Dienstag, 8. August 2023

when i open my eyes to the future, i can hear you say my name

Ich habe meine Haare gefärbt und mir eine Brille gekauft, und so langsam erkenne ich mich, wenn ich den Spiegel schaue. // Es ist mir egal, was andere Leute davon halten. Wenn es sich authentisch anfühlt, ist die Veränderung nicht zu krass. // Bei fast allen Personen, die mir wichtig sind, habe ich mich inzwischen geoutet - und auch auf der Arbeit. // (Als ich heute nach meinem Urlaub wieder in die Praxis gekommen bin, hatten meine Kollegen in der Zwischenzeit alle Schilder geändert, auf denen mein Name steht. Da war ich ein bisschen sehr gerührt.) // (Manchmal, wenn mich diese irrsinnigen Zweifel überkommen und ich versucht bin zu denken, ich könnte einen Fehler gemacht haben, denke ich an diese Euphorie und weiß es wieder besser.) // Ich kann nicht sagen, wann ich mich das letzte Mal in meinem Leben so gut gefühlt habe. (Rell meint, ich würde viel zufriedener wirken. Und das liegt sicher nicht nur daran, dass es mir immer besser geht, wenn ich sie sehe.) // ("Hast du [hier ihre Äußerung einfügen] vermisst?" möchte sie wissen. Ich sage: Nein. Ich meine: Nein. Aber. Dich.) // (Sie ist so absolut großartig - es sei denn, sie löst gerade mal wieder heillose Verwirrung aus bei mir - aber das erwähne ich in jedem zweiten Post.) // Heute habe ich mich den ersten Personen, die ich vorher nicht kannte, als Rain vorgestellt und dieses Gefühl ist einfach nur wild. Ich kann nicht. Ich muss mich dann immer zurückhalten, weil dieses immense Glücksgefühl mich wahrscheinlich leicht übergeschnappt wirken lässt. // Ich brauche immer noch dringend eine Therapie. // "Der Termin ist nächste Woche Mittwoch..." - "Um...?" - "Um 11 Uhr." - "Dann denke ich an dich." (Da. Da seht ihr, wie cute sie doch ist.)

Nobody can say for certain
If maybe it's all just a game
When I open my eyes to the future
I can hear you say my name
Sleep Token - Rain

Samstag, 15. Juli 2023

the silence where i stood

ich mache das nicht mit absicht. und ich mache das mit absicht. und es funktioniert, und es funktioniert nicht; es funktioniert ganz eindeutig nicht, sonst würde ich hier nicht sitzen, alleine mit einer flasche wein. aus angst, zu weit zu gehen, gehe ich lieber. das darf ich sie bloß nicht wissen lassen, sonst wirft sie mir wieder vor, dass ich ihr nicht genug vertrauen würde. dabei hat das mit vertrauen nichts zu tun. ich kenne sie. aber
m i c h kenne ich auch. und streng genommen weiß ich, dass ich's mir nicht erlauben dürfte, sie zu brauchen. aber ich tu's doch. vielleicht geht's ja gut aus dieses mal? sie sieht auch das problem überhaupt nicht; völlig mitleidslos ist sie der meinung, ich müsse das jetzt eben lernen. dass jemand [also: sie] gut ist zu mir. und dass nichts schlimmes passiert. [ich kann hier nicht weiter schreiben. ich bin viel zu verwirrt. sie sagt all diese dinge zu mir; vor ein paar tagen sagte sie, sie sei stolz auf mich, und ich wusste absolut nicht, wie ich darauf reagieren sollte. ich weiß auch nicht, ob das überhaupt schonmal jemand zu mir gesagt hat. scheiße, ist das nicht traurig? ja, doch, vielleicht mache ich das mit absicht; irgendwie muss ich ja sicherstellen, dass sie mir nicht auch noch abhanden kommt. das könnte ich nicht ertragen.]

