Aus einem Herbst einer längst vergangenen Zeit
Erinnerungen: ein weißes Haus, ein seelenloses Zimmer. Es ist k a l t. Wenn ich den Kopf leicht nach links drehe, kann ich durch das Fenster in einen sterbenden Garten sehen. Er könnte fast schön sein in seinem Verfall; doch kann ich nicht anders als Cheza anzusehen - sie ist schöner. Als alles, was mir jemals begegnet ist. (Sie würde widersprechen, würde ich diese Worte tatsächlich äußern. Also tue ich es nicht. Ich darf nicht. Der plot twist: Sie nennt m i c h wunderschön und … was tut sie denn da? Ist das in Ordnung?)
Ich: lese ihr aus einem Buch vor* und rede in Metaphern. Sie benutzt die Sprache meiner Träume. (Ihre Worte sind wie Diamanten, ähnlich wertvoll. Mit zitternden Fingern hebe ich sie vom Boden auf.) Aber sie spricht auch Realität. Eigentlich sollte sie mir sagen, dass wir uns nicht mehr so oft sehen können - doch sie tut es nicht. Weil es sich für sie (auch) nicht. Richtig. Anfühlt. Dann sind da noch: Kirschkuchen im Dezember. Eine Blume, die niemals sterben kann. Und Wärme, wann immer sie mich in den Arm nimmt. Wärme … das erste Mal in - dieser Woche? Diesem Monat? Diesem Leben? Ich wünschte, sie würde mich nie wieder loslassen. Aber sie tut es doch. Ich bin verwirrt weil es sich so gut anfühlt, verwirrt weil das doch nicht so sein sollte und verwirrt weil. Es sich einfach viel zu gut anfühlt. Dann: gehe ich. Alleine. In die Dunkelheit. Die Tür fällt jedes Mal viel zu laut hinter mir ins Schloss; ein Geräusch, das ich verabscheue. Denn es besitzt die Macht, (uns) zu trennen. [...]
* "Die Welt ist ein Schattentheater, eine Oper, und Szenen wie diese sind die Glanzpunkte in ihrem Libretto. Sei nicht allzu verärgert über meine Rolle. Du würdest es nicht verstehen, ganz gleich, wie oft ich es Dir erklärte. […] Die Gesunden können die Entleerten, die Gebrochenen nicht verstehen. Du würdest mir lediglich die Gründe aufzählen, warum sich das Leben lohnt, aber die habe ich alle im Frühsommer am Victoria-Bahnhof zurückgelassen. […]"
David Mitchell - Der Wolkenatlas
David Mitchell - Der Wolkenatlas
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Nur minimal bearbeitet; gekürzt, am Ende - aber was ist schon das Ende, oder, besser: wann? Wenn ich doch hier noch sitze, mit Geistern in meinem Kopf und einem seltsamen undefinierten Gefühlsknäuel in meiner Brust. Nach fast 12 Jahren. (Sieben, wenn man sich auf den Text bezieht. Vier, wenn man - und sechs Monate erst, nachdem ich dachte, meine gesamte Welt würde aufhören zu existieren.) Zeit. Ist ein wundersames Ding. Aber was davon hat noch eine Bedeutung? Wenn es stimmt, dass wir nicht nur Tropfen sind. Sondern auch Ozean - ?
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