ich hab ihr eine postkarte geschrieben, wieder, und ihr ein buch zum geburtstag geschenkt, das erste mal. ich würde ihr auch kirschen kaufen - sie liebt kirschen - dienstag vormittags, auf dem markt, wäre sie nicht in den urlaub gefahren. wenn sie zurück kommt, hat ihre liebste kirschensorte nicht mehr saison. dann müsste ich august-kirschen kaufen, und das, wo sie die mitte-juli-kirschen doch viel lieber mag. ob k e i n e kirschen dann besser wären als august-kirschen? ich weiß nicht genau. weiß nur, dass mein herz bisschen dumm ist. stehe unten vor dem fahrstuhl, als sie rein kommt, mache nen schritt auf sie zu, so als würde ich - was? sie nimmt mich in den arm, dann, als sei das die antwort auf meine frage, und ich bin verwirrt; hab mich verplappert. scheiße, dabei reden wir gar nicht mehr. sie hat keine zeit. das ist das einzige, das sie mir gerade sagt. ich nehm's persönlich, so als könnte sie, wenn sie wollte - ich weiß es doch einfach nicht besser. woher denn auch, wenn nicht von ihr.
also führe ich selbstgespräche; nein: lüge mir dann selbst ins gesicht - nein, auch nicht. mein verstand, ja, der soll meinem herz mal mitteilen, dass das nur eine ausnahmesituation ist, und keinesfalls das ende. das bleibt nicht für immer so. (natürlich nicht, meint der klumpen in meiner brust so, und ich schlag ihm auf die finger, sonst würde er zum skalpell greifen, um sie aus mir heraus zu schneiden.) mein herz hat taube ohren.* und sie hat keine zeit. sie kommt zu spät zurück für kirschen. und ich, ich hoffe: ich hab's dann verlernt. verlernt, sie zu brauchen.
*mir ist, als hätte ich den satz schon mal gehört, irgendwo? der kam mir gerade so in den kopf, aber kommt mir seltsam bekannt vor. ich hoffe, ich hab den nicht geklaut, von jemandem. sorry, falls dem so sein sollte. ich weiß es gerade nicht besser.
Rain,
AntwortenLöschenIch bewundere deine Ausdauer und wünsche dir, na ja, dass sie sich irgendwann mal auszahlt.
Es ist durchaus möglich, dass ich auch schon so was schrieb wie: das Herz ist taub und vor allem blind aber ich gehe eh nie davon aus, dass unter den paar Milliarden Menschen derzeit und den paar Milliarden davor, niemand war, oder ist, der nicht gerade exakt die gleichen wenn nicht sogar die selben Gedanken hat wie ich. Es müssen in diesem Moment mindestens 100 sein, die einen ähnlichen oder gar gleichen Gedanken formulieren.
Es kann nicht anders sein.
Also, den Gedanken kenne ich auch, sehr oft denke ich oder fürchte ich, hä, ist das jetzt meiner oder..?
Glaube da haut das Impostorsyndrom rein. Es war dein Gedanke in dem Moment. Fertig.
Du hast ja nicht irgendwo abgeschrieben (gibt wohl nicht grundlos kein 'abgedacht'. Falls das überhaupt grammatikalisch richtig ausgedrückt ist. Hat bestimmt auch vor 70 Jahren jemand gedacht, 'abgedacht', witzig)
Machten dann geistiges Eigentum draus, okay. Ist ja nicht so als wärst du in jemandes Geist eingedrungen und hättest da gebrandschatzt und geplündert.
Jetzt interessiert mich brennend, wie viele Menschen genau es schätzungsweise bereits gab.
Oha, bis zu 108 Milliarden. Kann mir keiner erzählen, dass da nicht mindestens zwei exakt das selbe gedacht haben.
Und dann aufgeschrieben haben.
Würde jetzt jemand mit Harry Potter oder neu: Harold Porter kommen, einem jugendlichen Magier der auf eine Schule namens Hagworts geht– DAS wäre verdächtig.
Würde jetzt jemand mit ner neuen Bibel kommen, hey, der heilige Geist ist mir erschienen, schwöre, der wäre äußerst verdächtig und vermutlich direkt eingewiesen.
Früher ging das, dass einem Gott oder so erschien heute irgendwie nicht mehr.
Ein brennender Busch wäre heute entweder Brandstiftung oder üble Auswirkungen wegen Klimaerwärmung.
Und gerade das Thema Herz und so, gibt doch garantiert 10 Songs die darüber singen, dass das Herz sehr eigenwillig und überaus renitent ist– und taub und blind.
Das ist mal ein langer Kommentar, äh, sowy, war in Fahrt.
Liebe Grüße,
Silver
(jetzt möchte ich auch Kirschen🍒 )
P.S.
LöschenMeine kürzlichen Momente dieser Art: in Unter Null beschrieb ich diese bestimmten Momente, als würde etwas schlimmes passieren, unmittelbar bevorstehen.
Und als ich The Unabridged Journals von Sylvia Plath anfing, stand da:
"There are times when a feeling of expectancy comes to me, as if something is there, beneath the surface of my understanding, waiting for me to grasp it. It is the same tantalizing sensation when you almost remember a name, but don’t quite reach it..."
Sie führt das noch etwas weiter aus und endet sensationell ABER, ich war platt. Weil ich glaube, das Gefühl, der Ursprung war derselbe, auch wenn sie noch einen anderen turn nimmt und sowieso genial war, im Gegensatz zu mir.
Und ich habe MEIN Gefühl beschrieben, OHNE dass ich ihren Text vorher kannte.
Zweite kleine Sache.
Ich schrieb in Chaostheorie: magst du mich? Magst du mich überhaupt? Und höre dann Hanging out to dry von Forence Road, im Text: do you like me, do you want me? Und bäm, Kreis, verstehst du?
Ich habe es gedacht, bevor ich den Song hörte und der Gedanke wird doch safe tausendfach am Tag gedacht, nur vielleicht nicht immer niedergeschrieben. Magst du mich? Willst du mich? Magst du mich überhaupt?
Und ich hab noch mehr solche Situationen.
Finde ich faszinierend.
Und selbst wenn ein Text, ein Song dich inspiriert und dadurch etwas Neues entsteht, sensationell.
Und manchmal, fühlen und denken Menschen das gleiche.
Und oft kickt Impostor hart, das kommt auch noch dazu.
Liebe Grüße:)