cause i've been fast asleep, standing still in a stampede. i'm breaking my back, but i'm still sinking like a stone
Dienstag, 26. September 2023
Kapitel 45: Februar
... würde ich mich mittwochabend in den zug setzen, wahrscheinlich don't stay here zwei stunden auf endlosschleife hören, und keinen gedanken an nervosität verschwenden.
wenn sich im februar nichts verändert hätte -
... würde nervosität mich nach einer nicht sehr erholsamen nacht nach dem aufstehen überfallen; wäre ich einen vormittag lang kaum in der lage dazu, einen klaren gedanken zu fassen; müsste ich mich dazu zwingen zu frühstücken, bloß wäre es vermutlich schon 13 Uhr, also ist das wirklich der passende begriff?
wenn sich im februar nichts verändert hätte -
... würde ich mich nach all dem zittern ins haus schleichen, wie ein dieb, weil "wir müssen kein geheimnis daraus machen" eben nur in der theorie gut klingt. (und ich würde mir wünschen ... ich würde mir wirklich wünschen, dass sich etwas ändert.)
wenn sich im februar nichts verändert hätte -
... würden wir zusammen tee trinken, vielleicht auch kuchen essen, einfach weil wir es können, und weil ich ihr die bedeutung dieses tages erklärt hätte, und sie hätte sie verstanden. ich würde versuchen, meine dankbarkeit in worte zu fassen und dieses mal nur fast daran scheitern.
wenn sich im februar nichts verändert hätte -
... würde ich dann doch scheitern, an irgendeinem punkt später in unserem gespräch. ich. würde. scheitern., vergessen zu atmen, die zähne so fest aufeinander beißen, dass sie fast aus dem kiefer brechen. ich müsste die tränen zurückhalten, die worte, die aus meiner kehle klettern wollen, mühsam wieder herunterschlucken, damit ich bloß keinen fehler mache; und im bestreben, keinen fehler zu machen, mache ich alles falsch, was? hätte ich es dir denn jemals recht machen können?
wenn sich im februar nichts verändert hätte -
... wäre ich noch immer dort gefangen und würde mir einreden, freiheit liege im bereich des möglichen - freiheit für uns, aber du hast ja nicht gewollt. du willst nicht. und ich vermisse dich trotzdem. und das ist okay. aber ich muss mir vor augen führen, was ich lange nicht erkennen konnte, damit ich nicht darin verloren gehe.
Freitag, 15. September 2023
// forever //
"Wenn du möchtest, kannst du für immer bleiben."
Sunlight burns inside
And I feel so alive
And help me now, tell me how
How can this last forever?
Red - Forever
[Ich versuche, das Vertrauen zuzulassen und bin mir doch bewusst, dass ich ihr genauso gut eine geladene Waffe in die Hand drücken könnte. Dabei weiß ich, sie hat mir versichert, dass nichts Schlimmes passiert. Und es wäre so einfach, ihren Worten Glauben zu schenken, aber so ganz kann ich mir das (noch) nicht erlauben. Vielleicht mit der Zeit, wenn die passenden Taten folgen, so wie heute; ich hab sie gebraucht und das war in Ordnung für sie. Sie macht, dass a l l e s wieder in Ordnung kommt. Auch wenn ich meine Ängste vor der Zukunft von ihr fernhalte - wie sollte ich denn auch zugeben, wie furchtbar die Vorstellung für mich ist, dass sie mich irgendwann nicht mehr sieht? Also versuche ich, die "letzten" Wochen zu genießen, bevor das absolute Chaos über mich herein bricht. Aber: Ich bin mir sicher, das kommt auch wieder in Ordnung, irgendwie.]
Dienstag, 8. August 2023
when i open my eyes to the future, i can hear you say my name
Ich habe meine Haare gefärbt und mir eine Brille gekauft, und so langsam erkenne ich mich, wenn ich den Spiegel schaue. // Es ist mir egal, was andere Leute davon halten. Wenn es sich authentisch anfühlt, ist die Veränderung nicht zu krass. // Bei fast allen Personen, die mir wichtig sind, habe ich mich inzwischen geoutet - und auch auf der Arbeit. // (Als ich heute nach meinem Urlaub wieder in die Praxis gekommen bin, hatten meine Kollegen in der Zwischenzeit alle Schilder geändert, auf denen mein Name steht. Da war ich ein bisschen sehr gerührt.) // (Manchmal, wenn mich diese irrsinnigen Zweifel überkommen und ich versucht bin zu denken, ich könnte einen Fehler gemacht haben, denke ich an diese Euphorie und weiß es wieder besser.) // Ich kann nicht sagen, wann ich mich das letzte Mal in meinem Leben so gut gefühlt habe. (Rell meint, ich würde viel zufriedener wirken. Und das liegt sicher nicht nur daran, dass es mir immer besser geht, wenn ich sie sehe.) // ("Hast du [hier ihre Äußerung einfügen] vermisst?" möchte sie wissen. Ich sage: Nein. Ich meine: Nein. Aber. Dich.) // (Sie ist so absolut großartig - es sei denn, sie löst gerade mal wieder heillose Verwirrung aus bei mir - aber das erwähne ich in jedem zweiten Post.) // Heute habe ich mich den ersten Personen, die ich vorher nicht kannte, als Rain vorgestellt und dieses Gefühl ist einfach nur wild. Ich kann nicht. Ich muss mich dann immer zurückhalten, weil dieses immense Glücksgefühl mich wahrscheinlich leicht übergeschnappt wirken lässt. // Ich brauche immer noch dringend eine Therapie. // "Der Termin ist nächste Woche Mittwoch..." - "Um...?" - "Um 11 Uhr." - "Dann denke ich an dich." (Da. Da seht ihr, wie cute sie doch ist.)
