-Da liegt etwas in der Septemberluft.- Ahornbäume; riesige Pfützen auf roten Pflastersteinen. Nachmittagssonne. Sie steht in der Tür eines weißen Hauses und sieht aus wie ein Engel.
-Nein. Das ist es nicht.- Zu kalt hier drin; vielleicht bin i c h es - ich wende mich ab, kann ihren Anblick nicht ertragen: es scheint, als wüsste sie nicht länger... Wie sie mich ansehen soll. Wie sie verhindern soll, dass. (Sie sieht mich an, so als sei dies nicht mehr das Beste, das hätte passieren können.) -Das ist es auch nicht.- Mehr Nachmittagssonne, Tomaten, frisch geerntet, F., Wir können ja mal... und das tun wir ein paar Tage später auch. Herbstlaub, am See im Gras sitzen, Tee aus einer Thermoskanne trinken. Apfel-Toffee-Brownies. -Auch nicht richtig.- Ein grauer Poncho, viel zu viel Geld für Kaffee ausgeben, weil K. so begeistert ist von Pumpkin Spiced Latte. Schwarze Schuhe kaufen. -Auch nicht.- Ein Neuanfang vielleicht, mit dem Rücken zum Bücherregal. Alte Verhaltensmuster, mit den Gedanken an einem anderen Ort. (In dem Licht, das durch die Fenster fällt, sieht sie irrsinnig schön aus. Ihr Haar ist so golden wie der Sonnenschein. Und ich, ich kann nicht... Ich kann nicht mehr...) -Es schnürt mir die Kehle zu; ich drehe mich in Kreisen. Kann die richtige Situation nicht zeichnen. Da liegt etwas in der Septemberluft, und ich bekomme es nicht zu fassen.-
cause i've been fast asleep, standing still in a stampede. i'm breaking my back, but i'm still sinking like a stone
Sonntag, 4. September 2022
September
Dienstag, 23. August 2022
lie to me
We'll walk the streets and then black out on red wine
There's joie de vivre in our spirits
I wonder how many years until that dies
You drag me out of a lonely state of mind
I'd never cut you on purpose
I'm just beginning to take hold of my life
Montag, 22. August 2022
help in the head (Oder: Der ganz normale Wahnsinn)
Dienstag, 16. August
"Ich schreibe heute noch meine Kündigung" sagt die Lieblingskollegin. Sie ist seit Monaten schon unzufrieden. Ich kann das verstehen, zumindest teilweise - und die Sache mit der toxischen Kollegin hat das Fass echt zum Überlaufen gebracht. Farewell, angenehmes Praxisklima. // "Kannst du vergessen, dass ich das gerade gesagt habe?" frage ich Rell und sie antwortet Nein. Ich befinde mich in einer weirden Ich-will-darüber-reden-achneindochnicht-Situation. Sie möchte dann wissen was sie tun kann, damit es mir besser geht und ich würde am Liebsten kotzen. Ich will nicht so sein wollen. Ich hätte nicht durchblicken lassen sollen dass Redebedarf besteht, aber ich habe absolut keine Energie mehr um zu verstecken, dass ich gerade nicht in Ordnung bin.
Mittwoch, 17. August
Nach dem Gespräch mit der Lieblingskollegin schlägt unsere Chefin sich auf ihre Seite. Uns beiden fällt ein Stein vom Herzen. Es soll wohl auch noch ein klärendes Gespräch mit Fräulein Toxisch geben - aber ich gehe stark davon aus, dass die Lieblingskollegin trotzdem zu Ende des Jahres kündigen wird, aus... Gründen. // Ich bin daran Schuld denke ich, und dieser Gedanke, dieses Gefühl frisst sich durch meinen Körper. Das ist meine Schuld. Ich bin dafür verantwortlich. Ich unterhalte mich dann mit Rell und kann die Worte nicht aussprechen; entscheide mich für eine Version, die weniger... krass klingt. "Wie hättest du das denn wissen sollen?" fragt sie, und natürlich hat sie Recht. I c h bin nicht diejenige, die einen Fehler gemacht hat. Und auch wenn Rell eigenartig optimistisch ist, ändert das nichts an der Tatsache, dass das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.