In my whole life
There's silence where I stood
I found you in the lone light
Never knew it felt this good
Won't you teach me how to see
The way you see me
Talos - See Me

you gave me nothing whatsoever but a reason to leave

When you sit there acting like you know me
Acting like you only brought me in to get below me
Never mind the death threats parting at the door
We'd rather be six feet under than be lonely
And if you had a problem then you should have told me
Before you started getting all aggressive and controlling
Sleep Token - Granite

Jetzt mal im Ernst. Was ist denn los mit Dir? Ich hab getan, was Du wolltest. Und jetzt ist das hier meine Schuld? Ja, ich bin gegangen. Ich bin tatsächlich gegangen - nachdem DU mich weg geschickt hattest. Ich wäre doch geblieben - Du hättest es nur sagen müsen, aber Du wolltest nicht. Und nun stört es Dich, dass in meinem "neuen Leben" kein Platz mehr ist für Dich? Wessen Verantwortung ist denn das? Hätte es Dir vielleicht gefallen, wenn ich noch länger gewartet hätte auf Dich, irgendwo da zu Deinen Füßen? Das kannst Du vergessen. Du wolltest Dich doch nie befreien; wolltest bloß ein bisschen Gesellschaft haben in Deinem verdammten goldenen Käfig. Und ich war zu blind, um das zu erkennen. Aber nun weiß ich es besser. Und ich werde garantiert nie wieder auch nur einen einzigen Fuß über Deine Türschwelle setzen.

Mittwoch, 12. Juli 2023

this is (not) goodbye

24 Minuten lang haben wir uns nichts zu sagen. Ich erzähle ihr von meiner Feststellung, dass es keine sinnvolle Fortsetzung für uns gibt. Einen würdigen Abschluss hätte ich mir gewünscht - doch das hier ist keiner; es macht mich wütend, dass sie mit allem so in Ordnung ist. Sie ist sogar okay mit ihrem Nicht-In-Ordnung-Sein und das fuckt mich komplett ab. Aber gut, nicht mehr mein Problem. (Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen, oder wie sagt man?) Mehr so pro forma fragt sie, wie es mir geht, ich sage: Ich habe herausgefunden, wer ich bin. Früher hätte ich konkretisiert: Ich bin non-binary* und mein Name ist Rain. (Ein Teil von mir vergeht sich in Trauer darüber, dass ich nie wissen werde, wie mein Name sich anhört aus ihrem Mund. Ein Teil von mir weint vor Erleichterung, weil es nun endlich vorbei ist. Und: weil alles andere im Moment beginnt.)

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* Hi. Jetzt nochmal offiziell für die Leute im Internet, und nicht in einem Halbsatz, in dem ich mein letztes Gespräch mit der Eiskönigin verarbeite. Durch mein Leben zieht sich gerade eine Reihe von Veränderungen, unter anderem dadurch angestoßen, dass ich (endlich!) das Gender-Rätsel lösen konnte. Ich bin non-binary (librafluid, falls Micro Label für euch interessant sind) und mein Name ist Rain. Rain Avery, um genau zu sein; ich wollte immer einen zweiten Vornamen, und nun habe ich ihn. Meine Pronomen sind they/them. Ich bin mitten im Coming Out Prozess (und im Prozess, mir einen Therapieplatz zu suchen; nach meinem Urlaub im August habe ich ein Erstgespräch) und fühle mich so befreit wie noch nie in meinem Leben zuvor. Weil es genau das endlich ist: mein Leben. Natürlich hängen an der ganzen Sache auch unglaublich viele Faktoren, die mich stressen. Aber das regelt sich mit der Zeit, ganz bestimmt.

(Falls sich hier andere NBs herumtreiben, und jemand hätte daran Interesse, sich mit mir auszutauschen, lasst mir gerne einen Kommentar da. Ich würde mich freuen.)