Nobody can say for certain
If maybe it's all just a game
When I open my eyes to the future
I can hear you say my name
Sleep Token - Rain
Samstag, 15. Juli 2023
the silence where i stood
ich mache das nicht mit absicht. und ich mache das mit absicht. und es funktioniert, und es funktioniert nicht; es funktioniert ganz eindeutig nicht, sonst würde ich hier nicht sitzen, alleine mit einer flasche wein. aus angst, zu weit zu gehen, gehe ich lieber. das darf ich sie bloß nicht wissen lassen, sonst wirft sie mir wieder vor, dass ich ihr nicht genug vertrauen würde. dabei hat das mit vertrauen nichts zu tun. ich kenne sie. aber
m i c h kenne ich auch. und streng genommen weiß ich, dass ich's mir nicht erlauben dürfte, sie zu brauchen. aber ich tu's doch. vielleicht geht's ja gut aus dieses mal? sie sieht auch das problem überhaupt nicht; völlig mitleidslos ist sie der meinung, ich müsse das jetzt eben lernen. dass jemand [also: sie] gut ist zu mir. und dass nichts schlimmes passiert. [ich kann hier nicht weiter schreiben. ich bin viel zu verwirrt. sie sagt all diese dinge zu mir; vor ein paar tagen sagte sie, sie sei stolz auf mich, und ich wusste absolut nicht, wie ich darauf reagieren sollte. ich weiß auch nicht, ob das überhaupt schonmal jemand zu mir gesagt hat. scheiße, ist das nicht traurig? ja, doch, vielleicht mache ich das mit absicht; irgendwie muss ich ja sicherstellen, dass sie mir nicht auch noch abhanden kommt. das könnte ich nicht ertragen.]
In my whole life
There's silence where I stood
I found you in the lone light
Never knew it felt this good
Won't you teach me how to see
The way you see me
Talos - See Me
you gave me nothing whatsoever but a reason to leave
When you sit there acting like you know me
Acting like you only brought me in to get below me
Never mind the death threats parting at the door
We'd rather be six feet under than be lonely
And if you had a problem then you should have told me
Before you started getting all aggressive and controlling
Sleep Token - Granite
Jetzt mal im Ernst. Was ist denn los mit Dir? Ich hab getan, was Du wolltest. Und jetzt ist das hier meine Schuld? Ja, ich bin gegangen. Ich bin tatsächlich gegangen - nachdem DU mich weg geschickt hattest. Ich wäre doch geblieben - Du hättest es nur sagen müsen, aber Du wolltest nicht. Und nun stört es Dich, dass in meinem "neuen Leben" kein Platz mehr ist für Dich? Wessen Verantwortung ist denn das? Hätte es Dir vielleicht gefallen, wenn ich noch länger gewartet hätte auf Dich, irgendwo da zu Deinen Füßen? Das kannst Du vergessen. Du wolltest Dich doch nie befreien; wolltest bloß ein bisschen Gesellschaft haben in Deinem verdammten goldenen Käfig. Und ich war zu blind, um das zu erkennen. Aber nun weiß ich es besser. Und ich werde garantiert nie wieder auch nur einen einzigen Fuß über Deine Türschwelle setzen.
Mittwoch, 12. Juli 2023
this is (not) goodbye
24 Minuten lang haben wir uns nichts zu sagen. Ich erzähle ihr von meiner Feststellung, dass es keine sinnvolle Fortsetzung für uns gibt. Einen würdigen Abschluss hätte ich mir gewünscht - doch das hier ist keiner; es macht mich wütend, dass sie mit allem so in Ordnung ist. Sie ist sogar okay mit ihrem Nicht-In-Ordnung-Sein und das fuckt mich komplett ab. Aber gut, nicht mehr mein Problem. (Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen, oder wie sagt man?) Mehr so pro forma fragt sie, wie es mir geht, ich sage: Ich habe herausgefunden, wer ich bin. Früher hätte ich konkretisiert: Ich bin non-binary* und mein Name ist Rain. (Ein Teil von mir vergeht sich in Trauer darüber, dass ich nie wissen werde, wie mein Name sich anhört aus ihrem Mund. Ein Teil von mir weint vor Erleichterung, weil es nun endlich vorbei ist. Und: weil alles andere im Moment beginnt.)
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* Hi. Jetzt nochmal offiziell für die Leute im Internet, und nicht in einem Halbsatz, in dem ich mein letztes Gespräch mit der Eiskönigin verarbeite. Durch mein Leben zieht sich gerade eine Reihe von Veränderungen, unter anderem dadurch angestoßen, dass ich (endlich!) das Gender-Rätsel lösen konnte. Ich bin non-binary (librafluid, falls Micro Label für euch interessant sind) und mein Name ist Rain. Rain Avery, um genau zu sein; ich wollte immer einen zweiten Vornamen, und nun habe ich ihn. Meine Pronomen sind they/them. Ich bin mitten im Coming Out Prozess (und im Prozess, mir einen Therapieplatz zu suchen; nach meinem Urlaub im August habe ich ein Erstgespräch) und fühle mich so befreit wie noch nie in meinem Leben zuvor. Weil es genau das endlich ist: mein Leben. Natürlich hängen an der ganzen Sache auch unglaublich viele Faktoren, die mich stressen. Aber das regelt sich mit der Zeit, ganz bestimmt.
(Falls sich hier andere NBs herumtreiben, und jemand hätte daran Interesse, sich mit mir auszutauschen, lasst mir gerne einen Kommentar da. Ich würde mich freuen.)