Donnerstag, 18. August
Entspannung an der Lieblingskollegin vs. Fräulein Toxisch Front - da wird die neue Kollegin (noch) problematisch(er). Mir gegenüber erzählt sie, sie fühle sich in der Praxis von "Migrationskindern überrannt" (ich könnte jetzt schon kotzen, aber es wird noch schlimmer) und wünsche sich mehr Patient:innen aus der "gehobenen Mittelschicht" - ob sie ihre "deutschen Patienten" denn nicht vorziehen könne? (Was. Zum. FICK?!?! Was bitte läuft bei dieser Frau verkehrt?!) Weil ich das nicht bis Dienstag für mich behalten kann, rufe ich meine Chefin an. Es verschlägt ihr die Sprache. Ich gehe stark davon aus, dass sie das Arbeitsverhältnis noch in der Probezeit beenden wird - dann müssen wir wieder einen Haufen Patient:innen in Pause schicken, aber besser keine Therapeutin als eine, die rassistisch ist, I guess? - während die Lieblingskollegin darauf setzt, dass die neue Kollegin aus eigenem Antrieb die Kündigung einreicht, weil ihr jetzt schon "alles zu viel" ist. (Das letzte Mal hat es vier Monate gedauert, die freie Stelle zu besetzen. Wenn es sich dieses Mal auch so lange ziehen sollte, stehe ich Ende des Jahres ohne Kolleginnen da. Großartig.)
Freitag, 19. August
"Ich will dich da nicht mit reinziehen" sagt die toxische Kollegin. Und dann tut sie es doch. Es ist so ermüdend. Ich will gerade gar nicht mehr darüber schreiben - das habe ich in den letzten vier Stunden mit der Lieblingskollegin zur Genüge getan. Die wollte mich da auch nicht mit reinziehen - i h r glaube ich das - aber dazu ist es zu spät. Und so wie es aussieht, werde ich nächste Woche auch nochmal für sie in die Bresche springen. Müssen könnte ich an dieser Stelle ergänzen, tatsächlich ist es eher ein Wollen, weil diese Vorwürfe, diese Negativität, dieses Gaslighting mir so dermaßen gegen den Strich gehen.
Samstag, 20. August
Ich hatte nie geplant, dass
Sonntag, 21. August
Da war ich ja gestern richtig zum Schreiben aufgelegt. Ich glaube, da sollte sowas stehen wie, dass ich nicht geplant hatte, dass sich in diesen Post (fast) alles um irgendwelche berufsbezogenen Dramen dreht. Und jetzt tut es das doch - weil sich in meinem Leben gerade (fast) alles um genau diese Dinge dreht. Der Stress, der dadurch entsteht, lässt mich nahezu vergessen, dass [Name] immer noch im Krankenhaus liegt, dass Cheza mir so fehlt, dass d i e s vielleicht die ersten Körnchen des Sandes sind, der durch meine Finger rinnt...
Montag, 22. August
Noch ein Notfall-Telefonat mit meiner Chefin. "Du hast [Name der Lieblingskollegin] gerade den Arsch gerettet" sagt sie. Denn: Fräulein Toxisch verdreht die Tatsachen, verdreht uns die Worte im Mund und meint allen Ernstes, ich hätte am Freitag ihre Version der Ereignisse bestätigt. Uff. Ein paar Mal ist mir schon der Gedanke gekommen, dass sie vielleicht gar nicht mit Absicht so manipulativ unterwegs ist, sondern schlichtweg den Bezug zur Realität verloren hat. Macht aber keinen Unterschied. Das Verhalten, das sie an den Tag legt... da kann ich mir gar nicht so fest vor den Kopf hauen, wie ich gerne würde. Ich will einfach nur, dass das vorbei ist. Ich wollte dich da echt nicht mit reinziehen sagen sie alle - und sind jetzt doch froh; zumindest meine Chefin ist froh darüber, dass ich ihr die Wahrheit erzählt habe. (Die ist natürlich auch immer subjektiv. Aber ich denke, ich kann Tatsache und Meinung gut voneinander trennen. Im Gegensatz zu anderen beteiligten Personen.)
Ja, ich will, dass es vorbei ist, auch wenn mir gleichzeitig nicht gefällt, wie es enden wird: die Lieblingskollegin will ja so oder so die Kündigung einreichen. Aus Gründen, die auch ein klärendes Gespräch nicht aus der Welt schaffen wird. Leider. // Es gibt Lichtblicke. Es geht wieder aufwärts, in anderen Bereichen. Vielleicht mache ich da noch einen gesonderten Post zu, dieser hier ist inzwischen lang genug geworden.
I said things, yeah, I confess
I just meant you needed help in the head
You don't know what I think I said
I just meant you needed help in the head
I just meant you needed help...