Samstag, 17. Juni 2023

Exulansis

e x u l a n s i s
noun
the tendency to give up trying
to talk about an experience because
people are unable to relate to it

(ich bin immer noch da. es ist chaotisch, aber größtenteils wieder in ordnung, denke ich.
(was ich hauptsächlich rell zu verdanken habe. ja, beides.) leider habe ich meine worte im april irgendwo verloren. wenn ich sie wiedergefunden habe, werde ich euch das wissen lassen.)

Sonntag, 4. Juni 2023

the path to decay

[TW bzgl. Depressionen/Suizidalität]

Ich habe es aufgegeben, diesen Zustand jeden Tag dokumentieren zu wollen, solange bis ich es überstanden habe. Dazu habe ich gar keine Energie mehr. Es ist Tag 11, mein Kopf will mich noch immer tot sehen. Das Ereignis, das wohl als Ursache anzusehen ist, ist mittlerweile längst wieder zur Bedeutungslosigkeit verkommen. (Naja. Fast. Ein bisschen muss ich mich noch damit herumschlagen. Aber auch nur, weil Rell es nicht gut sein lassen kann.)

Bloß sind die Gedanken immer noch da. Und nagen an mir. Zwischendurch war es immer wieder einen Tag lang fast in Ordnung - letzte Woche Montag und gestern zum Beispiel - und danach jedes Mal schlimmer als vorher. Ich hab versucht, mich vergessen zu lassen und meinem Kopf nicht zuzuhören - lies: mich betrunken und/oder Bedarf genommen, was bloß nicht immer die ... praktikabelste Idee ist, wenn man jeden Tag noch zur Arbeit geht. (Ehrlich, ich weiß nicht, wie d a s funktioniert. Der Plan dahinter war wohl, dass Ablenkung vielleicht ganz gut tut, aber in der Praxis bin ich auch am Durchdrehen.)

Und dann hat's sich nicht so angefühlt, als könnte ich diesen Zustand noch länger aussitzen. Also habe ich in meinem Kopf das Gästezimmer für diese Gedanken hergerichtet. Und mich mit ihnen zum Tee hingesetzt. Und mir den Vorschlag mal angehört. Und fing selbst an zu denken: Hey, gar keine so üble Idee. An dem Punkt hab ich kurz in Erwägung gezogen, mich einweisen zu lassen, weil ich mehr und mehr Angst vor mir selbst hatte. Aber wenn die Akutstationen in dieser Stadt genauso ein Witz sind wie in der Heimatstadt, bin ich alleine echt besser zurecht.

Das war am Donnerstag. Nun bin ich immer noch hier. Alleine mit der ganzen Scheiße. Auf dem besten Wege rückfällig zu werden, bei dem Versuch die Gedanken und Gefühle auszuhungern. Hab mich dreimal davon abgehalten, Rell anzurufen, wie ich es eigentlich tun sollte in solchen Situationen. Aber. Wohin würde das schon führen? Außer dazu, dass sie sich Sorgen macht. Und zu dem Ergebnis kommt, dass ich ne Therapie machen sollte. Ansonsten weiß nur Neeko, dass es mir im Moment nicht gut geht. Natürlich hat sie Hilfe angeboten, bloß finde ich es ein bisschen zu ... krass, Freunden davon zu erzählen. Wohin würde das schon führen? Außer dazu, dass die sich Sorgen machen. Und zu dem Ergebnis kommen, dass ich Therapie machen sollte.

Also klammere ich mich an die banalsten Pläne. (Sleep Token irgendwann nochmal live sehen. Der Besuch von meinem Bruder in ein paar Monaten. Mit Fuchs zocken, wenn der neue Laptop da ist. In der nächsten Wohnung eine Katze besitzen.) Egal was; es muss nur reichen für einen weiteren Tag. Und dann noch einen. Und noch einen. Und. Ich kann das; ich habe das schon ein paar Mal geschafft. Trotzdem bleibt die Angst, dass es dieses Mal nicht gelingen könnte.

Seems like I'm falling deeper
Deeper inside myself
Seems like I'm growing weaker
Much weaker each day 
Along the path to decay
Sirenia - The Path To Decay