Was auch positiv ist: mein Schnelltestergebnis.
Was geplant ist: ein PCR Test. Am Montagabend.
cause i've been fast asleep, standing still in a stampede. i'm breaking my back, but i'm still sinking like a stone
Vor fünf Stunden hast Du mich gefragt "Was ist los?" als ich am Telefon nicht mehr sprechen konnte. Da konnte ich nicht sagen Du brichst mir das Herz. Dich das gerade sagen zu hören bricht mir das Herz. Deine Worte waren zwar allgemein gesprochen, aber die gleichen Dinge hättest Du auch über uns sagen können. G e n a u die gleichen Dinge könntest Du auch über uns sagen. Ich sitze jetzt hier, fünf Stunden danach, und frage mich immer noch - oder schon wieder? - was das nun für eine Bedeutung hat. (Ich habe keine Chance. Hatte ich nie, was?)
Ich sitze auch hier und frage mich, was ich im Moment fühle; vielleicht ist da Wut, weil es sich gerade nicht so anfühlt, als wärst Du Teil der Lösung, Cheza. Du solltest Teil der Lösung sein. Weißt Du das denn nicht?
Und ich weiß nicht - ich weiß immer noch nicht, was zum Teufel wir hier eigentlich veranstalten. Die meiste Zeit brauche ich keine Antwort auf diese Frage, weil es sich richtig anfühlt, der Rest ist egal. Jetzt fühlt's sich mit einem Mal nicht mehr richtig an; es fühlt sich an wie: gefangen sein und sich nicht befreien können - so ungefähr das Gegenteil von dem, was Du Dir wünschst für mich. Du beschreibst dann, was ich brauche, und ich denke: Du beschreibst Dich. Es klingt, als würdest Du von Dir sprechen - tust Du aber nicht. Das. Tut. So. Weh. Dich plötzlich nicht mehr von "Gegenseitigkeit" sprechen zu hören auch - aber Du meinst ja gar nicht uns, sondern ganz neutral zwei Personen, die nicht unsere Namen tragen, wohl aber in unserer Position sind. Als würden wir ein weiteres Mal passieren. Als wären wir kein Fehler, den es auszubessern gilt beim nächsten Mal. (Nein, ich bereue es nicht, mich wieder und wieder für Dich entschieden zu haben. Aber ein Teil von mir glaubt, das wäre die einzig angemessene Reaktion.)
Das Haus verlassen und sich nach rechts wenden, es sind nur ein paar wenige Schritte bis zur Kreuzung. Die Straße überqueren, einmal, und vor dem mexikanischen Restaurant ein zweites Mal, dann links an der Bibliothek vorbei, bis zur nächsten, noch größeren Kreuzung. Jetzt nur ein Mal über die Straße und dann ist da ein Park; man könnte links daran vorbeigehen oder rechts, oder auch mittendurch laufen, wenn man das wollte. Sich für rechts entscheiden, immer. In dieser Straße befindet sich die kleinste Kirche der Welt, dahinter muss man schon wieder rechts abbiegen, nun bis zur Kreuzung laufen, der vierten jetzt, an dieser Stelle geht's nach links, und dann folgt man der Straße bis zum Zebrastreifen. Stehen bleiben, kurz, hält dieses Auto auch wirklich an, und ein paar Meter weiter gibt's eine kleine Abkürzung, runter von den Gehwegplatten, rauf auf den sandigen Pfad, am Spielplatz vorbei. Sich rechts halten, bis zum Restaurant, ein italienisches dieses Mal, dann erneut die Straße überqueren, länger stehen bleiben nun, hier ist kein Zebrastreifen, nur eine Fußgängerinsel, dieses Auto wird nicht anhalten. Ein paar Meter weiter dann eine Ordnungswidrigkeit begehen; die Straße ist jetzt aus Kopfsteinpflaster, völlig unpassend irgendwie, und hier ist auch eine Ampel, aber es wird kein Auto kommen, wirklich nicht, die nehmen doch alle die Hauptstraße, also muss man nicht warten, bis es grün wird, man kann einfach so über die Straße laufen. Hier dann wieder ein Park; man könnte links daran vorbeigehen oder rechts, mittendurch laufen geht nicht, da ist eine Hecke im Weg. Sich für rechts entscheiden, wieder. Das Ziel ist in der dritten Straße
links - bevor man ankommt, muss man noch aufpassen, dass die Schuhe nicht allzu dreckig werden; hier unter den Ahornbäumen ist der Gehweg uneben und es bilden sich Pfützen, und wenn man jetzt durch nasses Laub läuft, muss man gleich um den Teppich herumtänzeln, da ist es einfacher, an dieser Stelle kurz aufzupassen. (Man müsste tänzeln, weil die Schuhe an bleiben, und das obwohl man zuhause ist, verrückt eigentlich. A l l e s an diesem Zuhause ist ein bisschen verrückt, aber das fällt Jahre später erst auf, als der Weg schon längst ein anderer geworden ist; es ist schwieriger, ihn zu finden jetzt, viel zu schwierig manchmal.)
What if I just can't find my way back home?
What about all the things I just don't know?
What if I just can't find my way back home?
Would you be there to show me where to go?
