Krone auf den dunklen Kämmen. Ich denke (trotzdem) an Deine (grünen) Augen. Paradox ist meine Normalität.

Und ich habe aufgehört, die Strichliste zu führen - schon bevor ich überhaupt angefangen hatte. Im Kopf bin ich bis fünf gekommen, vielleicht, dann dachte ich nur: fck my life. Und hab es akzeptiert; fühle mich deswegen nicht schuldig. Ich wünschte niemanden weg. Ich würde auch nicht tauschen wollen. Ein Zuhause habe ich in einem anderen Leben. In diesem bin ich ohne Dich glücklich, irgendwann.

II. (Aber das stimmt nicht. Ich würde, wenn ich könnte. Immer. Nur manchmal zögere ich.)

III. "Ich bin wegen Dir hier" denke ich. Hier, irgendwo auf dem Atlantik, bin in Morro Jable auf ein Boot gestiegen. Hier: überhaupt noch irgendwo auf dieser Welt. Bin ich nur noch wegen Dir. Und Du? Bist nicht mehr da, und ich kann's Dir nicht erzählen: dass ich gar nicht seekrank geworden bin, heute schon weiße Dünen, tiefblauen Ozean, und darin sogar Delfine gesehen habe. Kurz danach war ich kurz davor zu beschließen, dass Du tot bist. Weil die Geschichte sich so einfacher erzählen ließe; ich nichts für das Ende könnte. Aber ich will nichts mehr, als dass es Dir gut geht. Also hoffe ich, dass das so in Ordnung ist für Dich. Falls nicht: you know where. *

IV. Das Meer ist irgendwo unter einer Wolkendecke verschwunden. Ich starre auf die Innenverkleidung des Flugzeuges, die in einem lebensbejahenden Grau gestaltet ist, und denke trotzdem an Dich. Ich werde in meinem Leben wohl nie in ein Flugzeug steigen können, ohne daran zu denken, wie Du mir erzählt hast, dass Du überlegt hattest, Stewardess zu werden. Also sitze ich da, umgeben von Grau und Fremdheit, und stelle mir vor, wie Du wohl aussehen würdest in weißer Bluse und schwarzem Blazer, mit Zopf und Halstuch. 

V. Was tue ich denn eigentlich hier. FCK. 

VI. Und ich bin wegen Dir hier; auch wenn ich hier bin mit nem Kopf voller Gedanken, die vielleicht falsch sind, weil ich sitze hier neben Kätzchen, und wtf am I doing. Wenn Trauer bloß Liebe ist, die nirgendwo mehr hingehen kann, werde ich niemals aufhören damit. Ich wüsste nicht, wie - und ich wüsste nicht, ob ich wollte. Vielleicht, wenn ich Dich irgendwann aus mir heraus gesprochen habe, in winzig kleinen Stückchen, dann. Vielleicht höre ich dann auf mich so zu fühlen, als sei ich auf der Suche nach etwas, von dem ich weiß, dass ich es sowieso nie finden kann, weil es nur in meiner Vergangenheit existiert. 

* If you wanna break free, you know where to find me
If you wanna break free, you know where, you know where
Starset - Antigravity

Donnerstag, 27. August 2026

re: double feature

she is not the architect; she's the architecture
she's in the walls, the ceiling, the basement - and she is not alone
you are there - not the architect, either;
this is not a place to create, you are but allowed to admire

you are there, frozen, you can't get any closer -
try to leave, but you won't be able to open all these doors
that's what she does - she likes you best when you're like a ghost:
transparent, only she can see you,
and every time she looks away, you just cease to exist
your future. is viole(n)t. or nothing at all.

and you don't know it yet -
even if you did, it wouldn't make a fucking difference,
cause you don't get to choose -
but nothing would be better than rotting away in this prison, forever.

Montag, 17. August 2026

Nimmersatt

Indigo - Arcane Roots
Broken - The Haunted Youth
Rescue Me - Thirty Seconds To Mars
Rain - Sleep Token
It's All So Incredibly Loud - Glass Animals
Au Revoir - One Republic
More Than You Know - Axwell /\ Ingrosso
Exoskeleton - VANT

Wir haben nie wieder über das Buch gesprochen. Weil ich den Teil so gerne vergessen wollte. Und vielleicht kann man die Entscheidung rückgängig machen - ganz gewiss kann man das, aber das heißt nicht, dass ich auch meine Gefühle ungefühlt machen kann. Miserabel habe ich mich gefühlt. Und dann dachte ich, dass das wieder in Ordnung kommt. Und jetzt?

Ich hänge an Dir. Aber ich häng' an nem seidenen Faden. Mit Händen, geschickt genug, sich nen Strick draus zu drehen. Aber das realisierst Du auch nicht. Wie auch. Du realisierst ja auch nicht, wen Du da eigentlich an Deiner Seite hast. Oder es ist Dir schlichtweg egal? Oder. Soll das so sein? Wasauchimmer: es frisst meine Energie wie eine nimmersatte Raupe. Könnten wir aufhören, bitte? Vielleicht kriegen wir's nicht ungefühlt, aber für den Anfang trennen wir die Seite mit den Songs einfach raus, und wenn wir dann auch noch mein Herz flicken, damit es nicht mehr so viele Löcher hat, musst Du niemals wieder zuhören. Oder ist es das, was noch helfen kann an diesem Punkt: Worte? Ich weiß es nicht. Denn was weiß ich schon?