The Faint - Help In The Head
Montag, 15. August 2022
Tiefpunkt
"Heute habe ich den Tiefpunkt erreicht, glaube ich" habe ich gestern geschrieben. "Jetzt kann es nur noch in eine Richtung gehen: aufwärts." Ich. Lag. Falsch. Und wie ich falsch lag. // Als ich sie das letzte Mal gesehen habe, war sie, wenn man die Umstände betrachtet, noch recht guter Dinge. Jetzt liegt sie im Krankenhaus. Durch meinen Kopf schwirren Wörter, die ich zur Hälfte nicht richtig abgespeichert habe - Ösophagusirgendwas, Soundsodurchbruch - ganz deutlich eingebrannt haben sich nur: Biopsie, Lungenentzündung und Not-OP. Ich frage nach, ob sie "einigermaßen stabil" sei, und ernte als Antwort nur ein Schnauben. Kann sein dass du sie gar nicht mehr siehst meint Jalta in ihrer letzten Nachricht. Meine Erwiderung: Schweigen. Denn ganz ehrlich? Mir fehlen die Worte. Ich habe keine Ahnung, wie es mir geht, oder mir gehen
s o l l t e. Wahrscheinlich müsste ich mich von der Sache irgendwie distanzieren. Kann ich aber nicht. Weil ich nicht weiß, wie ich es ertragen sollte, wenn sie nicht wieder auf die Beine kommt.
Sonntag, 14. August 2022
there was sun // (i hate when you're not around)
Fürs Protokoll: das dachte ich auch schon nach dieser von Flashbacks und Traumakrams durchzogenen Woche Ende Juli. Nach der es n i c h t aufwärts ging. Mal sehen, da wären: die kritische Situation auf der Arbeit spitzt sich immer mehr zu. Ich bin im Moment nicht gerne in der Praxis. Und wenn meine Lieblingskollegin Ende des Monats tatsächlich kündigt, wird das Arbeitsklima erst recht unaushaltbar, weil meine Chefin ihr das nachträgt und eine von beiden (oder: beide?) nicht mehr in der Lage dazu sein wird, sich wie ein erwachsener Mensch zu verhalten. Plus: die neue Kollegin ist ebenfalls... problematisch. Plus: Schlafstörungen und Albträume, an die ich mich nicht gewöhnen kann. Ich hab sie [Cheza] schon so oft sterben sehen. Aber das letzte Mal war es so real, dass ich Tage gebraucht habe, um klarzukommen. Plus: viel mehr Dinge, in die Cheza involviert ist, die an dieser Stelle den Rahmen sprengen würden. Ehrlich gesagt waren es diese Dinge, die in mir das Bedürfnis ausgelöst haben sich aufzulösen, weil ich das einfach nicht länger aushalten konnte. Plus: eine Person, an der mir recht viel liegt, hat ein Gesundheitsproblem diagnostiziert bekommen, das eventuell nicht heilbar ist.
Plus die Sachen, die mich vorher auch schon gestresst haben - die sollten vorübergehend sein, und sind nun Dauerstress seit Mai. So ist das Erwachsenenleben, I guess? Wenn ich mit Freunden rede, bekomme ich ähnliche Geschichten zu hören. Irgendwie ist mir so, als sollte dem nicht so sein - so viel zu arbeiten, bis man auf dem Zahnfleisch kriecht, sich mit privaten und/oder psychischen Schwierigkeiten herumschlagen, zwei Wochen Urlaub machen und dann weiter arbeiten, bis man fast zusammenklappt. Scheint nicht so gut durchdacht zu sein. Alternative? Keine Ahnung.
Jetzt werde ich wohl wieder das tun, was einer meiner Patienten diese Woche zu mir meinte: gut auf mich aufpassen. Der Satz kam für mich ein wenig... unerwartet. Rückblickend war ich sehr froh darüber, weil er mir vor Augen geführt hat, was ich die letzten Wochen nicht getan habe. Mir ist bewusst dass das beinhaltet, dass ich wieder mehr Gefühle fühlen muss. Denn: die Wege, die daran vorbeiführen, führen allesamt in den Abgrund. Und ich will da nicht immer und immer wieder hochklettern müssen. Irgendwann bleibe ich vielleicht wirklich dort unten.
Some days I don't feel nothing at all
Now I'm pulling back the screen to let the future in
The light comes flooding in
The light comes flooding in
Nothing But Thieves - There Was Sun
Mittwoch, 3. August 2022
just a song that keeps me sane
Weil Musik mit Worten gerade zu ... viel ist.
Weil alles zu viel
(Weil ich auch keine Worte habe.)