Bag Raiders - Way Back Home
[Titel: Sleep Token - Like That]
Ich weiß, ich muss loslassen, aber ich will nicht vergessen. Sie fehlt mir. Immer. Und wenn das Vermissen mich ein bisschen zu sehr zerreißt, rufe ich mir in Erinnerung, wie sie ausgesehen hat als wir uns das letzte Mal gesehen haben. Ich kann mich gut an ihr Gesicht erinnern und an ihre Hände und ich könnte millimetergenau angeben, bis wohin ihre Haare auf ihre Schultern fallen. Ich weiß welche Schuhe und welchen Mantel sie im Winter gerne trägt und welches Kleid im Sommer. Aber ich habe vergessen, welches Kleid sie getragen hat an diesem Tag. Seit vier Tagen versuche ich, mich an ihr Kleid zu erinnern, und seit vier Tagen weine ich, weil ich es nicht kann. Und wenn ich ihr Kleid vergessen kann, was geschieht dann als Nächstes? Dann kann ich auch ihren Mantel und ihre Schuhe vergessen, und wenn ich das vergessen kann, kann ich auch ihre Haare vergessen und ihr Gesicht; ich könnte ihren Augen vergessen - kiefernwaldgrün, mit goldenen Sprenkeln, so wie das Sonnenlicht, das auf den Waldboden fällt. Und dann könnte ich selbst ihren Namen vergessen - damit das nicht passiert, flüstere ich ihn in die Stille - ich könnte so viel vergessen, dass nichts mehr übrig bleibt von ihr. Wenn das geschieht, begrabt mich. Begrabt mich zum Klang ihres Namens: zwei Silben, dann Stille für immer.
[Triggerwarnung bzgl. Alkohol/Suizidalität]
"Eine meine besten Freundinnen ist eine der besten Psychologinnen, die ich kenne. Also nochmal: kann ich dir irgendwie helfen?" [Rell so.]
Ich möchte keine Hilfe. Ich möchte einfach bloß in Ruhe sterben, und ich bin wütend, weil das nicht geht. Rell lässt mich nicht. Cheza auch nicht. (Bei dem Gedanken an sie werde ich noch wütender. "Wenn es dir schlecht geht musst du mich anrufen" sagt sie. Und dann rufe ich sie tatsächlich an, weil ihre Stimme zu hören das einzige wäre, das mich davon abhalten würde, Gin direkt aus der Flasche zu trinken, und was passiert? Sie geht nicht ans Telefon.)
Ich entscheide mich dann doch dafür, Gin und Tonic Water aus einem Glas zu trinken. Als würde das einen Unterschied machen. Es darf bloß nicht wieder so eskalieren wie am Montag denke ich. Als könnte ich gerade noch irgendetwas in meinem Leben kontrollieren. Wobei ich mir einrede, dass das Trinken eine bewusste Entscheidung ist - ich will das tun; ich
b r a u c h e das. Ich muss mich vergessen lassen dass ich keine Sekunde länger hier sein möchte.
My feet won't carry me no more
My mind don't see reason to go on like this
I have a heart build for war
But I have never fought a fucking war like this
And right now I wanna die
When you put me in the ground go deep, deep, deep
If you aren't in my life
Let me lay down in the earth and sleep, sleep
Sleep it all away
King 810 - eyes
Ich will über so viele Dinge schreiben. Ich will über Hände schreiben; will über meine Hände schreiben, die Fleur de Sel auf geschmolzene Zartbitterschokolade streuen. Und ich will über ihre Hände schreiben, über ihre Hände an meiner Taille. Ich will nicht gestehen wie oft ich daran denke. Keiner darf das wissen. Ich will darüber schreiben, dass ich noch immer die Farben auf meiner Zunge schmecken kann; himbeerrot, pistaziengrün - ich muss dazu nicht einmal die Augen schließen. Ich will beschreiben, wie aus rocky road die traurigste Schokolade der Welt wurde; meine Schuld ist das gewesen. Aber ich hab's einfach nicht über mich gebracht sie alleine zu essen. Ich will berichten - wenn auch widerwillig - dass ich Stunden brauche um mich aufzuraffen und dann doch die Wohnung aufräume; dass die Entscheidung, heute noch etwas "Vernünftiges" zu essen ein Kampf ist und ich will n i c h t berichten, sondern lieber verschweigen, dass ich am Ende fast in meinen Kartoffelbrei weine. (Im September ist mir das zuletzt passiert; damals war es Pflaumenkuchen und die Angst, in eine unbestimmte Zukunft aufzubrechen. Jetzt habe ich auch Angst, weil ich weiß, dass nichts von Dem Hier™ so schlimm ist wie's noch wird. Ich komme jetzt schon an meine Grenzen. Ich kann das einfach nicht.) Ich will erzählen, dass wahlweise Nothing But Thieves und/oder The Plot In You und/oder Sleep Token hier in einer Endlosschleife laufen, und Fleurie trotzdem in meinem Kopf singt. I loved, and I loved, and I lost you. (Dabei habe ich das gar nicht; ich weiß das, okay? Aber es hat sich so viel verändert, dass es sich doch so anfühlt.) Also Kopfhörer wieder aufsetzen, eine Playlist aussuchen und den musikalischen "Gegenangriff" starten. Ein paar Minuten später höre ich Vessel singen: I made loving you a blood sport I can't win. Ich weiß nicht ob das nun besser ist.
And somewhere
Somewhere the atoms stopped fusing
I'm still your favourite regret
You're still my weapon of choosing
Sleep Token - Blood Sport